"Unverantwortlich gegenüber der Gesundheit" Handball-Stars protestieren mit Video gegen zu viele Spiele

Jedes Jahr ein Großturnier, Liga-Alltag, kaum Ruhetage: Mehrere Spitzenhandballer um Superstar Mikkel Hansen kritisieren, dass die Verbände nicht im Interesse der Spieler handeln. Der Sport sei in Gefahr.
Mikkel Hansen (rechts) war der beste Torschütze bei der Handball-WM 2019

Mikkel Hansen (rechts) war der beste Torschütze bei der Handball-WM 2019

Foto: Annegret Hilse/REUTERS

Mit einem Video haben Weltklasse-Handballer und -Handballerinnen gegen die zunehmende Belastung durch immer mehr Spiele und Turniere protestiert.

In dem 1:43 Minuten langen Beitrag weisen Profis wie der deutsche Nationalmannschaftskapitän Uwe Gensheimer, der dänische Welthandballer und Weltmeister Mikkel Hansen oder die rumänische Welthandballerin Cristina Neagu auf die Folgen der vielen Spielansetzungen für die Gesundheit der Spieler und für die Sportart selbst hin. Zudem kritisieren sie, dass die Interessen der Spieler nicht berücksichtigt werden. Spitzenprofis kommen in einer Saison auf bis zu 80 Einsätze.

Initiator der Aktion ist die europäische Vereinigung der Handballer (EHPU), zu deren Mitgliedern auch die deutsche Vertretung Goal zählt. Das Video wurde unter dem Hashtag #DontPlayThePlayers (Spielt nicht mit den Spielern) via Twitter und Instagram verbreitet. "Wir sind im zehnten Jahr mit dem Thema unterwegs. Die Erfolge sind überschaubar", sagte der deutsche EHPU-Vizepräsident Marcus Rominger, selbst mehrere Jahre Bundesligatorwart.

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"Die gesamten Konsequenzen für die Spieler sind, immer mehr zu spielen, ohne dass die Anzahl der Spiele in der gesamten Saison und der Druck auf die Spieler berücksichtigt wird", sagt Gensheimer in dem Video. Im Handball findet jährlich eine Europameisterschaft oder WM statt.

"Die Folgen sind vielfach und unverantwortlich gegenüber der Gesundheit der Spieler und letztlich schlecht für unseren Sport, den Handball", sagt der französische Olympiasieger Nikola Karabatic. Hansen fordert: "Mit mehreren Ruhetagen stellen wir sicher, dass die Spieler physisch bereit sind und somit ihr Maximum auf dem Platz zeigen können."

Zwischen zehn WM-Partien und Bundesligastart lagen anderthalb Wochen Pause

Die Idee zu dem Video entstand bei der WM in Deutschland und Dänemark im Januar. "Das war ein Selbstläufer", sagte Rominger. Mit dem Video ging zugleich auch eine Einladung an die Präsidenten und Generalsekretäre des Weltverbandes IHF und des europäischen Verbandes EHF zu einem Gespräch anlässlich des Final Fours in der Champions League am 1. und 2. Juni. Laut Rominger hat die EHF schon zugesagt.

Seit Jahren wird über die Belastung im Handball diskutiert. So mussten viele der Bundesligaspieler nach zehn WM-Partien in 18 Tagen bereits anderthalb Wochen später mit ihren Vereinen um Punkte in der Liga und im Europapokal spielen.

Zuletzt wurde der internationale Kalender für Nationalmannschaften allerdings reformiert: Künftig sollen Qualifikationsspiele für EM oder WM statt Mitte Juni bereits Ende April stattfinden - eine längere Sommerpause für die Spieler soll die Folge sein. Problem: Die EM (24 statt bisher 16 Teams) und WM (32 statt bisher 24 Teilnehmer) sind für die kommenden Turniere aufgestockt worden.

jan/dpa
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