200-Meter-Sieger Bolt Stoppen konnte ihn nur ein Kameramann

Trotz langer Verletzung hat Usain Bolt souverän auch das 200-Meter-Rennen gewonnen. Gefährlich wurde es für den Jamaikaner erst im Ziel.

Sprinter Bolt: Weltjahresbestzeit, zehntes WM-Gold, unbezwingbar
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Sprinter Bolt: Weltjahresbestzeit, zehntes WM-Gold, unbezwingbar

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Es waren noch einige Meter bis zum Ziel, aber Usain Bolt lief schon gar nicht mehr mit höchster Geschwindigkeit. Und das im 200-Meter-Finale der Leichtathletik-Weltmeisterschaft. Aber was soll's, dachte sich Bolt, die Konkurrenten waren für ihn ohnehin fast nicht mehr in Sichtweite und der Oberschenkel vom Jamaikaner schmerzte.

Das ist zehn Jahre her. Bolt war gerade einmal 18 Jahre alt und nahm zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil. Im Endlauf von Helsinki wurde Bolt schließlich Letzter mit einer Zeit von 26,27 Sekunden - Justin Gatlin triumphierte und gewann Gold. Es war das bisher einzige Duell der beiden Sprinter über die 200-Meter-Distanz.

Zehn Jahre dauerte es, bis sich Gatlin und Bolt wieder in einem 200-Meter-Finale gegenüberstanden. Es war das Duell "Gut gegen Böse". Bolt war der Gute und lief allen davon. Er gewann die Goldmedaille.

Gatlin in Topform - Bolt lange verletzt

Gatlin war der Böse, weil er zweimal des Dopings überführt worden war. Von 2006 bis 2010 durfte der US-Amerikaner kein Rennen laufen. In dieser Zeit sammelte Bolt Erfolge ohne Ende. Der Sieg im 200-Meter-Finale war der zehnte WM-Titel. Bolt ist der erfolgreichste Sprinter der WM-Geschichte. Über ihn gab es natürlich auch immer wieder Dopinggerüchte, aber keine entsprechenden Testergebnisse.

Und obwohl der Jamaikaner im 200-Meter-Lauf auch den Weltrekord hält (19,19 Sekunden, WM 2009 in Berlin) und so viele Titel mehr in seiner Karriere gewann als Gatlin, war längst nicht sicher, dass Bolt im Finale von Peking gegen Gatlin gewinnen würde.

Denn im Jahr 2015 war Gatlin vor der WM die Jahresbestzeit von 19,57 Sekunden gelaufen. Der US-Amerikaner rennt schneller als jemals zuvor. Er ist in Topform. Währenddessen hatte Bolt zuletzt eine schwere Beckenverletzung geplagt. Ständig war der Jamaikaner in Behandlung bei seinem Leibarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Die Blockade in seinem Rücken wurde zwar besser, aber wie schnell Bolt bei der Weltmeisterschaft wirklich laufen würde, konnte niemand so genau einschätzen.

Dann kam der 100-Meter-Lauf von Peking - er war eine Demonstration der Stärke von Bolt. War alles nur Show? Wer das 200-Meter-Finale gesehen hat, wird diese Frage wahrscheinlich mit Ja beantworten.

Weltjahresbestzeit für Bolt - Gatlin hatte keine Chance

Dort konnte Bolt erst auf seiner Ehrenrunde gestoppt werden. Ein Kameramann auf zwei Rädern fuhr dem Jamaikaner in die Hacken und brachte den Sprinter spektakulär zu Fall. Bolt blieb unverletzt.

Nach dem Rennen machte Bolt Witze über diese Szene: "Es gehen hier schon die ersten Gerüchte um, dass Justin Gatlin den Mann bezahlt hat." Der Amerikaner sagte daraufhin: "Ich will mein Geld zurück. Der hat da etwas falsch verstanden. Er sollte das vor dem Rennen machen. Nicht danach."

Während des Rennens war Bolt nicht zu stoppen, bereits vor dem Ziel schlug er sich mit beiden Fäusten auf die Brust. Der Vorsprung vor Gatlin und dem Rest des Feldes war gewaltig, keiner konnte ihn mehr einholen. Vier Tage nach seinem 100-Meter-Triumph holte sich Bolt die nächste Goldmedaille. Und das mit der Weltjahresbestzeit von 19,55 Sekunden.

"Prima gemacht, Usain!", lobte sich Bolt nach seinem Sieg selbst: "Ich habe immer gesagt, dass ich das schaffe. Ich hatte nie einen Zweifel. Auf den 200 Metern bin ich ein anderer Mensch. Das ist ein großes Geschenk für mich und unser Land." Nach 2009 und 2013 holte sich Bolt zum dritten Mal beide Sprinttitel.

Gatlin kam mit einer Zeit von 19,74 Sekunden ins Ziel und gewann die Silbermedaille vor dem Südafrikaner Anaso Jobodwana mit dem Landesrekord von 19,87 Sekunden - beide deutlich hinter Bolt. Der dürfte am Samstag mit der 4x100-Meter-Staffel (15.10 Uhr) sein elftes WM-Gold erringen.

Mit Material vom sid und dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
heinrich-wilhelm 27.08.2015
1. Er gewinnt
Permanent gegen die Dopingmaschinen und ist der einzig saubere Läufer wie auch andere von der winzigen Insel. Ein Wunder! Die ganzen laufwettbewerbe kannste doch unter Betrug abhaken. Aber man höre auf die begeisterten Reporter.!Wer Potemkinsche Dörfer sehen will bekommt sie eben auch geliefert. Grandiose WM !Dann lieber einen alten Tatort.
Herr Stein 27.08.2015
2. Doping hilft
Man kann es ihm noch nicht nachweise, aber es wird wie bei Armstrong sein, in max. 10 Jahren werden die Bluttests den Mann nachträglich entzaubern. Es gibt keinen dopingfreien Profisport und deshalb kann man ihn einfach nur ignorieren.
hansfrans79 27.08.2015
3. Alte Leier
Zitat von heinrich-wilhelmPermanent gegen die Dopingmaschinen und ist der einzig saubere Läufer wie auch andere von der winzigen Insel. Ein Wunder! Die ganzen laufwettbewerbe kannste doch unter Betrug abhaken. Aber man höre auf die begeisterten Reporter.!Wer Potemkinsche Dörfer sehen will bekommt sie eben auch geliefert. Grandiose WM !Dann lieber einen alten Tatort.
Na klar, wer gewinnt, muss ja betrügen, völlig logisch. Kaufe er sich eine Tüte Lebensfreude!
viconia 27.08.2015
4.
der arme kameramann is da aber mit ordentlich schmackes in den Bolt reingerauscht, dass da nix passiert is... ansonsten mal wieder ne grossartige performance von Bolt - rennen und show, alles klasse
jörg69 27.08.2015
5. Ähnliche Szene
Die Situation mit dem Kameramann erinnerte mich an den taiwanesischen Jungen der vorgestern das 1,3Mio€-Gemälde kaputtgestolpert hat. Manchmal gibt's im Leben eben auch den Pechvogel-Jackpot. Zum Glück blieb wenigstens Bolt unbeschädigt!
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