Protest gegen rechte Kundgebung US-College-Basketballer knien nieder während der Hymne

Weil Anhänger rechter Gruppen auf ihrem Campus demonstrierten, kniete das Basketballteam der Universität von Mississippi während der Hymne nieder. Ein Protest mit Geschichte im US-Sport.

Kniender Protest vor dem College-Basketball
AP

Kniender Protest vor dem College-Basketball


Acht Spieler des College-Basketballteams der Universität von Mississippi haben vor dem Spiel gegen Georgia während der US-Hymne kniend protestiert. Sechs Spieler knieten zu Beginn der Melodie nieder, zwei weitere schlossen sich ihnen wenig später an. Der Protest der Athleten richtete sich gegen eine Zusammenkunft von Anhängern der Konföderation, die sich wenige Hundert Meter von der Halle entfernt zu einer Kundgebung getroffen hatten.

"Wir sind diese Hassgruppen leid, die hierherkommen und das Bild vermitteln wollen, es gäbe diese Gruppen wirklich am Campus", sagte Spieler Breein Tyree und erklärte den Protest auf Knien: "Wir sahen, wie einer unserer Mitspieler es machte und wollten nicht, dass er damit allein ist."

"Es ging um diese hasserfüllten Gruppen"

Der Trainer des Teams, Kermit Davis, hatte in der Vergangenheit Kritik an dieser Art von politischem Protest geäußert und war nach eigenen Angaben überrascht von der Aktion seiner Spieler gewesen. Nach dem Spiel zeigte er jedoch Verständnis für den Protest und sagte: "Es ging um diese hasserfüllten Gruppen, die in unsere Gesellschaft gekommen sind, um Rassismus und Fanatismus zu verbreiten."

Mehrere studentische Gruppen hatten Gegenveranstaltungen zu den Märschen der rechten Gruppen zwischen verschiedenen Konföderierten-Monumenten organisiert.

Die Anhänger der Konföderation erinnern an die Geschichte der Südstaaten, die sich zwischen 1861 und 1865 von den Vereinigten Staaten abgespalten hatten und unter anderem die Sklavenhaltung erlaubten. Ähnliche Zusammenkünfte dieser rechten Gruppen hatten bereits zu gewaltsamen Ausschreitungen geführt, wie etwa in Charlottesville 2017.

"Es hat an unserem Campus für viele Spannungen gesorgt", sagte Davis. "Unsere Spieler haben eine emotionale Entscheidung getroffen, um diesen Menschen zu zeigen, dass sie an unserem Campus nicht willkommen sind. Und wir respektieren es, wenn sich die Spieler zu einer solchen Aktion entscheiden."

Der kniende Protest geht im US-Sport auf den ehemaligen NFL-Spieler Colin Kaepernick zurück, der sich im August 2016 vor einem Trainingsspiel der San Francisco 49ers geweigert hatte, während der US-Hymne aufzustehen. Er wollte damit gegen Polizeigewalt und Rassismus in den USA protestieren. Zahlreiche Sportler schlossen sich Kaepernicks Protest an.

Das anschließende Spiel gewann Mississippi übrigens 72:71.

tip



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