Aus für Hamburger Volleyballerinnen Sportstadt ohne Sponsoren

Zwei Jahre suchten die Volleyballerinnen des VT Aurubis vergeblich einen neuen Sponsor, jetzt zieht sich der Klub aus der Bundesliga zurück. Nach dem Aus für die HSV-Handballer die nächste Pleite für Hamburg. Ist in der Stadt kein Platz neben dem Fußball?
Von Andrea Scharpen
Spielerinnen des VT Aurubis

Spielerinnen des VT Aurubis

Foto: imago

Im Internet spielt Pascal Hens noch immer beim HSV Handball. Die Stadt wirbt im Netz mit "Handballsport der Spitzenklasse",  darüber ein Bild von Hens im weiß-blauen Trikot. Dabei ist das alles Geschichte: Die Handball Bundesliga hat dem HSV längst die Lizenz entzogen. Sollte die Marketingabteilung der Stadt die Seite je aktualisieren, kann sie nun das nächste Bundesligateam der Stadt gleich mit löschen. Auch die Hamburger Volleyballmannschaft VT Aurubis  gibt es nicht mehr. Der Grund ist wieder Geld. Den Spielerinnen fehlten rund 370.000 Euro für die neue Saison. Der Verein hat deshalb keine Lizenz für die erste Bundesliga beantragt - zum ersten Mal nach 15 Jahren.

Zwei Bundesligateams gescheitert, die Eishockeymannschaft Hamburg Freezers finanziell angeschlagen: Kann Hamburg nur Fußball?

"Das ist eine große Pleite für die Stadt", ärgert sich der Präsident des VT Aurubis, Horst Lüders. Der 71-Jährge und sein Kollege Volker Stuhrmann leiten den Club ehrenamtlich. "Hamburg will eine Sportstadt sein", sagt Lüders enttäuscht. Aber es fanden sich keine Sponsoren in der Stadt, die noch vor kurzem für die Olympischen Spiele gebrannt hat. Das Ende des VT Aurubis kam mit Vorlauf: Schon vor zwei Jahren hatte der bisherige Hauptsponsor, Kupferproduzent Aurubis, angekündigt, die Sportlerinnen aus dem Stadtteil Neugraben-Fischbek im Süden Hamburgs nicht mehr zu unterstützen. Dabei soll es um rund 500.000 Euro gehen. Seither hat der Verein versucht, die Lücke zu schließen. Lüders hat Gespräche mit Firmen, der Politik und der Handelskammer geführt und Kontakte geknüpft. "Ich mache das seit 25 Jahren. Schwierig war es immer", sagt er. Diesmal hat es nicht geklappt.

In Hamburg investieren Sponsoren lieber in eine der beiden großen Fußballmannschaften. "Da ist Volleyball nicht so attraktiv", glaubt Lüders. Dabei hatte der Club ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Er war nicht nur der einzige Hamburger Volleyballclub in der ersten Bundesliga, sondern das einzige Frauenteam in ganz Nordwestdeutschland. In anderen Städten wie Dresden, Schwerin oder Münster hätten es die Volleyballmannschaften leichter, Geldgeber zu finden, sagt Lüders. "Da ist weiter nichts."

Keine Zukunft in Hamburg: Spielerinnen des VT Aurubis

Keine Zukunft in Hamburg: Spielerinnen des VT Aurubis

Foto: imago

Auch Frank Bleydorn spricht von der "großen Konkurrenzsituation in Hamburg". "Das haben auch schon andere Mannschaften zu spüren bekommen", sagt der Sprecher der Volleyball-Bundesliga, mit Blick auf den HSV Handball. Dass keine Sponsoren gefunden werden können, sei nicht typisch für die Volleyball-Liga - obwohl es um Frauensport geht. Im Volleyball gibt es zwischen Männern und Frauen kaum Unterschiede: "Weder bei den Etats noch bei den Zuschauerzahlen", sagt Bleydorn. Die Etats reichen etwa von 300.000 bis zwei Millionen Euro pro Saison.

Das Problem ist laut Bleydorn vielmehr, dass die Strukturen trotz dieser Summen oft zu unprofessionell sind. "Sie gleichen denen in der fünften Liga im Fußball", sagt Bleydorn. Auch die Probleme sind ähnlich. Es fehlt an Hauptamtlichen.

"Generell muss Vereinsmanagement immer mit dem sportlichen Erfolg mithalten", sagt auch der Hamburger Sportstaatsrat Christoph Holstein, der in der Wirtschaft keinen Trend dazu sieht, Sport weniger zu unterstützen. Dass nun schon der zweite Club in kurzer Zeit vor dem finanziellen Aus steht, sei "kein schönes Signal" für die Stadt. Holstein sprach selbst mit möglichen Sponsoren, versuchte Kontakte zu vermitteln. Nur finanziell unterstützen darf die Stadt den Profisport nicht, weil dahinter ein Unternehmen steht. "Das verstößt gegen EU-Recht", sagt Holstein.

Bei dem Unternehmen, das hinter dem VT Aurubis steht, dem TV Fischbek Sportmarketing, gibt es eine Vollzeit- und drei halbe Stellen. Die Suche nach Sponsoren übernehmen aber hauptsächlich die beiden ehrenamtlichen Geschäftsführer. "Für den Verein wären neue Leute und neuer Input wichtig", sagt Nina Braack. Die Mittelblock-Spielerin kritisiert die Führungsspitze ihres Vereins. "Es braucht jetzt eine klare Umstrukturierung, sonst haben wir nächste Saison das gleiche Problem." Braack und ihre Mitspielerinnen sind enttäuscht. In dieser Saison sind sie zwar nur auf dem neunten Platz gelandet. Sportlich hätte es trotz des knappen Etats für den Verbleib in der ersten Liga gereicht.

"Sie hatten zwei Jahre Zeit. Da sollte mehr drin sein", kritisiert Braack die Sponsorensuche. Nur Firmen anzuschreiben, sei nicht mehr zeitgemäß. Crowdfunding wäre eine Option gewesen, sagt Braack. "Damit hätte man vielleicht keine halbe Million Euro zusammenbekommen, aber Aufmerksamkeit geschaffen." Solche Chancen habe das Führungsduo verpasst. Geschäftsführer Lüders weist solche Kritik zurück. Er hätte gern mit jungen Leuten zusammengearbeitet und neuen Input bekommen. "Aber das ist ein aufreibender Job", sagt er. "Ehrenamtlich will den keiner machen." Geld für weitere Hauptamtliche war keines da.

Der VT Aurubis hofft jetzt auf die Lizenz für die zweite Bundesliga. Aber auch dafür fehlen noch 120.000 Euro. "Wir treten nur an, wenn der Etat gedeckt ist", sagt Lüders. Er will jetzt noch einmal Klinken putzen und bei alten Sponsoren für die zweite Liga werben. "Vielleicht haben wir Glück", sagt er. Die Frist läuft bis zum 2. Mai. Findet sich kein Sponsor, wird das Team aufgelöst.

Mehr lesen über Verwandte Artikel