Wechsel in der NBA Jagd auf Miamis Super-Trio

Der Sommer 2010 hat das Gesicht der NBA verändert. Miami geht mit drei Stars, aber ohne Anführer an den Start. Chicago hat kräftig investiert, die Lakers, Celtics und Magic clever nachgebessert. Wer sich am besten verstärkt hat, analysiert das Basketball-Magazin "FIVE".
Miami-Profis James, Wade und Bosh (v.l.): Neues Superteam der Heat

Miami-Profis James, Wade und Bosh (v.l.): Neues Superteam der Heat

Foto: Getty Images

Der Sommer 2010, sehnsüchtig war er erwartet worden. Viel sollte er ändern in der besten Basketballliga der Welt, die über Jahre gewachsene Hackordnung der NBA in wenigen Wochen durcheinander gewirbelt werden.

Konnte diese Wechselperiode den hohen Erwartungen gerecht werden? Ja, sie konnte. Und wie!

Durch den Zusammenschluss von LeBron James, Dwyane Wade und Chris Bosh entstand in Miami über Nacht nicht nur ein neuer Titelfavorit. Die Geburt von "Miami Thrice" war mehr als das. Die Art und Weise, wie sich drei Superstars der Liga entschieden, den traditionellen Weg ihrer Vorgänger zu verlassen, stellte die NBA auf den Kopf. Bisher galt die Karriere von Bulls-Legende Michael Jordan als Blaupause, war die Basketballwelt stets auf der Suche nach dem "nächsten Jordan".

Dieses Alphatier brauchte natürlich den richtigen Mix an Mitspielern um sich. Im Ernstfall jedoch war dieser Spieler der unumstrittene Anführer, der sein Team allein zur Meisterschaften führt. So war es bei Jordan, so war es bei den NBA-Legenden, die vor ihm kamen. Bei den Heat gibt einen solchen Anführer (bisher) nicht.

"LeBron wird nie Jordan sein"

"Selbst wenn ich heute zurückdenke, gab es keinen Moment, in dem ich Larry Bird oder Magic Johnson angerufen und gesagt hätte: 'Hey, lass uns zusammen in einem Team spielen'", kommentierte Jordan die Entscheidung seiner Nachfolger. "Aber gut, die Dinge sind heute anders. Ich kann nicht sagen, dass das eine schlechte Sache ist. Aber ganz ehrlich: Ich habe damals versucht, diese Jungs zu schlagen." Selbst der titellose Charles Barkley äußerte sich kritisch. "LeBron wird nie Jordan sein. Diese Entscheidung nimmt ihn aus dem Rennen, da kann er gewinnen, so viel er will."

Sicher ist: Mit der Entscheidung von James und Bosh hat sich auch die Free Agency verändert. Schon jetzt wirft der Sommer 2011 seinen Schatten voraus. Dann könnten unter anderem Denvers Carmelo Anthony sowie Aufbauspieler Chris Paul (New Orleans) kostenlos zu haben sein. Kein Wunder, dass schon jetzt Gerüchte um das nächste Supertrio bei den Knicks, Nets oder anderswo kursieren.

Doch was brachte die Free Agency 2010 außer dem neuen Supertrio am South Beach?

Vor allem die Chicago Bulls sind durch clevere Einkäufe zu einer echten Macht im Osten gewachsen. Forward Carlos Boozer bringt Punkte am Brett, Scharfschütze Kyle Korver die so lange vermisste Gefahr von der Dreierlinie. Ronnie Brewer ist der neue Defensivstopper auf dem Flügel, C.J. Watson ein mehr als fähiger Ersatz für Point Guard Derrick Rose.

In Dallas beschränkte man sich auf punktuelle Verstärkungen. Dirk Nowitzki und Brendan Haywood konnten gehalten werden, Erick Dampier ging im Tausch mit Tyson Chandler nach Charlotte. Mavs-Besitzer Mark Cuban und Co. befinden sich so weiterhin in Lauerstellung, immer auf der Suche nach dem einen Deal, der die Mavs auf Augenhöhe mit dem Meister aus Los Angeles bringt. "Ich denke, ein Spieler, der zu jeder Zeit - auch in der Crunchtime - seinen eigenen Wurf kreieren und ein Spiel übernehmen kann, würde am besten zu uns passen", beschreibt Nowitzki den perfekten Zugang in Dallas.

Punktuell verstärkte Favoriten

Natürlich schielten in der Sommerpause nicht alle Clubs einzig auf die Großverdiener. Vor allem die Mitfavoriten und Playoffteams aus der Vorsaison polsterten die eigenen Kader fast schon optimal aus. Die Finalisten aus Los Angeles und Boston konnten sich beide über die Rückkehr ihrer Meistertrainer freuen, die zuvor öffentlich über den Abschied in die Rente nachgedacht hatten. Die Lakers hielten außerdem Point Guard Derek Fisher und stellten ihm mit Steve Blake den besten Partner zur Seite, den der Veteran seit seiner Rückkehr nach Hollywood bisher hatte. Außerdem kam mit Forward Matt Barnes der perfekte Backup für Ron Artest. Athlet Shannon Brown blieb und Center Theo Ratliff bekommt die Restminuten im Frontcourt.

Auch die Celtics hielten ihre Truppe zusammen. Paul Pierce, Ray Allen, Nate Robinson und Marquis Daniels bekamen neue Verträge. Einzig Defensivexperte Tony Allen ging nach Memphis - ein Verlust, der intern von Daniels aufgefangen werden soll, wenn dieser wieder fit ist. Gleichzeitig kamen mit Jermaine und Shaquille O'Neal zwei erfahrene Center, um den Ausfall von Kendrick Perkins (fehlt mit Kreuzbandriss bis Februar 2011) auszugleichen. Der Nutzwert dieser Einkäufe muss sich jedoch erst noch zeigen. Vor allem Shaq dürfte mit der aktiven Defensivphilosophie der Celtics seine Probleme haben.

Zwei O'Neals sollen Boston unter den Körben helfen

Trotzdem bringt das Duo eine Qualität, die den Celtics in der Vergangenheit zu oft gefehlt hat: Massige Spieler, die am Brett punkten können. Die gravierendste Veränderung in Boston dürfte allerdings der Abgang von Defensivcoach Tom Thibodeau sein, der fortan bei den Bulls als Cheftrainer amtiert. Kann die beste Verteidigung der Liga diesen Abschied kompensieren?

Auch die Orlando Magic verstärkten sich punktuell. Das Team hielt Scharfschütze J.J. Redick und leistete sich mit Chris Duhon einen fähigen Backup auf der Aufbauposition. Außerdem stieß mit Quentin Richardson ein Ersatz für Matt Barnes zur Mannschaft, der zumindest aus der Distanz für Gefahr sorgen sollte, während defensiv relativ wenig von ihm zu erwarten sein wird.

Reichen diese punktuellen Veränderungen, um ähnlich erfolgreich zu sein, wie in der Vorsaison? Kann das neue Superteam in Miami sofort um die Spitze mitspielen? Funktioniert das Konzept des Teams ohne designierten Anführer? Der Sommer 2010 hat jede Menge neue Fragen aufgeworfen. Ab dem 26. Oktober läuft die neue Saison. Dann gibt es Antworten.

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