DHB-Kapitän Gensheimer "Dummes Geschwätz"

Das deutsche Handballnationalteam wecke keine Leidenschaft, ihm fehlten die Persönlichkeiten - aus Sicht von Kapitän Uwe Gensheimer ist das alles Unfug. Für Talkshowauftritte fehle ihnen als Handballern auch schlicht die Zeit.
DHB-Kapitän Uwe Gensheimer

DHB-Kapitän Uwe Gensheimer

Foto: Soeren Stache/ dpa

Nach dem deutlich gewonnenen Auftaktspiel am Donnerstag sind die Erwartungen nicht kleiner geworden: Heute Abend (ZDF, 18.15 Uhr) führt Kapitän Uwe Gensheimer - "Gense", wie sie ihn nennen - sein Team gegen Brasilien erneut aufs Feld. Sie alle wissen, mit jedem Sieg spielen sie sich ein Stück tiefer in die Herzen der Deutschen.

Dynamisch, schnell, aggressiv - all das ist Handball. Dennoch gibt es bislang keine nationale Leidenschaft für diesen Sport. Kritiker sagen, es fehle ihr an Typen. Das seien alles nette, aber am Ende langweilige Jungs.

Gensheimer ist genervt von der Debatte. "Das ist für mich dummes Geschwätz. Soll ich mir jetzt Tattoos stechen lassen und die Haare rot färben, damit die Leute sagen, dass ich ein Typ bin?", entgegnet der Linksaußen im aktuellen SPIEGEL .

"Mit dem Sport nicht ausgesorgt"

Die Medien würden sich nicht intensiv genug mit den Leuten beschäftigen, sagt Gensheimer, in der Nationalmannschaft gebe es genug "superinteressante Typen", die aber keine schnellen Schlagzeilen produzierten, weil sie "nicht immer nur eine große Klappe haben und den nächsten Spruch drücken". Für ihn sei jemand ein Typ, "der einen starken Charakter hat, der den Mund aufmacht, wenn es etwas zu sagen gibt".

In Talkshows würde man sie nur deshalb nicht so oft sehen, weil dafür schlicht keine Zeit sei. Einige Bundesligaspieler haben pro Saison bis zu 80 Einsätze. Hinzu kommen die An- und Abreisen zu Auswärtsspielen, dazwischen viele Stunden Training, Theorie, Videoanlayse. Bei vielen käme dazu noch ein Studium. "Als Handballer weißt du, dass du mit dem Sport nicht ausgesorgt hast."

"Eher bodenständige Typen"

Vor der WM hatte eine Debatte über die Frage begonnen, ob es dem deutschen Handball an Stars und Glamour fehle. Der ehemalige Bundestrainer Heiner Brand etwa hatte gesagt, der Nationalmannschaft mangele es an Führungsspielern: " Die Spieler haben viele Erfahrungen in der Bundesliga gesammelt, zum Teil in verantwortungsvollen Positionen. Aber eine richtige Führungsfigur hat sich noch nicht herausgebildet. Dazu kann man niemanden zwingen."

Torhüter Silvio Heinevetter hatte dies zum Teil bestätigt. Handballer seien "eher bodenständige Typen. Das liegt schon daran, dass wir weitaus weniger verdienen".

Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, hatte gesagt, für eine erfolgreiche WM brauche es richtige Typen, die es im deutschen Handball jedoch auch gebe: "Wir müssen glaubhaften, extrovertierten Handball spielen. Ich bin davon überzeugt, dass wir viele Typen in der Mannschaft haben. Extrovertierte Typen wie Andreas Wolff oder Silvio Heinevetter. Es gibt aber auch introvertierte Vertreter wie Steffen Weinhold, Hendrik Pekeler oder Finn Lemke, die aber intern eine hohe Akzeptanz genießen."

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