US-Open-Finalistin Stephens Von Platz 957 bis ins Finale

Die Williams-Schwestern und dann kam lange nichts: Das US-Tennis hat seit Jahren Probleme mit dem Nachwuchs. Ist es Zufall, dass bei den US Open die US-Amerikanerinnen jetzt groß aufspielen?

AFP

Von Philipp Joubert


Diese US Open sind das Turnier der großen Überraschungen, und so ist es nur folgerichtig, dass Sloane Stephens und Madison Keys sich nun im Finale (22 Uhr MESZ, TV: Eurosport) gegenüberstehen. Nicht, weil sie kein Talent hätten: Es wird das Treffen zweier Hochbegabter. Aber Stephens, 24 Jahre alt, und Keys, 22, stehen bei Experten schon so lange auf der Liste der größten Talente, dass die Tatsache, dass beide dies jetzt endlich umsetzen, dann doch überrascht.

Beide schossen schon vor einigen Jahren in die Weltspitze und waren schnell als Nachfolgerinnen der Williams-Schwestern ausgeguckt. Doch Keys und Stephens fehlte die Konstanz, die Ordnung im Spiel, die Klarheit der Gedanken in den großen Matches. Dann kamen auch noch die Verletzungen. Keys musste zum Jahresauftakt bei den Australian Open passen und spielte sich erst im Sommer nach einem zweiten Eingriff am linken Handgelenk wieder in Form. Stephens hatte die vergangenen zwölf Monate sogar fast komplett pausieren müssen. Ende Juli war sie bis auf Platz 957 in der Weltrangliste zurück gefallen.

Doch in den vergangenen Wochen und vor allem in New York spielt Stephens auf ein Mal den Möglichkeiten ihres eigenen Körpers folgend. Niemand auf der Tour außer Serena Williams ist so athletisch wie Stephens. Doch nutzt sie diesen Vorteil nicht mehr wie in der Vergangenheit nur zum reinen Erlaufen von Bällen. Mittlerweile manövriert Stephens ihre Gegnerinnen strategisch vorausschauend über den Platz, rückt präzise und schnell aus der Defensive in die Offensive. So entwischte sie am Donnerstag auch Altmeisterin Venus Williams zu einem Zeitpunkt, als das Match schon fast verloren schien. Am Ende siegte Stephens 6:1, 0:6 und 7:5.

Ist die Stärke der US-Spielerinnen ein Trend - oder Zufall?

Finalgegnerin Keys war schon immer für ihre Wucht berüchtigt und trifft die Vorhand immer noch auf beeindruckende Art und Weise. Die 22-Jährige hat während der vergangenen Monate allerdings bei der Beinarbeit zugelegt, bewegt sich dem Ball mittlerweile entgegen statt ihm hinterher zu laufen.

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US Open: Finale der neuen Generation

Diese Finalkonstellation zweier charismatischer Aufsteigerinnen verspricht am Samstagabend gute Unterhaltung - aber ist sie auch Ausdruck eines Trends? Dominieren die USA - mit Coco Vandeweghe kam auch die vierte Halbfinalistin aus Nordamerika - ab jetzt wieder die Tenniswelt, so wie sie es einst zu den goldenen Zeiten des Sports in den Siebziger bis zu den Neunzigerjahren getan hatten?

Immer wieder war der im Vergleich reiche US-amerikanische Verband USTA seit der Jahrtausendwende für die anhaltende Ebbe hinter den Williams Schwestern und den sogar noch schlechteren Zustand im Herrenbereich kritisiert worden. Einige Fehler im USTA sind sicher hausgemacht - aber bei weitem nicht alle.

Der Sprung in die Weltspitze kann bereitet, aber nicht garantiert werden

Ausnahmeerscheinungen wie die Williams-Schwestern, Roger Federer, Rafael Nadal oder Novak Djokovic werden von keiner Verbandsstruktur hervorgebracht. Das hatte schon der Deutsche Tennis Bund in den Jahren nach Boris Becker und Steffi Graf gemerkt. Auch das beste System der Welt kann die großen Talente höchstens herausfiltern und ausbilden. Doch der Sport ist so individuell, dass der Sprung in die absolute Weltspitze nicht vorprogrammiert werden kann.

Ist das, was gerade in New York passiert, also Zufall? Der amerikanische Erfolg bei diesem Turnier eine bald schon vergessene Episode und die Suche nach einer neuen Serena und Venus vergebens? Nicht ganz. Der Strom an jungen Amerikanerinnen dürfte nicht so bald versiegen, die amerikanischen Strukturen, die von der High School an fast professionelle Bedingungen für junge Sportlerinnen und Sportler bieten, sind einzigartig. Da wird das Tennis mit seinen kommerziellen Möglichkeiten auch in Zukunft einen enormen Fixpunkt für junge, weibliche Talente bilden.

Geht es nach Stephens hat die neue Zeitenwende sowieso schon begonnen. "Für das amerikanische Tennis gibt es keine Fragen mehr", sagte sie nach dem Sieg lachend. Vielleicht hat sie Recht. Aber vor allem ist die Anzahl der Antworten größer als seit Langem.



insgesamt 5 Beiträge
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kopi4 09.09.2017
1.
Naja, ohne Serena Williams ist das Damentennis einfach so durchschnittlich das keine großen Unterschiede mehr zu sehen sind. 4 US-Spielerinnen im Halbfinale ist eher Zufall als Ausdruck neuer Stärke.
zaunreiter35 09.09.2017
2. Vielleicht
Vielleicht sollten Sie noch erwähnen, dass Sloane Stephens als verletzte Spielerin unter dem "protected ranking" steht. Wie sonst soll jemand, der auf 900irgendwas runtergefallen ist, an einem Major-Turnier teilnehmen. Ansonsten halte ich das eher für Zufall, dass 4 US-Girls unter den letzten Vier stehen. Könnte auch den Tschechinnen in einem Ausnahmefall glücken, aber deutschen Spielern und Spielerinnen eher weniger. Desweiteren finde ich die US-amerikanischen Strukturen hervorragend, die jungen Sportlern an Colleges und Universitäten geboten werden. Und das nicht nur für US-Amerikaner, nein auch für junge hoffnungsvolle Menschen aus aller Welt.
DocKnow 09.09.2017
3. Wow
Tennisspielerinnen, die gut sind und dazu auch nocht schön, gab es wohl noch nie. Anna Kurnikova war schön, aber nur fast gut. Sloane Stephens könnte die erst extrem schöne Frau sein, die die beste Tennisspilerin ist. Sie ist beeindrückend schön, ihr Gesicht ist faszinierend, und sie hat ein Jahrhundertlächeln.
jean-baptiste-perrier 10.09.2017
4. Verzerrte Wahrnehmung!
"Tennisspielerinnen, die gut sind und dazu auch nocht schön, gab es wohl noch nie." ------ Vollkommen unsinnige Aussage! Seit über hundert Jahren spielen Frauen Tennis. Und die haben Sie natürlich alle persönlich in Augenschein genommen? Tausende Frauen spielen allein in unserer Zeit gutes Tennis. In der Weltrangliste tauchen nur eben die allerbesten, professionell spielenden Frauen auf. So stehen unter den Top 50 eben die besten fünfzig Top-Spielerinnen (auf deutsch: Spitzen-Spielerinnen). Vielleicht hat der "PLAYBOY" ein Online-Forum? Da haben solche schrägen Betrachtungswinkel wohl mehr Sinn als hier. Was hat Schönheit mit sportlicher Leistung zu tun? Nix!
zaunreiter35 10.09.2017
5. Ganz ruhig, Brauner!
Zitat von jean-baptiste-perrier"Tennisspielerinnen, die gut sind und dazu auch nocht schön, gab es wohl noch nie." ------ Vollkommen unsinnige Aussage! Seit über hundert Jahren spielen Frauen Tennis. Und die haben Sie natürlich alle persönlich in Augenschein genommen? Tausende Frauen spielen allein in unserer Zeit gutes Tennis. In der Weltrangliste tauchen nur eben die allerbesten, professionell spielenden Frauen auf. So stehen unter den Top 50 eben die besten fünfzig Top-Spielerinnen (auf deutsch: Spitzen-Spielerinnen). Vielleicht hat der "PLAYBOY" ein Online-Forum? Da haben solche schrägen Betrachtungswinkel wohl mehr Sinn als hier. Was hat Schönheit mit sportlicher Leistung zu tun? Nix!
Es gibt halt so Menschen, die eine Sportlerin eher nach ihrer äußeren Erscheinung beurteilen anstatt ihrer sportlichen Ausübung. Gibt es ja auch im Frauenfußball zu hauf. Für sportliche Hochglanzbilder werden die dann "auf schön" frisiert und geschminkt, da muß man dann erst mal zweimal hinschauen, um noch die Sportlerin zu erkennen. Lira Bajramaj sollte ja das Aushängeschild für "2011 von ihrer schönsten Seite" werden. Was daraus geworden ist, wissen wir ja. *Ironie an* Wer will schon erfolgreiche lesbische Sportlerinnen sehen. *Ironie aus* Besonders einem fußball-liebenden Mann fällt dann ein Zacken aus der Krone, wenn er Pernille Harder oder Nilla Fischer sieht, die dann auch noch in einigen Spielen mit den Regenbogenfarben auf der Kapitänsbinde auflaufen. Und auch noch gut aussehen...Menno ;-)
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