US-Schwimmerin 41-jährige Torres qualifiziert sich für Olympia

Olympia-Teilnahme, die Fünfte: Die Schwimmerin Dara Torres ist neue US-Meisterin über 100 Meter Freistil - und damit Teilnehmerin der Olympischen Spiele in Peking. Bereits 1984 in Los Angeles gewann sie Gold. Dank ihrer Tochter startete sie nun ein drittes Comeback.

Von , Boston


Sie hüpfte, sie herzte, sie hatte Historisches geleistet, die deutlich jüngere Konkurrenz düpiert. Mit 41 Jahren hat sich Dara Torres als erste US-Schwimmerin zum fünften Mal für die Olympischen Spiele qualifiziert. Am Freitagabend kraulte die Amerikanerin bei den US-Meisterschaften in Omaha/Nebraska in 53,78 Sekunden zum Titel über die 100 Meter und wird somit im August die älteste Athletin im Nationalen Schwimm-Zentrum von Peking sein. "Ich kann es gar nicht glauben", jubelte Torres am Beckenrand, während aus den Lautsprechern des Qwest-Centers Lenny Kravitz' Klassiker "American Woman" dröhnte. "Ich habe gemischte Gefühle, denn jetzt werde ich einen Monat lang von meiner Tochter getrennt sein – und das wird emotional sehr schwer", so Torres.

US-Schwimmerin Torres: Wie eine Mutter
REUTERS

US-Schwimmerin Torres: Wie eine Mutter

Ihre zweijährige Tochter Tessa ist der Hauptgrund für die sensationelle Geschichte der Dara Torres. Als die Kalifornierin 1984 in Los Angeles mit der "4 x 100 Meter Freistil"-Staffel der USA Gold gewann, waren die heutigen Helden, Michael Phelps und Katie Hoff, noch gar nicht geboren. "2000 in Sydney haben wir beide schon rumgealbert und gesagt, dass sie wie eine Mutter zu mir ist", erinnert sich Phelps, der in Australien als 15-Jähriger seine Olympiapremiere hatte. "Was sie leistet ist einfach unglaublich."

Am Donnerstag wurde der Mutter-Kind-Vergleich erneut bemüht. 99 Schwimmerinnen traten in den Vorläufen über die 100 Meter Freistil an. Torres' Gegnerinnen waren unter anderem die beiden 13-jährigen Lea Neal und Missy Franklin, sechs weitere Konkurrentinnen sind 1992 geboren. In jenem Jahr hatte Torres nach den Sommerspielen in Barcelona ihre Karriere zum ersten Mal beendet. Blitzlicht statt Becken hieß es damals für sie – Torres modelte und brachte zudem ein Fitnessvideo auf den Markt.

Kurz von den Spielen 2000 in Sydney kehrte sie zurück – und wurde als 33-Jährige mit fünf Medaillen (zwei Gold, drei Bronze) zur erfolgreichsten US-Schwimmerin. Der anschließende zweite Abschied sollte eigentlich endgültig sein. Die Familienplanung stand im Vordergrund und nach mehr als 20 Jahren im Pool bekam Torres schon beim Geruch von Chlor schlechte Laune.

Doch die ungeborene Tessa brachte sie Ende 2005 zurück ins Becken. Denn Torres wollte auf keinen Fall diese typische Schwangere sein, die nur herumsitzt und zusieht, wie ihr Bauchumfang zunimmt. Ein Bekannter empfahl ihr das Masters-Schwimm-Programm eines Clubs in Coral Springs, zehn Kilometer von ihrem Haus in Parkland in Florida entfernt. "Ich bin ohne große Vorstellungen rübergefahren und habe die Dame bei der Anmeldung gefragt, was für Schwimm-Programme der Club anbietet", erzählt Torres und fängt dabei unweigerlich an zu schmunzeln.

Sie hatte der ahnungslosen Mitarbeiterin nicht erzählt, wer sie war. Die obligatorische Frage, ob sie denn in der Vergangenheit geschwommen sei und wenn ja, auf welchem Level, beantwortete Torres mit "Ja". "Gut, dann schreiben sie das auf die Anmeldung, ich werde das dann an einen unserer Trainer weiterleiten und der meldet sich dann bei Ihnen", meinte die Club-Angestellte. Torres füllte das Formular wie empfohlen aus und notierte: Viermalige Olympiasiegerin, neun Olympiamedaillen. Anschließend faltete sie den Zettel um ihre Gegenüber nicht bloßzustellen und ging.

Wenige Stunden später meldete sich wie versprochen ein Club-Trainer. Es war Michael Lohberg, der in den Achtzigern erfolgreich in Deutschland als Coach gearbeitet hatte und in Coral Springs unter anderem Deutschlands beste Brustschwimmerin, Anne Poleska, trainiert. Lohberg musste genauso lachen wie Torres. Es war der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit, die anfangs freilich nicht darauf ausgerichtet war, eine Hochschwangere fit für Olympia zu machen.

Selbst als Torres kurz nach der Geburt ihrer Tochter Tessa im April 2006 bei einem Meeting über die 50 Meter respektable 25,70 Sekunden schwamm und somit knapp eine Sekunde über ihrer Bestzeit blieb, änderte sich daran nichts. Erst als ältere Clubmitglieder sie immer wieder aufforderten, sie solle doch mal versuchen, bei Olympia zu schwimmen, es wäre schön, dort eine 40-Jährige zu sehen, habe es Klick gemacht, so Torres.

Dopingvermutungen nie ganz verschwunden

Doch bevor Lohberg die ersten Trainingspläne erstellte, hatte er ein ernsthaftes Gespräch mit seiner Athletin. Es ging um Doping. Er hatte genug davon bei den ehemaligen DDR-Schwimmern gesehen, als er in den achtziger Jahren für die bundesdeutschen Olympia-Athleten verantwortlich war und bei Wettkämpfen immer wieder an der Übermacht aus dem Osten verzweifelte. Heute, so Lohberg, wisse er, dass Torres eher ihre Karriere beenden würde als zu dopen.

Trotzdem sind die Dopingvermutungen gegen sie nie ganz verschwunden. Wie könne sie jetzt schneller schwimmen als in den 20 Jahren zuvor? Fragen wie diese kamen besonders auf, als sie im vergangenen August ihren sieben Jahre alten US-Rekord über die 50 Meter Freistil verbesserte. Torres ignorierte die Skepsis nicht etwa, sondern ging in die Offensive. Als eine von wenigen Athletinnen hat sie zusätzliche Urinproben abgegeben und sich zudem Blut abnehmen lassen, das jetzt tiefgekült gelagert wird, damit es irgendwann in der Zukunft auf menschliche Wachstumshormone kontrolliert werden kann – falls jemand Interesse daran hat.

So schnell wie nie

"Ich bin stärker und fitter als jemals zuvor", betont sie und zeigt dabei auf ihren durchtrainierten Körper. Jeder Muskel ist ausdefiniert, ihr Sixpack ein Blickfang. Allerdings dauere die Regeneration jetzt länger als früher. Zudem dehne sie nach jedem Training eine Stunde nach und bekomme anschließend von zwei Spezialisten Massagen.

Diese Routine wird jedoch ab und an unterbrochen. Wenn Tessa beispielsweise krank ist oder eine Nacht nicht durchschlafen kann, muss Torres im Training kürzer treten. Ob sie trotzdem eine Medaillen-Chance in Peking hat? Trainer Lohberg ist das ziemlich egal. "Sie hat sich für Olympia qualifiziert – mit 41 Jahren. Das ist das letzte Kapitel eines unglaublichen Buches. Sowas gibt es eigentlich nur in Filmen, wenn die Hauptfigur zum Abspann dem Sonnenuntergang entgegenfährt."



insgesamt 90 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Phaeton, 19.07.2007
1. Doping in Peking
Nicht zuletzt der Gastgeber China wird, so fürchte ich, das olympische Motto "Dabeisein ist alles" nicht beachten und stattdessen -auch mit unkoscheren Mitteln- versuchen seinen wirtschaftlichen und geopolitischen Führungsanspruch auch sportlich auf dem Medaillenspiegel zu demonstrieren.
iPax 19.07.2007
2. Wir müssen viel energischer gegen Doping vorgehen!
Folgende Regeln sollten überall im Leistungssport gelten 1. Keine Blacklist! Wir brauchen eine *Whitelist* mit allen zugelassenen Medikamenten. Alles andere wird als Doping bewertet. Nur so könnne wir einigermassen den zukünftigen Mitteln der Dopingmafia Herr werden. 2. Die *C-Probe*. Alle Dopingproben werden aufbewahrt, um Tests mit zukünftigen Technologien wiederholen zu können. 3. *Harte Strafen*, wie Zurückgabe aller Titel, Preisgelder, Verdienste. Keine Verjährung. Lange Sperren. Anders sehe ich keinen Weg aus dem Doping-Morast!
stilus 19.07.2007
3.
Zitat von sysopBei den Olympischen Spielen in Peking im kommenden Jahr werden viele Sportler wieder mit unerlaubten Mitteln an den Start gehen. Versinkt das Fest der "Jugend der Welt" im Doping-Morast?
Natürlich wird bei Olympia das Gleiche geschehen wie bei der Tour de Farce. Es bleibt nur zu hoffen, dass in jenem Doping-Morast dann solange herumgestochert wird, bis die Brühe zum Himmel stinkt. Dem Leistungssportler sind ganz einfach gewisse physische Grenzen gesetzt, und die kann er auch trotz noch so viel Training nicht überschreiten. So gesehen sollte das geneigte Publikum einmal weniger glauben und mehr denken. Man wird auf diesem Wege zu überraschenden Erkenntnissen gelangen! Aber solange der Großteil unserer Medien so reagiert wie gewisse Privatsender und dann alles schön brav vor der Glotze hängt, ist der Druck zur Änderung bei Aktiven und Funktionären natürlich nur mäßig vorhanden. Offenbar ist man mancherorts so "quotengeil", dass man auch das Erfurt-Massaker life übertragen würde! Vielleicht waren die Verantwortlichen bei Sat 1 auch gedopt? Wie dem auch sei, wir sollten Doping nicht als Kavaliersdelikt verniedlichen. Doping ist Betrug, egal in welcher Sportart. Übrigens, mal eine Frage: Wenn Leistungssport so gesund ist, zu was gibt es dann Sportmediziner??
rosebud55 19.07.2007
4.
Zitat von sysopBei den Olympischen Spielen in Peking im kommenden Jahr werden viele Sportler wieder mit unerlaubten Mitteln an den Start gehen. Versinkt das Fest der "Jugend der Welt" im Doping-Morast?
Das ist kein Morast sondern Realität , menschliches Verhalten seit MenschenGedenken! Man hat nur nicht darüber gesprochen bis etwa Ende der 60er Jahre die Ostsportlerinnen wie Kerle aussahen. Da konnte man sich prima moralisch entrüsten und glaubte die Westsportler wären "rein", dabei haben die auch alles geschluckt, nur nicht so organisiert wie im Osten sondern durch Empfehlungen untereinander und direkt aus der Apotheke.;-)) Rosebud
rosebud55 19.07.2007
5. Es werden ungerechte Spiele!
Zitat von sysopBei den Olympischen Spielen in Peking im kommenden Jahr werden viele Sportler wieder mit unerlaubten Mitteln an den Start gehen. Versinkt das Fest der "Jugend der Welt" im Doping-Morast?
Wenn man nicht alle Teilnehmer mindestens 1 Jahr vorher rund um die Uhr strengstens bewacht werden es ungerechte Spiele werden, weil diejenigen, die die Medaillen abräumen, mit gut bezahlter professioneller Hilfe durch die Kontrollen kommen oder einfach Risiko spielen und gewinnen. Das Gerechteste wäre, die Kontrollen einzustellen. Falls man dann irgendwann feststellt, dass es zu unmenschlich wird, kann man ja immer noch die Spiele abschaffen. rosebud
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.