Handball-WM Journalistenverband kritisiert Sponsoren-TV

Die deutschen Spiele bei der Handball-WM werden wohl nur per Stream auf der Website des DHB-Sponsors zu sehen sein. Dies ruft Kritik vom Fachverband der Sportjournalisten hervor.
Bilder von der Handball-WM nur von der Bank

Bilder von der Handball-WM nur von der Bank

Foto: Bongarts/Getty Images

Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) hat das Sponsoren-TV von der Handball-WM in Frankreich kritisiert. "Wehret den Anfängen. Wenn nicht Journalisten das Geschehen filtern, sondern PR-Leute, dann hat das nichts mit objektiver Berichterstattung zu tun", sagte VDS-Präsident Erich Laaser der Deutschen Presse-Agentur: "Das ist ein Präzedenzfall." In Deutschland werden bewegte Bilder von dem am Mittwoch beginnenden Turnier nur über die Internetseite des Handball-Sponsors DKB zu sehen sein.

"Gerade in der heutigen Zeit braucht man Journalisten zum Einordnen", sagte Laaser. Man müsse die WM-Berichterstattung durch die Bank "genau beobachten, ob sie tendenziös ist". Der VDS-Präsident sieht die "schreibenden Journalisten" in Frankreich als "Korrektiv". Der katarische Rechteinhaber BeIN Media hatte die Angebote mehrerer Medienunternehmen abgelehnt und der DKB den Zuschlag erteilt.

Die deutschen Fernsehsender sehen das exklusive Sponsoren-TV von der Handball-WM ebenfalls kritisch. Dass es überhaupt bewegte Bilder gebe sei für die Fans erfreulich, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Doch die Berichterstattung durch ein werbetreibendes Unternehmen werfe viele Fragen auf. Als "sehr missliche Situation" bezeichnete das ZDF die ausschließliche TV-Berichterstattung durch DKB.

"Interessant ist, dass hier ein Sponsor mit klaren Sponsoringinteressen offenbar als Rundfunkveranstalter mit einer Sendelizenz auftreten möchte." Balkausky hält Sponsoren-TV für "keine Alternative zum frei empfangbaren Fernsehen mit dessen journalistisch-qualitativer Herangehensweise, mit dessen Reichweite und dessen Zuschauerakzeptanz".

Unmut kommt nach dem Deal auch von DHB-Seite. Verbandspräsident Andreas Michelmann äußerte sich beim RedaktionsNetzwerk Deutschland über BeIN Media: "Dieser Rechteinhaber ist wirklich ein Ärgernis." Nationalspieler Tobias Reichmann monierte obendrein, dass sich der Weltverband IHF trotz der Probleme offenbar nicht eingeschaltet habe. "Vor zwei Jahren bekommen wir noch eine Wildcard für die WM, weil Deutschland angeblich so wichtig für den Handball ist. Jetzt kommt kein Wort vom IHF", sagte der Rechtsaußen.

aha/dpa
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