Sportbetrug Wada hält deutsche Anti-Doping-Agentur für unwirksam

Schlechtes Zeugnis für die deutsche Anti-Doping-Agentur Nada: Die Wada hält sie nicht für fähig, Licht ins Dunkel des Dopingbetruges zu bringen. Dazu fehlten der Nada schlicht die Mittel, so der Sekretär des Weltverbandes.
Wada-Direktor Howman: "Die Nada hat kaum Möglichkeiten"

Wada-Direktor Howman: "Die Nada hat kaum Möglichkeiten"

Foto: Jean-christophe Bott/ AP

Hamburg - Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sieht den mangelnden Handlungsspielraum der deutschen Agentur Nada bei Dopinguntersuchungen und deren finanzielle Unsicherheit kritisch. "Die Nada kann keine Ermittlungen durchführen und hat kaum Möglichkeiten, Informationen von der Polizei zu bekommen", sagte Wada-Generalsekretär David Howman der Nachrichtenagentur dpa.

"Ich sprach mit der Nada-Chefin Andrea Gotzmann darüber. Sie bleibt bei vielem, was in ihrem Land passiert, im Dunkeln. Und das ist nicht ihr Fehler." Man könne dies in Deutschland aber "leicht verändern, um einen freien Fluss der Informationen zu garantieren", sagte Howman.

Der Neuseeländer kritisierte auch, dass es für das Budget der Nada keine Garantie gebe. "Ich finde es bedauerlich für die Nada, dass sie keine abgesicherte Zukunft hat und dass sie keinen gesicherten Betrag an Geld hat, mit dem sie planen kann", sagte Howman. Die Nada bekomme das Geld vom Staat, vom Sport und aus privaten Quellen. "Das ist nicht das normale Modell. In den meisten Ländern werden die nationalen Agenturen voll vom Staat finanziert", sagte Howman.

Nicht überrascht über Spuren in den Fußball

Für ihn kommt es zudem nicht unerwartet, dass die Spur im Zuge des Prozesses rund um den spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes auch zum Fußball führt. "Wenn es Beweise geben sollte, werden wir überlegen, was zu tun ist und Untersuchungen einleiten", so Howman. "Es überrascht mich aber nicht, dass der Fußball auch davon betroffen ist."

Beim Fuentes-Prozess tauchten Hinweise auf, dass italienische und spanische Fußballclubs die Dienste des Arztes in Anspruch genommen haben könnten. Von dem Gerichtsverfahren in Madrid erhofft sich die Wada als Nebenklägerin die Herausgabe der Blutbeutel, die Fuentes zu Dopingzwecken für Sportler aufbewahrt hat.

"Wir haben nicht so viel Energie in den vergangenen sechs Jahren in diese Sache gesteckt, um jetzt die Chance zu verwerfen, die Wahrheit zu erfahren", sagte Howman. Die Richterin wolle am Ende des Prozesses darüber entscheiden. "Dann werden wir sehen, ob wir die Beutel bekommen oder nicht. Der Sport hat ein Recht zu erfahren, wem diese Blutbeutel gehören und wer Teil dieses Dopings gewesen ist", meinte Howman.

aha/dpa
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