Vergabe der Winterspiele 2018 Pyeongchangs Probleme

Fragwürdige Sponsorenverträge bringen den olympischen Bewerber Pyeongchang in Bedrängnis - und zwei IOC-Mitglieder in Erklärungsnot. München könnte davon profitieren, die Chancen auf Olympische Winterspiele 2018 in Deutschland steigen.

IOC-Präsident Rogge: Keine Angst vor erneutem Skandal
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IOC-Präsident Rogge: Keine Angst vor erneutem Skandal

Von Florian Haas


Gut 30 Grad und Sonne satt: Über das Wetter an ihrem Tagungsort Acapulco konnten sich die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht beschweren. Nach Ende des Treffens hat sich nun das Klima beim IOC aber verschlechtert. Dunkle Sorgenwolken sind aufgezogen.

Der Grund: Zwei IOC-Abgeordnete sowie das Bewertungskomitee des Winterspiele-Kandidaten Pyeongchang sind wegen umstrittener Sponsoringverträge unter Druck geraten. Die IOC-Ethikkommission kümmert sich jetzt um den Fall, der die südkoreanische Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2018 in Turbulenzen bringen und damit die Ausgangslage für Konkurrenzbewerber München verbessern könnte: Sollte herauskommen, dass sich der asiatische Aspirant einen unlauteren Vorteil verschafft hat, drohen ihm drastische Strafen bis hin zum Ausschluss von der Olympiabewerbung.

Warum sich das IOC selbst überprüft? Am Rande der Tagung in Acapulco wurden zwei Sponsorenverträge bekannt. Demnach hat die Fluglinie Korean Air mit der Internationalen Eislauf-Union (Isu) einen Zweijahresvertrag als Titelsponsor des Shorttrack-Weltcups abgeschlossen, während der südkoreanische Elektronikkonzern Samsung in den kommenden Jahren den Internationalen Ruderverband (Fisa) finanziell unterstützen wird. Daran ist auf den ersten Blick wenig verwerflich.

Auf den zweiten Blick vielleicht schon.

Denn: Fisa-Präsident Denis Oswald ist zugleich Mitglied der IOC-Exekutive. Er stimmt als einer von mehr als 100 IOC-Mitgliedern bei der Vollversammlung am 6. Juli 2011 im südafrikanischen Durban über die Vergabe der Olympischen Winterspiele ab - ebenso wie Ottavio Cinquanta, der Präsident der Isu. Außerdem ist Korean Air Sponsor der südkoreanischen Bewerbung - und Samsung sogar einer von elf IOC-Top-Sponsoren. Dass die Firmen nun Einzelverbände fördern, ist selbst dem IOC eine Untersuchung wert.

Pyeongchangs Schwäche - ein Vorteil für München?

Besonders das Engagement von Samsung ist pikant. Laut Reglement darf eine Firma als Top-Sponsor des IOC nicht zugleich in einer Olympia-Bewerbung engagiert sein. Doch der milliardenschwere Ex-Samsung-Chef Kun Hee Lee ist IOC-Mitglied, gilt als einflussreicher Fürsprecher der südkoreanischen Kandidatur und saß in Acapulco bei der Präsentation Pyeongchangs mit auf dem Podium. Ob Lee, der vor gut zweieinhalb Jahren wegen eine Steueraffäre bei Samsung eher widerwillig zurücktrat, wohl noch im Sinne seiner Firma agiert?

Bei jener Kandidatenvorstellung hatte Pyeongchang bereits einen schlechteren Eindruck hinterlassen als München, das sich überdies besser präsentierte als der französische Bewerber Annecy - und nun von der Diskussion um Pyeongchang profitieren könnte.

Lange galt der südkoreanische Bewerber als Favorit, während München wegen der Olympiaproteste im für die Alpin-Wettbewerbe vorgesehenen Garmisch-Partenkirchen und wegen unglücklicher Aktionen des früheren Bewerbungschefs Willy Bogner beim IOC zunächst Minuspunkte sammelte. Durch die gute Vorstellung in Acapulco und die Turbulenzen um den südkoreanischen Konkurrenten könnte sich der Wind jetzt drehen.

Bei der Münchner Bewerbungsgesellschaft gibt man sich aber diplomatisch - trotz vermutlich insgeheim großer Freude. Zu den südkoreanischen Sponsoring-Aktionen "kann ich mich nicht äußern", sagte Geschäftsführer-Assistentin Sigrid Wörle SPIEGEL ONLINE. Sie verwies auf die Presseabteilung. Auch hier gab man sich mit Verweis auf den vom IOC ausgegebenen Verhaltenskodex zurückhaltend. Jeder konzentriert sich auf seine Bewerbung, sagte eine Sprecherin.

Schweizer denkt über Strafrechtsänderung nach

IOC-Mitglied Oswald, der nicht nur dem Ruderverband vorsteht, sondern auch Präsident aller olympischen Sommersportverbände ist, sieht sich nicht in der Schuld. "Ich habe nicht das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben", sagte der 63-jährige Schweizer. Die Sponsorverhandlungen mit Samsung hätten schon vor zwei, drei Jahren begonnen. Zudem dürfe ein Fachverband keine Nachteile dadurch haben, dass sein Präsident IOC-Mitglied ist.

Unabhängig von möglichen Sanktionen des IOC könnte eine Strafrechtsänderung in der Schweiz bald auch für das IOC selbst Folgen haben. Nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals beim Fußball-Weltverband Fifa vor knapp zwei Wochen haben einige Schweizer Parlamentarier angekündigt, auf eine Veränderung des Strafrechts drängen zu wollen. Sie fordern, dass auch in der Schweiz ansässige Sportorganisationen dem Korruptionsstrafrecht unterstellt werden. Die Initiative soll im Dezember im Parlament eingebracht werden. Das derzeitige Recht nimmt Sportverbände von einer Strafverfolgung aus - und somit auch das in Lausanne sitzende IOC.

IOC-Präsident Jaques Rogge hatte bei seiner Abschlusspressekonferenz in Acapulco übrigens gesagt, dass er keine Angst habe vor einem erneuten Skandal.

mit Material von dpa



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