West-Doping Schwere Vorwürfe gegen Freiburger Sportmedizin

"Alle haben es gewusst": Gegen die Freiburger Sportmedizin der siebziger Jahre sind neue Doping-Vorwürfe laut geworden. In Dokumenten wird ein Anabolika-Plan für die westdeutschen Radfahrer angedeutet. Der frühere Olympiasieger Gregor Braun weist die Vorwürfe zurück.
Anti-Doping-Experte Franke: "Alle haben es gewusst"

Anti-Doping-Experte Franke: "Alle haben es gewusst"

Foto: Steffen Trumpf/ dpa

Hamburg - Ein "Grundplan", regelmäßige Anabolika-Gaben - und das alles unmittelbar vor Olympischen Spielen: Neue Details erhärten die Vorwürfe gegen Sportmediziner in Westdeutschland vor der Wende. Dabei geht es um Dokumente über einen Versorgungsplan für den Bund Deutscher Radfahrer vor den Sommerspielen 1976 in Montreal, die die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") am Freitag veröffentlichte und die den umstrittenen Sportmediziner Armin Klümper schwer belasten.

Systematisches Doping in Westdeutschland vor Olympia 1976 und auch darüber hinaus ist laut dem Heidelberger Molekularbiologen Werner Franke absolut unstrittig. "Armin Klümper hat damals seine Doping-Praktiken sogar öffentlich im Fernsehen dargelegt - alle haben es gewusst", sagte der bekannte Anti-Doping-Experte.

Der olympische Radsport-Star von 1976, Gregor Braun, bestritt allerdings am Freitag, in das systematische Doping vor Montreal eingebunden gewesen zu sein. Der Doppel-Olympiasieger sagte: "Ich war kein Klümper-Patient, ich hatte nur später verletzungsbedingt einmal mit ihm zu tun. Und ich war nur 1973 einmal zur Leistungsdiagnostik in Freiburg." Vom BDR war am Freitag zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der mittlerweile 78-jährige Klümper lebt seit Jahren in Südafrika und verweigert Stellungnahmen zu dem Thema.

Gab es einen "Grundplan" für die Verabreichung von Anabolika?

Laut Braun hatte sich damals Bundestrainer Gustav Kilian dafür eingesetzt, dass nicht Klümper, sondern die medizinischen Betreuer der Bahnradfahrer die Behandlung vor Montreal übernahmen. "Auch unsere Leistungsdiagnostik wurde damals in Frankfurt/Main oder Köln vorgenommen. Der A-Kader der Bahnradfahrer war auf keinen Fall bei Professor Klümper in Behandlung."

Laut "FAZ" behaupten ehemalige Athleten und ein früherer Arzt aus dem Radsport, entweder Klümpers Plan oder die schon damals verbotenen Anabolika vom Professor erhalten zu haben. Laut seines "Grundplanes" empfahl der Mediziner den Athleten von Februar 1976 an bis zu den Sommerspielen im Juli, wann sie die Anabolika Deca-Durabolin und Megagrisevit einnehmen sollten.

Im "Rennprogramm", das "mindestens 3x vorher in anderen Rennen erprobt werden" müsse, legte er den Radrennfahrern nahe, "mindestens 4, besser 6 Tage vorher 1 Amp. Megagrisevit i.m. (intramuskulär)" zu verwenden. Die Dosierung war allerdings, verglichen mit den Einnahmegewohnheiten dopender Bodybuilder, gering.

aha/sid
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