Doping im Radsport Armstrongs Komplizen packen aus

Das berüchtigte Schweigekartell im Radsport ist aufgebrochen. Erst veröffentlicht die US-Anti-Doping-Agentur Usada einen brisanten Bericht, jetzt gestehen ehemalige Teamkollegen von Lance Armstrong: Sie haben systematisch gedopt. Der Amerikaner reagiert per Twitter abgebrüht.

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Hamburg - "Was mache ich heute Abend? Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, ungerührt." Die Twitter-Nachricht von Lance Armstrong ist kurz und knapp - sagt aber viel über den früheren Top-Star des Radsports aus. Die US-Anti-Doping-Agentur Usada bezeichnet in ihrem soeben veröffentlichten, umfangreichen Bericht die Dopingpraktiken Armstrongs als das "höchstentwickelte, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm, das die Sportwelt jemals gesehen hat" - damit ist der siebenmalige Tour-de-France-Sieger endgültig als einer der größten Betrüger der Sportgeschichte entlarvt. Und was macht Armstrong? Er bleibt seiner Linie treu: Was über mich gesagt und geschrieben wird, interessiert mich nicht, weil es ja eh nicht stimmt.

Früher war das ein probates Mittel, schließlich funktionierte im Radsport das System der Omertà, der "Schweigepflicht" der Radprofis: Niemand sprach über die offenkundig weitverbreiteten Dopingpraktiken, niemand belastete einen anderen Fahrer.

Damit ist jetzt Schluss. Mit Veröffentlichung des Usada-Berichts haben mehrere ehemalige Kollegen Armstrongs, die auch Zeugen der Usada sind, ausgepackt und Doping gestanden.

  • Levi Leipheimer, während der Tour 2000 und 2001 beim Team US Postal einer von Armstrongs Edelhelfern, schrieb in einem Beitrag für die Website des "Wall Street Journal": "Doping war nicht die Ausnahme, es war die Norm."
  • Christian Vande Velde, von 1998 bis 2003 bei US Postal an Armstrongs Seite, schrieb auf seiner Internetseite: "Meine Fehler in der Vergangenheit tun mir sehr leid, und ich weiß, dass es viel verlangt ist, um Vergebung zu bitten. Ich habe nachgegeben und eine Grenze überschritten."
  • Michael Barry, von 2002 bis 2006 als Fahrer für US Postal aktiv, sagte: "Ich habe gedopt. Es war eine Entscheidung, die ich tief bereue."

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Lance Armstrong: Der tiefe Fall des Tourminators
Neben den drei Genannten gaben auch David Zabriskie, George Hincapie und Floyd Landis den Gebrauch von Doping zu und belasten Armstrong schwer. Sie alle sind unter den 26 Zeugen, die in dem mehr als tausend Seiten umfassenden Usada-Bericht auftauchen und unter Eid aussagten. Zudem enthält das Dossier E-Mails, wissenschaftliche Daten, Labortests und Zahlungen, die Armstrong "den Besitz, den Gebrauch und die Weitergabe von leistungssteigernden Mitteln" nachweisen sollen.

Ihren Bericht übergab die Usada dem Radsport-Weltverband UCI, der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und der World Triathlon Corporation (WTC). Zudem veröffentlichte sie die Akte auf ihrer Internetseite.

Ende August hatte die Usada Armstrong sämtliche Tour-de-France-Titel aberkannt und eine lebenslange Sperre gegen den 41-Jährigen ausgesprochen. Armstrong verzichtete anschließend darauf, sich in einem öffentlichen Gerichtsprozess gegen die Dopingvorwürfe zu verteidigen, was viele Beobachter als Schuldeingeständnis werteten.

Offiziell kann allerdings nur die UCI Armstrong die Tour-Titel aberkennen. Der Verband hat jetzt 21 Tage Zeit, um ein Urteil zu fällen. UCI-Präsident Pat McQuaid hat bereits angedeutet, dass man der Usada folgen wolle: "Solange die Dokumente keine erheblichen Mängel aufweisen, hat die UCI nicht die Absicht, vor den Internationalen Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Wir brauchen aber Zeit zur Überprüfung."

ham/dpa



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Seite 1
testthewest 11.10.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSDas berüchtigte Schweigekartell im Radsport ist aufgebrochen. Erst veröffentlicht die US-Anti-Doping-Agentur Usada einen brisanten Bericht, jetzt gestehen ehemalige Teamkollegen von Lance Armstrong: Sie haben systematisch gedopt. Der Amerikaner reagiert per Twitter abgebrüht. http://www.spiegel.de/sport/sonst/usada-bericht-armstrongs-fruehere-weggefaehrten-legen-gestaendnisse-ab-a-860648.html
Hoffentlich bringt das den Stein ins Rollen, und die aktuellen Dopingsünder werden auch entlarvt.
PapaSmurf 11.10.2012
2. Unaffected
"What am I doing tonight? Hanging with my family, unaffected, and thinking about this. (--> Livestrong Foundation)" Bitter, wenn man so viel Gutes tut und all das auf dem Fundament von Lügen und Betrügen aufgebaut wurde. Noch kaputter kann man sich selbst sein Lebenswerk gar nicht machen. @Lance nicht vergessen dein Profil upzudaten! "Father of 5 amazing kids, 7-time Tour de France winner, full time cancer fighter, part time triathlete - LIVESTRONG!"
leandersellenthin 11.10.2012
3. Je mehr Geld im Spiel ...
um so weniger Moral. Tja, Pech gehalbt Ulle, deine billigen Mittel aus spanischer Entdeckerkunst hatten gegen amerikanische Großmannssucht keine Chance,
sanctum.praeputium 11.10.2012
4. Insiderwissen
Wahrscheinlich war/ist Doping im Radsport so normal, dass alle wussten, dass Armstrong entweder der beste aller gedopten - also doch der beste - Fahrer war bzw. der beste im Doping war. Vielleicht rührt daher die "Omertà" und das Empörtsein und das Abgebrühtsein? Armstrong war eben der beste in irgendwas, und das muss dass doch irgendwie honoriert werden ...
klaus64 11.10.2012
5. Neuer Titel für Armstrong
Sollte Armstrong alle Radsporttitel verlieren, kann er ja immer noch als "Dopingweltmeister" gekührt werden. Es steckt schon einen Masse krimineller Energie hinter so einem eiskalten Typen.
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