Erfurter Dopingaffäre Wada blamiert sich und sorgt für Verwirrung

Die Erfurter Dopingaffäre gerät für die Welt-Anti-Doping-Agentur und dessen Generalsekretär David Howman zur peinlichen Posse. Galt die Blutbehandlung mit UV-Licht zunächst als Doping, stufte die Wada die Methode später erst seit Januar 2011 als verboten ein - nun kommt es wohl zur erneuten Wende.
Wada-Generalsekretär Howman: "Wir hatten nicht alle Informationen"

Wada-Generalsekretär Howman: "Wir hatten nicht alle Informationen"

Foto: Jean-christophe Bott/ AP

Hamburg - Die Erfurter Dopingaffäre steht möglicherweise vor einer erneuten Kehrtwende. Die Auffassung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), wonach UV-Blutbestrahlungen am Olympiastützpunkt Erfurt vor dem 1. Januar 2011 nicht als verboten anzusehen seien, sei von den konsultierten Experten nicht ausreichend geprüft worden und müsse daher neu bewertet werden. Das teilte Wada-Generalsekretär David Howman in einem Interview der ARD mit.

"Das hört sich ziemlich extrem an: Aber den Wada-Brief vom 26. April sollten Sie ignorieren", sagte Howman: "Wir hatten nicht alle Informationen, das weiß ich, es ist offensichtlich, dass wir nicht alle Papiere von der Nada bekommen hatten." Die Wada habe beispielsweise die Ermittlungsunterlagen der Staatsanwaltschaft nie zu Gesicht bekommen, sagte er in einem Gespräch mit Zeit Online.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) soll also eine Mitschuld haben, pikant ist aber: Schon zuvor war ein von der Nada in Auftrag gegebenes Gutachten offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Behandlungsmethode bereits vor 2011 verboten war. Damit stand es in einem Widerspruch zur Rechtsauffassung der Wada. Die Wada hatte noch Ende April mitgeteilt, dass die Methode laut ihres Codexes erst seit dem 1. Januar 2011 verboten sei - obwohl Howman zuvor eine andere Einschätzung geäußert hatte. "Es ist eine verbotene Methode. Sie steht seit Jahren auf der Verbotsliste. Man hat zwar die Definition präzisiert, wir haben mehr Klarheit geschaffen. Aber diese Methode war nie erlaubt. Blutdoping war niemals erlaubt", so der Wada-Generaldirektor damals. Die ständig wechselnden Einschätzungen könnten für den Neuseeländer das Aus bedeuten.

Nun forderte Howman, dass die Nada in den Fällen vor 2011 die Initiative ergreifen müsse. "Die Nada Deutschland sollte ein Verfahren eröffnen, und das sollte dann ein Gericht entscheiden. Es muss aus meiner Sicht zu einem Sportgerichtsverfahren kommen", sagte er der ARD.

Die 27 Sportler, die sich ihr Blut vom Erfurter Sportarzt Andreas Franke mit UV-Licht behandeln ließen, müssen womöglich doch wieder zittern. Franke soll das Blut mit UV-Licht bestrahlt und reinfundiert haben. Angeblich, um Infekten vorzubeugen. Gegen zwei der Athleten, eine Eisschnellläuferin und einen Radfahrer, hatte die Nada Verfahren eingeleitet.

jar/sid
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