Contador bei Vuelta Höchst umstrittener Triumphator

Über dem Sieg bei der Spanien-Rundfahrt 2012 liegt ein Schatten. Lokalmatador Alberto Contador setzte sich nach abgesessener Dopingsperre durch. Doch Zweifel bleiben.

Vuelta-Sieger Contador: Glücklich und frei von Selbstzweifeln
AFP

Vuelta-Sieger Contador: Glücklich und frei von Selbstzweifeln


Hamburg - Der Sieger war glücklich. "Die vergangenen Monate sind abgehakt. Ich freue mich jetzt und denke noch nicht an die Tour de France 2013. Paris ist noch so weit", sagte Alberto Contador, der Gewiner der Vuelta 2012. Auf der finalen Flachetappe nach Madrid fuhr er seinen Vorsprung ungefährdet ins Ziel. John Degenkolb holte seinen fünften Etappensieg - und schrieb damit deutsche Radsport-Geschichte. Er gewann das Finale der Spanien-Rundfahrt nach 115 Kilometern im Massensprint vor den Italienern Elia Viviani und Daniele Benatti.

Vor zwei Jahren war Contador in Frankreich die Einnahme des Präparats Clenbuterol nachgewiesen worden. Zudem soll er zum Kundenkreis des mutmaßlichen Dopingarztes Eufemiano Fuentes gehört haben. Dennoch durfte Contador auch 2011 noch die Tour fahren, ehe ihn der Internationale Sportgerichtshof Cas in diesem Februar rückwirkend wegen Dopings für zwei Jahre sperrte.

Contador selbst sieht sich als Opfer, er hatte immer seine Unschuld beteuert. Umso größer war seine Genugtuung angesichts seines zweiten Triumphs nach 2008 beim wichtigsten Rennen in seinem Heimatland. "Diese Spanien-Rundfahrt ist für den Radsport im Allgemeinen ein Gewinn", sagte Contador.

"Ich musste mich häufig überwinden, vor die Tür zu gehen"

In der Vorbereitung auf die Vuelta hatte er bei der Eneco-Tour durch die Niederlande und Belgien Anfang August sein Comeback gefeiert. "Mut, Nonkonformismus und Willensstärke haben mir vielleicht den Sieg gebracht", so Contador, "wenn ich nicht immer an mich geglaubt hätte, hätte ich nicht attackiert."

Es sei eine "schwere Zeit" gewesen, sagte der 29-jährige Kapitän des Teams Saxo Bank über seine Sperre. "Ich musste mich häufig überwinden, vor die Tür zu gehen und zu trainieren." Nun wolle er sich bei den Leuten bedanken, "die mich während dieser Zeit unterstützt haben".

Alles andere als begeistert über den Sieg Contadors vor dessen Landsleuten Alejandro Valverde (Movistar, 1:16 Minuten zurück) und Joaquín Rodríguez (Katjuscha, +1:37,4) zeigte sich der renommierte Heidelberger Dopingexperte Werner Franke. "Contadors Sieg ist katastrophal. Der Radsport ist immer noch ein Lügendickicht ohnegleichen", sagte Franke.

Die spanischen Sporttageszeitungen preisen hingegen Contador, den ebenfalls bereits wegen Dopings gesperrten Valverde und Rodríguez. "As" schrieb: "Ein Champion, drei Helden." Das Konkurrenzblatt "Marca" urteilte: "Die Vuelta des Contador. Er ist der König des Comebacks". Der Molekularbiologe Franke sieht es gänzlich anders: "Das ist ein Beispiel für nationale Korruption im Denken. In Spanien trieft es vor Nationalismus."

Während Contador nun wieder groß im Geschäft ist, geht eine andere Karriere im Radsport zu Ende. Grischa Niermann hört mit Ende der 67. Spanien-Rundfahrt auf - nach 17 Jahren als Profi. Der 36-jährige Hannoveraner bleibt seinem Team Rabobank als Sportlicher Leiter des Continental-Teams erhalten. Bester Deutscher bei der Vuelta war in diesem Jahr Simon Geschke, der 71. wurde.

ach/dpa/sid



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