Volleyball Deutsche Damen baggern sich nach Athen

Die deutschen Volleyballerinnen haben überraschend ihre dritte Olympia-Teilnahme in Folge perfekt gemacht. Dank einer starken Leistung gegen die Türkei in der Qualifikation sind die deutschen Damen im Zwölferfeld in Athen dabei.


Jubel bei den Volleyball-Fans: Auf die deutschen Damen ist Verlass
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Jubel bei den Volleyball-Fans: Auf die deutschen Damen ist Verlass

Baku - Deutschlands Volleyball-Frauen feierten in der Hoteldisco in Baku bis spät in die Nacht ihre dritte Olympia-Teilnahme in Folge. Der Sekt floss in Strömen, nachdem sich die Damen schon im Finale des Qualifikationsturniers beim 3:0 (25:22, 25:16, 25:7) gegen Vizeeuropameister Türkei in einen Rausch gespielt hatten. Die Männer im Team inklusive Erfolgstrainer Hee Wan Lee büßten bei der Fete ihre Haarpracht ein, während Verbandschef Werner von Moltke eine Extraprämie für die Damen und die Weiterförderung der in Leipzig gescheiterten Herren versprach.

"Wir schweben alle auf Wolke sieben, das war ein Sieg wie im Rausch. Das ist ein großes Team mit vielen kleinen Stehaufmännchen", sagte Spielführerin Angelina Grün dem sid. 3:2 nach 1:2-Rückstand gegen den Olympiazweiten Russland, 3:2 nach 0:2-Rückstand und Abwehr von zwei Matchbällen gegen Weltmeister Italien - die Mannschaft galt im Duell gegen die besten Teams Europas als bereits geschlagen und schaffte mit Kampfkraft und Spielfreude doch noch die Wende. Das Finale um das einzige Athen-Ticket geriet dann zu einer Demonstration deutscher Volleyballkunst, die Atika Bouagaa mit dem verwandelten zweiten Matchball gegen die völlig entnervten Türken beendete.

"Athen wir kommen"


"Athen, wir kommen. Die Türken hatten halt Respekt vor unserer Wahnsinnsmoral, uns hätte an diesem Tag kein Team der Welt stoppen können", meinte Grün. Die deutsche Feldabwehr mit Kerstin Tzscherlich kratzte selbst die unmöglichsten Bälle vom Boden, Bouagaa legte im zweiten Satz acht Aufschlagwinner in Folge hin, Zuspielerin Tanja Hart machte mit müden Beinen ("Die kann ich nach diesem Turnier wegwerfen") das Spiel ihres Lebens und Angelina Grün punktete gnadenlos im Angriff.

Als die Mannschaft dann nach dem zweiten großen Triumph nach EM-Bronze vor einem Vierteljahr überglücklich im Kreis tanzte, gönnte sich Teamchef Götz Moser den ersten Whisky seit Jahrzehnten: "Wir sind alle so glücklich. Ich will ja jetzt nicht von einer Olympia-Medaille spinnen, aber mehr als Platz acht in Atlanta oder Rang sechs in Sydney ist mit diesem Geist schon drin."

Fand auch der gerührte Präsident Werner von Moltke, der die übernächtigten Damen am Sonntag auf dem Frankfurter Flughafen empfing: "Diese Frauen sind ein sensationeller Glücksfall für den deutschen Volleyball." Der mit einem Vertrag bis 2005 ausgestattete Chefcoach Lee (Grün: "Er ist ein Wahnsinnstrainer und hat Riesenanteil am Erfolg") soll die Damen nach dem Willen des Verbandschefs an die absolute Weltspitze führen. Die Stars Hanka Pachale und Sylvia Roll, die freiwillig auf Baku verzichtet hatten, will dagegen auch bei Olympia kaum einer mehr im Team haben. Moltke denkt an Wichtigeres: "Jetzt bekommen die Mädels erstmal eine richtig schöne Prämie und alles Geld was sie brauchen, um sich perfekt auf Olympia vorzubereiten."

Brustsponsor für die Damen


Schließlich wurde mit dem Wunder von Baku der mit 100.000 Euro Verlust pro Jahr verbundene Absturz in Förderklasse drei vermieden, zudem brachte der sensationelle Triumphzug endlich das lang ersehnte Interesse von Medien und TV. "Dem Verband geht es auch finanziell so gut wie lange nicht mehr. Wir haben zwei große Sponsoren langfristig gebunden, jetzt werden wir sicher auch einen Brustsponsor für die Damen finden", so von Moltke.

Der Erfolg macht auch die Weiterförderung der auf dem Weg zur ersten Olympia-Teilnahme seit 32 Jahren gescheiterten Herren möglich, die im Halbfinale von Leipzig sang- und klanglos mit 0:3 an den Niederlanden gescheitert waren. Das Team musste anschließend zuschauen, wie 6000 Fans mit Wunderkerzen Russland nach dem 3:0-Triumph gegen die Holländer als Olympia-Teilnehmer feierten.

"Auch wenn die Herren wieder mal im entscheidenden Moment nicht ihre Topleistung gebracht haben, machen wir mit ihnen weiter. Die Qualifikation für Peking 2008 ist ein Muss", sagte von Moltke. Trotz des Misserfolgs will er den Vertrag mit dem restlos frustrierten Bundestrainer Stelian Moculescu verlängern, der später einmal auf einen Beraterposten wechseln könnte. Kapitän Wolfgang Kuck wird dagegen wohl zurücktreten: "Ich denke, dass aus dieser jungen Truppe in zwei, drei Jahren eine große Mannschaft wird, die in der Weltspitze mitspielt".



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