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16. Dezember 2008, 16:43 Uhr

Vendée Globe

Da waren es nur noch 19

Der Ozean fordert seine Opfer: Mittlerweile elf Skipper haben die Vendée Globe bereits aufgeben müssen - und das noch vor den härtesten Passagen. Kollisionen, technische Probleme und ein Mastbruch bestimmten die vergangenen Tage des Segelrennens rund um den Globus.

Hamburg - Die härteste Segelregatta der Welt wird ihrem Ruf weiterhin gerecht. Am Dienstagmorgen erwischte es den nächsten Skipper im Indischen Ozean: Nach Meldung der Regattaleitung in Paris erlitt der erst seit wenigen Stunden führende Brite Mike Golding einen Mastbruch. "Ich war auf dem Weg an Deck und wollte mir eben eine Jacke anziehen, als sich das Schiff plötzlich auf die Seite legte, dann hörte ich einen lauten Knall", beschrieb Golding die dramatischen Momente.

"Ecover" von Skipper Golding vor dem Mastbruch: 1500 Meilen bis Land
Vendée Globe

"Ecover" von Skipper Golding vor dem Mastbruch: 1500 Meilen bis Land

"Ich bin sofort ins Schiffsinnere geflüchtet. Als alles vorbei war, ging ich wieder nach oben, da lag der Mast quer auf Deck." Eine große Wahl bleibt dem Segler nun nicht: "Ich bin ungefähr 1500 Seemeilen (2778 Kilometer) von Perth und Adelaide entfernt, also egal für was ich mich entscheide, ich werde irgendwie 1500 Seemeilen schaffen müssen", so Golding.

Nahezu zeitgleich funkte Dienstag Früh der Franzose Jean Baptiste Dejeanty seine Aufgabe nach Paris. Unter anderem machten Probleme mit dem Autopiloten seine weitere Teilnahme an dem Rennen unmöglich. Dejeanty wird nun Richtung Port Elisabeth, Südafrika, segeln. Er ist bereits der elfte von 30 gestarteten Seglern, der das Rennen nicht beenden wird. Die Vendée Globe führt die Skipper über 27.000 Seemeilen nonstop einmal rund um den Globus. Der schwierigste Abschnitt, rund um die Antarktis und das Kap Hoorn, liegt noch vor den verbliebenen Teilnehmern.

26 Führungswechsel in 37 Tagen

Am Montag mußte bereits der bis dahin führende Jean Pierre Dick sein Tempo reduzieren. Eine Kollision bei einer Geschwindigkeit von 20 Knoten (37 Stundenkilometer) mit einem unbekannten Gegenstand verursachte einen Schaden an einem seiner beiden Ruder.

In Führung liegt nun der Franzose Michel Desjoyeaux, der aufgrund eines Wasserschadens an der Elektrik bereits kurz nach dem Start im französischen Les Sables-d'Olonne zur Umkehr gezwungen war. Nach den notwendigen Reparaturen hatte er das Rennen dann mit einem Rückstand von 300 Seemeilen wieder aufnehmen können. Desjoyeaux ist damit der achte Führende des laufenden Rennens, insgesamt gab es in den bislang 37 Tagen 26 Führungswechsel.

Dem einzigen deutschsprachige Teilnehmer der Vendée Globe, Norbert Sedlacek aus Österreich, beschädigte vergangenen Freitag eine schwere Windböe das Vorstag seiner Yacht. Das Rigg blieb jedoch unbeschädigt und das Segel konnte von ihm geborgen werden. Bereits wenige Stunden später allerdings hatte Sedlacek trotz rauhen Seegangs die Reparaturen abgeschlossen und kann auf einem voll einsatzfähigen Boot das Rennen fortsetzen. Sedlacek liegt mit einem Rückstand von 3100 Seemeilen auf den Führenden auf dem letzten Rang.

Ist aber noch im Rennen.

fsc

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