Streit zwischen Experte Franke und Vorsitzendem Lehner Eklat bei Presserunde der Doping-Opfer-Hilfe

Der Streit bei der Doping-Opfer-Hilfe geht in die nächste Runde: Bei einer Presserunde kam es zwischen dem Vorsitzenden und einem bekannten Dopingexperten sogar zu Handgreiflichkeiten.

Michael Lehner (r.) und Werner Franke (Mitte)
Christoph Soeder/DPA

Michael Lehner (r.) und Werner Franke (Mitte)


Bei der Pressekonferenz der Doping-Opfer-Hilfe (DOH) ist es zu einem Eklat gekommen. Der Anti-Dopingexperte Werner Franke wollte eine Presserunde des Vereins besuchen, doch der DOH-Vorsitzende Michael Lehner ließ den Besuch des 79 Jahre alten Molekularbiologen nicht zu.

"Sie sind nicht eingeladen. Bitte verlassen Sie den Raum", sagte der Anwalt zu Franke. Es kam laut der Nachrichtenagentur dpa zu einem "Gerangel", der Sportinformationsdienst schreibt von "Handgreiflichkeiten". Lehner drängte den 79-Jährigen demnach mit körperlichem Einsatz zur Tür hinaus.

Franke lud die Anwesenden zu einer von ihm eigens organisierten Runde ein. "Wer die Wahrheit hören will, muss ins "Maximilians" kommen", rief Franke bei seinem Abgang. Das Restaurant befindet sich in einer Entfernung von etwa einhundert Metern Luftlinie zur Bundesstiftung.

Der weltbekannte Dopingexperte Franke gehörte zu den Mitbegründern der DOH, er hatte maßgeblich zur Aufdeckung des staatlichen Dopings in der DDR beigetragen. 2014 hatte er die Heidi-Krieger-Medaille des DOH-Vereins für seine Doping-Aufklärungsarbeit bekommen.

Franke übt schon länger Kritik am DOH

Seit einigen Jahren aber kritisiert Franke die Vorgehensweise des Vereins. Auch Lehners Vorgängerin Ines Geipel war von Franke und drei anderen Dopingexperten scharf kritisiert worden. Sie werfen dem DOH vor, ehemalige Sportler trotz unzureichender Nachweisverfahren als DDR-Dopingopfer anzuerkennen.

Die Kritiker, zu denen neben Franke auch Gerhard Treutlein, Co-Autor des Buchs "Doping im Spitzensport", sowie die Anti-Doping-Kämpfer Claudia Lepping und Henner Misersky gehörten, hatten im November vergangenen Jahres in einem Brief an die Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Bundestags eine grundlegende Veränderung des Dopingopfer-Hilfegesetzes gefordert.

Ziel der Experten war es, "Missbrauch durch Betrüger" zu verhindern. Zudem sollen Zweifel an Prozedere und Personalien ausgeräumt und "alle Regelungslücken geschlossen" werden. Auslöser des Briefes war unter anderem die Ankündigung des früheren DDR-Zehnkampf-Olympiasiegers und Dopingsünders Christian Schenk, die Erfolgschancen einer möglichen Entschädigung aus dem Opferfonds zu prüfen.

Auf der Pressekonferenz, auf der Geipel ihren Rücktritt angekündigt hatte, hatte Franke gemeinsam mit seinen Mitstreitern eine 50-seitige Stellungnahme mit den Vorwürfen verteilt. Lehner hatte damals gesagt, die Kritiker seien "herzlich eingeladen, mit Argumenten positiv mitzuwirken", es gehe ihm "nicht darum, nachzutreten".

Nach dem neuerlichen Eklat am Donnerstag hörte sich das anders an: "Werner Franke ist kein Mitglied, schon gar kein Gründungsmitglied. Er hat nicht das Recht, an dieser Runde teilzunehmen", sagte Lehner: "Es ist schade, dass er nicht mehr erkennt, wie sehr er der Sache des Vereins schadet." Und: "Wenn zwei Alphatiere aufeinandertreffen, dann knallt es auch mal."

"Der Streit ist sehr wohl in meinem Sinne", sagte Franke, der die Annahme des DOH anzweifelt, dass Schädigungen von DDR-Dopingopfern auch an deren Kinder vererbt werden können. Er sei "als Naturwissenschaftler der Wahrheit verpflichtet". "Ich kann doch nicht behaupten, irgendwelche Leute im Mecklenburger Land hätten in der dritten Generation Schäden", sagte Franke: "Da wird gequatscht von Leuten, die keine Ahnung haben."

bka/sid/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
spon_7302413 15.08.2019
1. Suspekt
Jemand, der einen 79-jährigen Kritiker,der etwas zu sagen hat, handgreiflich aus einer Veranstaltung drängt, hat oder fürchtet vermutlich einen Mangel, oder befürchtet Fragen, die besser nicht näher beleuchtet werden sollen. Wo öffentliche Gelder fließen, muss es transparent zugehen und man genau hinsehen können. Wer das verhindern möchte, hat erfahrungsgemäß etwas zu verbergen oder sorgt sich um seine Position. Das kennt man ja - üblicherweise aber von Systemen, die es mit der Transparenz und dem Recht nicht so genau nehmen. Liegt so ein Verdacht vor, stimmt auch in den meisten Fällen etwas nicht - und soll im Dunkeln bleiben.
felix_hauck 15.08.2019
2. #BelieveSurvivors
Opfer von Straftaten sollten nicht diejenigen sein, die diese auch nachweisen müssen. Das macht es unglaublich schwer mit so was an die Öffentlichkeit zu gehen.
kuac 15.08.2019
3.
Zitat von spon_7302413Jemand, der einen 79-jährigen Kritiker,der etwas zu sagen hat, handgreiflich aus einer Veranstaltung drängt, hat oder fürchtet vermutlich einen Mangel, oder befürchtet Fragen, die besser nicht näher beleuchtet werden sollen. Wo öffentliche Gelder fließen, muss es transparent zugehen und man genau hinsehen können. Wer das verhindern möchte, hat erfahrungsgemäß etwas zu verbergen oder sorgt sich um seine Position. Das kennt man ja - üblicherweise aber von Systemen, die es mit der Transparenz und dem Recht nicht so genau nehmen. Liegt so ein Verdacht vor, stimmt auch in den meisten Fällen etwas nicht - und soll im Dunkeln bleiben.
Genauso sieht es aus. Wer ist aber Prof. Werner Franke? Hier kann man nachlesen: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Werner_Franke_(Biologe)
traumglauben 15.08.2019
4.
Handgreiflichkeiten gegen einen 79-jährigen sind wirklich unterstes Niveau. Transparenz ist unerlässlich, Aber da hat wohl jemand was zu verbergen
TS_Alien 15.08.2019
5.
Wenn man sich den Vorstand der DOH anschaut, dann fällt einem sofort etwas auf: Kein einziger hat einen medizinischen oder einschlägig naturwissenschaftlichen Hintergrund. Und das beim Thema Doping! Irgendwie ist das absurd. Herr Franke ist im Beirat des DOH und damit sicherlich kein Außenstehender. Außerdem ist er einer der ganz wenigen Doping-Experten in Deutschland. Ihm eine Teilnahme an einer DOH-Veranstaltung zu verwehren, ist ein Skandal. Laut der DOH-Satzung arbeiten die Vorstände grundsätzlich ehrenamtlich. Es kann ihnen aber eine jährliche pauschale Vergütung zugestanden werden. Manchmal geht es bei solchen Vereinen auch einfach nur um Geld, Einfluss (selbst wenn er lokal begrenzt sein sollte) und das Ausleben von kleiner Macht. Die Satzung selbst ist an einigen Stellen dubios. Beispiel: Der Verein soll (!) noch eingetragen werden. Man greift keinen 79-Jährigen an, der nichts getan hat. Das ist schäbig.
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