Verstärkung für Oracle BMW Lokalmatador John Kostecki plant Großes

Mit der deutschen Yacht "Illbruck" hat John Kostecki vergangenes Jahr das Volvo-Ocean-Race gewonnen. Am Montag startet er im Team Oracle BMW beim Moët-Cup in San Francisco. Das Segelgebiet in der Bay Area kennt Kostecki seit seiner Jugend, deshalb geht er voller Optimismus ins Match-Race gegen America's-Cup-Sieger "Alinghi".

Von Christoph Kober


Prominenter Neuzugang bei Oracle BMW: John Kostecki
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Prominenter Neuzugang bei Oracle BMW: John Kostecki

San Francisco - Der Mann ist einmal um die ganze Welt gesegelt, war zehnmal Weltmeister und zweimal "Yachtsmen of the Year". Stolz kann John Kostecki auf seine Erfolge sein, zufrieden gibt er sich mit ihnen jedoch nicht. Ein Erfolg beim America's Cup fehlt ihm noch. "Das war schon immer eines meiner großen Ziele."

Um dem Traum ein Stück näher zu kommen, wechselte Kostecki im August vom Illbruck-Team zu Oracle BMW. Nach der "Il Moro-Trophy" bestreitet der Taktiker beim Moët-Cup das zweite Rennen für sein neues Team. Oracle-Skipper Chris Dickson freut sich über den prominenten Neuzugang: "John ist einer der besten Taktiker der Welt, und wir werden von seiner Erfahrung unglaublich profitieren."

Chris Dickson und Steuermann Gavin Brady waren selbst erst kürzlich von der kalifornischen Mannschaft geholt worden. Mittlerweile wurde auch Ross Halcrow verpflichtet, der als einer der besten Segel-Trimmer der Welt gilt.

Zwar will John Kostecki in der San Francisco Bay der Konkurrenz auf "Alinghi" möglichst nur das Heck zeigen. Doch sein Blick geht schon weiter Richtung 2007, das Jahr, in dem der nächste America's Cup ausgetragen wird. Wenn es dann gilt, die "Alinghi" zu entthronen, soll das Oracle-Team nach dem Willen Kosteckis als Herausforderer am Start sein: "In diesem Team steckt so viel Sieges-Potenzial. Das bietet mir eine großartige Chance, mit einigen der Besten unserer Zunft zusammen zu segeln."

Eine Zunft, die der 39-Jährige von Kindesbeinen an gelernt hat. Schon mit drei Jahren stand er zum ersten Mal auf den Segelplanken. In Pittsburgh geboren, wuchs er in Kalifornien auf und ging schon als Kind regelmäßig zum Segeln in die San Francisco Bay.

Mit 15 Jahren wurde er Mitglied des renommierten Yachtclubs St. Francis. Drei Jahre später gewann er bei den Sunfish World Championships 1982 seine erste Weltmeisterschaft. 1986 wurde Kostecki erstmals Weltmeister in der Soling Klasse. Zwei Jahre danach kamen eine olympische Silbermedaille und zwei weitere Weltmeistertitel hinzu. Mit gerade einmal 24 Jahren wurde der Amerikaner 1988 zum "US Rolex Yachtsman of the Year" ernannt.

Trotz aller Titel und Medaillen, der abenteuerlichste Segeltörn Kosteckis war das Volvo-Ocean-Race 2001/2002. "Eine Schlittenfahrt, für die es kaum Worte gibt", sagte der Skipper nachdem die "Illbruck" am 9. Juni 2002 das Ziel im Kieler Hafen erreichte.

Kostecki und sein Team waren in 123 Tagen über 32.700 Seemeilen einmal um die ganze Erde gesegelt - Wassereinbruch ins Boot und lebensgefährliche Wetterbedingungen inklusive. Nach Sieg im Volvo-Ocean-Race wurde Kostecki ein zweites Mal mit dem Titel "Yachtsmen of the Year" ausgezeichnet.

Während des Moët-Cups wird die Renndistanz kürzer und die Mannschaft eine andere sein. Das stört Kosteckis nicht. Er urteilt gut über seine neue Truppe, natürlich immer mit Blick auf sein großes Ziel: "Ein exzellentes Team, das eine große Chance hat, den America's Cup zu gewinnen."



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