Vendée Globe Da waren es nur noch 19

Der Ozean fordert seine Opfer: Mittlerweile elf Skipper haben die Vendée Globe bereits aufgeben müssen - und das noch vor den härtesten Passagen. Kollisionen, technische Probleme und ein Mastbruch bestimmten die vergangenen Tage des Segelrennens rund um den Globus.


Hamburg - Die härteste Segelregatta der Welt wird ihrem Ruf weiterhin gerecht. Am Dienstagmorgen erwischte es den nächsten Skipper im Indischen Ozean: Nach Meldung der Regattaleitung in Paris erlitt der erst seit wenigen Stunden führende Brite Mike Golding einen Mastbruch. "Ich war auf dem Weg an Deck und wollte mir eben eine Jacke anziehen, als sich das Schiff plötzlich auf die Seite legte, dann hörte ich einen lauten Knall", beschrieb Golding die dramatischen Momente.

"Ecover" von Skipper Golding vor dem Mastbruch: 1500 Meilen bis Land
Vendée Globe

"Ecover" von Skipper Golding vor dem Mastbruch: 1500 Meilen bis Land

"Ich bin sofort ins Schiffsinnere geflüchtet. Als alles vorbei war, ging ich wieder nach oben, da lag der Mast quer auf Deck." Eine große Wahl bleibt dem Segler nun nicht: "Ich bin ungefähr 1500 Seemeilen (2778 Kilometer) von Perth und Adelaide entfernt, also egal für was ich mich entscheide, ich werde irgendwie 1500 Seemeilen schaffen müssen", so Golding.

Nahezu zeitgleich funkte Dienstag Früh der Franzose Jean Baptiste Dejeanty seine Aufgabe nach Paris. Unter anderem machten Probleme mit dem Autopiloten seine weitere Teilnahme an dem Rennen unmöglich. Dejeanty wird nun Richtung Port Elisabeth, Südafrika, segeln. Er ist bereits der elfte von 30 gestarteten Seglern, der das Rennen nicht beenden wird. Die Vendée Globe führt die Skipper über 27.000 Seemeilen nonstop einmal rund um den Globus. Der schwierigste Abschnitt, rund um die Antarktis und das Kap Hoorn, liegt noch vor den verbliebenen Teilnehmern.

26 Führungswechsel in 37 Tagen

Am Montag mußte bereits der bis dahin führende Jean Pierre Dick sein Tempo reduzieren. Eine Kollision bei einer Geschwindigkeit von 20 Knoten (37 Stundenkilometer) mit einem unbekannten Gegenstand verursachte einen Schaden an einem seiner beiden Ruder.

In Führung liegt nun der Franzose Michel Desjoyeaux, der aufgrund eines Wasserschadens an der Elektrik bereits kurz nach dem Start im französischen Les Sables-d'Olonne zur Umkehr gezwungen war. Nach den notwendigen Reparaturen hatte er das Rennen dann mit einem Rückstand von 300 Seemeilen wieder aufnehmen können. Desjoyeaux ist damit der achte Führende des laufenden Rennens, insgesamt gab es in den bislang 37 Tagen 26 Führungswechsel.

Dem einzigen deutschsprachige Teilnehmer der Vendée Globe, Norbert Sedlacek aus Österreich, beschädigte vergangenen Freitag eine schwere Windböe das Vorstag seiner Yacht. Das Rigg blieb jedoch unbeschädigt und das Segel konnte von ihm geborgen werden. Bereits wenige Stunden später allerdings hatte Sedlacek trotz rauhen Seegangs die Reparaturen abgeschlossen und kann auf einem voll einsatzfähigen Boot das Rennen fortsetzen. Sedlacek liegt mit einem Rückstand von 3100 Seemeilen auf den Führenden auf dem letzten Rang.

Ist aber noch im Rennen.

fsc

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insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
sysiphos, 07.11.2008
1. Elemente
Es ist ein direktes Ringen mit den Elementen. Und wenn man es aushält, also nicht Kotzend über der Reling hängt macht es viel Spass.
MarkH, 08.11.2008
2. ooo
Zitat von sysopSegeln boomt. Moderne Abenteurer kämpfen gegen das Wetter und sich selbst, immer mehr Rennen rund um die Welt bedienen das gestiegene mediale Interesse. Was macht diesen Sport Ihrer Meinung nach so besonders?
irgendwie ist das seltsam so zu leben... Ich kann verstehen, dass man mit so einem Segelboot irgendwo zwischen den Stränden herumschippert.. aber dieses Extrem ?... für mich eher abschreckend... keine Ahnung was man mir damit zeigen will.
sam_ree_lackson, 08.11.2008
3.
einfach "der verschenkte sieg" von bernard moittessier oder "sailing alone around the world" von joshua slocum lesen; mehr erklärung braucht einhandsegeln nicht! achja, ganz nebenbei erfährt man auch dass sowas auch ohne technik schnick schnak und millionen dollar kapital möglich ist ;)
Hellström 11.11.2008
4.
Zitat von sysiphosEs ist ein direktes Ringen mit den Elementen. Und wenn man es aushält, also nicht Kotzend über der Reling hängt macht es viel Spass.
Nun, wenn man sich die Hightech- Boote so anschaut, ringt man da nicht mehr so viel. H.A. heute: "Mit einer Hand über den Atlantik", oder so. Die schummeln, die haben noch beide Hände! ;)
Alois, 11.11.2008
5. Segeln boomt?
Zitat von sysopSegeln boomt. Moderne Abenteurer kämpfen gegen das Wetter und sich selbst, immer mehr Rennen rund um die Welt bedienen das gestiegene mediale Interesse. Was macht diesen Sport Ihrer Meinung nach so besonders?
Wie schon erwähnt ist zunächst ein Medienecho da ; denn es mußja 24h am Tag berichtet werden. Ob in der Summe mehr gesegelt wird als früher , weiß ich nicht , vorallem in Regatten . Ich habe da meine Zweifel. Wie auch immer , Faszination wird vermutlich oft ausgelöst. Ich kam zum Regattasegeln , weil ich einen Ersatz fürs Rallyefahren suchte als mir klar wurde , dass dort zunächst der finanzielle Einsatz über Erfolg entscheidet , obwohl gerade dort im Motorsport durch fahrerischen Einsatz ein Leistungsmanko am ehesten ausgeglichen werden kann. (natürlich nicht mehr in der absoluten Spitze)Auch wurde mir bewusst , dass man nur mit gekaufter Kraft Spitze war. Segeln war für mich ein natürlicher Ersatz und ich musste auch nicht lang überlegen , denn irgendwas mit Speed sollte es sein , jedoch ohne Motor. Also landete ich bei den Katamaranen und für mich kann ich sagen nie mehr Spaß , Befriedigung , Entspannung und Erleben in der Natur und durch die Natur gehabt zu haben als beim Segeln.Wer einmal erlebt hat wie es ist auf der Welle zu surfen wird es immer wieder erleben wollen. 1977 war ich ein Fan von Sir Francis Chichester und seiner "Gipsy Moth " der mit 70 Jahren eine Weltumsegelung samt Kap Horn mit den roaring 40th unternahm und auch beendete. Alter ist hier kein Hinderungsgrund .Ein Segelboot kann man gemütlich fahren zur Kaffefahrt oder bis an die Grenze belasten , ganz nach Gusto allein fahren ohne einsam zu sein . frei nach W. Busch " wer einsam ist der hat es gut , weil keiner da der ihm was tut" Und nun: Mast und Schotbruch allerseits
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