Venus Williams bei Australian Open Chance zur Revanche

Jahrelang zählte Venus Williams zur Tenniselite. Dann schien das Sjögren-Syndrom ihre Karriere zu beenden. Nun könnte ihr im Kampf gegen ihre Schwester ein beispielloses Comeback gelingen.

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Zählt man alles zusammen, Einzel-, Doppel- und Mixed-Wettbewerbe, hat die Tennisspielerin Venus Williams in ihrer Karriere bislang 23 Grand-Slam-Titel gewonnen. Die 36-Jährige weiß also, wie sich Triumphe anfühlen. Doch dass sie es bei den diesjährigen Australian Open ins Finale schaffen würde, davon hätte sie nicht zu träumen gewagt, sagte sie nach ihrem Halbfinalerfolg über Coco Vandeweghe.

Das könnte man als Phrase abtun, denn davon hört man von Sportlern jede Menge. Doch wer Venus Williams nach dem entscheidenden Punkt gegen Vandeweghe ihren Schläger in die Luft werfen und die Hände vors Gesicht schlagen sah, wer ihr zuschaute, als sie eine nicht enden wollende Pirouette drehte, der erkannte, dass der Satz nicht nur so dahingesagt war.

Erstmals nach über sieben Jahren steht die US-Amerikanerin wieder in einem Grand-Slam-Finale und trifft dort am Samstag auf ihre ein Jahr jüngere Schwester Serena (9.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Und das ist eine der unglaublichsten Geschichten dieser Australian Open.

Vom Vater auf Erfolg getrimmt

Als Venus Williams am 17. Juni 1980 im kalifornischen Lynwood auf die Welt kam, hatten ihre Eltern, Richard und Oracene, ein klares Ziel vor Augen: Eines Tages würde Venus an der Spitze der Tennis-Weltrangliste stehen. Schon während der Schulzeit war ihr großes Talent unbestritten. Die Methoden des Vaters, der ihre Karriere mit eiserner Hand vorantrieb, zahlten sich erstmals aus, als Venus mit nur 14 Jahren ihr Debüt auf der WTA-Tour gab. Schnell nahm auch die Konkurrenz Notiz von ihr.

Es folgte ein steiler Aufstieg, der im Februar 2002 an der Spitze der Weltrangliste seinen vorläufigen Höhepunkt fand. Siege bei den Olympischen Spielen, in Wimbledon und New York sicherten ihr schon früh einen Platz in den Geschichtsbüchern. Es war ausgerechnet Serena, die Venus' Ausnahmestellung ins Wanken brachte. Zwischen Mai 2002 und Januar 2003 gingen gleich vier direkte Duelle in Grand-Slam-Endspielen gegen Serena verloren.

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Venus Williams: 14 Jahre Anlauf

Schon früh in Venus' Laufbahn nahmen Journalisten Aussagen des redseligen Vaters zum Anlass, um über ein vorzeitiges Karriereende des Superstars zu spekulieren. Zumal Williams bereits 2006 verletzungsbedingt nur elf Turniere bestreiten und keines davon gewinnen konnte. Doch vor allem wegen ihrer Erfolge in Wimbledon konnte sich Venus zunächst noch in der Weltspitze halten. Bis ins Jahr 2011.

Dort fiel Venus zunächst wegen einer Verletzung im Hüftbereich aus, im Sommer zwang sie ein hartnäckiger Virus zur Absage ihres Lieblingsturniers in Wimbledon. Ärzte diagnostizierten vor ihrem Zweitrunden-Match bei den US Open gegen Sabine Lisicki schließlich das sogenannte Sjögren-Syndrom. Symptome der Erkrankung sind Müdigkeit, Schwächeanfälle und Gelenkschmerzen, über welche sie in regelmäßigen Abständen geklagt hatte. Gegnerinnen und ehemalige Weggefährtinnen zeigten sich schockiert und befürchteten gar, Venus nie wieder auf dem Platz spielen zu sehen.

"Es braucht Zeit, bis sich die Puzzleteile fügen"

Trotz medizinischer Behandlung schien das Karriereende unausweichlich. Erste Versuche, auf die Tour zurückzukehren, missglückten. Es folgten Niederlagen gegen Spielerinnen außerhalb der Top-100, bei Grand-Slam-Turnieren kam sie, sofern sie denn teilnehmen konnte, nicht über die dritte Runde hinaus.

Ein Ende ihrer Laufbahn bezeichnete Williams stets als Flucht. Sie überstand die Krankheit und kämpfte sich zurück. "Ich habe das Spiel in mir. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis sich die Puzzleteile fügen", sagte sie vor ihrer Halbfinalniederlage in Wimbledon gegen Angelique Kerber im vergangenen Jahr. Heute dient sie vielen Tennisprofis wegen ihres Ehrgeizes und ihres bescheidenen Charakters als Inspiration.

Es scheint, als besitze Venus Williams heute sogar mehr Energie als noch vor 14 Jahren. Damals erreichte sie zum ersten Mal das Finale der Australian Open, unterlag dort aber ihrer Schwester Serena. Nun hat sie die Chance zur Revanche. Und auf eine Rückkehr in die Weltspitze, die im Tennis beispiellos wäre.

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