Kältechaos beim Super Bowl Football on Ice

Der Super Bowl ist die wohl größte Sportshow des Planeten. Am Sonntag gastiert das Football-Finale erstmals im Großraum New York. Die Fans dürfen sich auf Eiseskälte, Terroralarm und Verkehrschaos freuen. Dafür sind die Tickets billiger zu haben: ab 1643 Dollar!

Von , New York


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New York erzittert gerade unter einer Kältewelle nach der anderen, polare Luftwirbel überziehen die US-Ostküste seit Wochen mit Rekordfrost und Schneemassen. In Manhattan stürzten die Temperaturen zeitweise auf minus 16 Grad - es ist so kalt wie seit 1896 nicht mehr. Wer will da schon unter freiem Himmel Football spielen?

Die Broncos und die Seahawks.

Am Sonntag treffen die Teams aus Denver und Seattle im New Yorker Vorort East Rutherford beim Super Bowl aufeinander, dem größten US-Sportereignis des Jahres (0.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: Sat.1). Und erstmals seit dessen Premiere 1967 spielen sie dabei bei arktischem Klima im offenen Stadion.

Schon reden sie vom Storm Bowl, vom Ice Bowl, vom Freezer Bowl. Der legendäre Farmers' Almanac, der das US-Wetter seit 1818 meist korrekt vorhersagt, prophezeit einen "chaotisch-stürmischen Super-Bowl-Sonntag", mit "Schnee und starkem Wind". Der ebenfalls verlässliche Weather Channel erwartet trockenes Wetter - aber minus fünf Grad.

Die Heizkissen und Handöfchen, die den Zuschauern im Stadion angedient werden, dürften die meteorologischen Realitäten kaum mildern. "Im Hinterkopf wären doch alle lieber in Südflorida", nörgelte der Milliardär Stephen Ross, der Besitzer der Miami Dolphins, deren subtropische Heimat den Super Bowl schon zehnmal austrug, sich diesmal aber vergeblich beworben hatte.

Dabei ist das Wetter die geringste Sorge. Zum ersten Mal findet das Spiel in der am dichtesten bevölkerten und verkehrsreichsten Region Amerikas statt - eine Region, die überdies seit 9/11 als Terrorziel Nummer eins gilt. Das macht den Super Bowl XLVIII zum ganz besonderen Kraftakt - für die Spieler, die Veranstalter, die Polizei, die Gastgeber und vor allem die Fans.

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Super Bowl: Touchdown im Tiefschnee
Allein die Logistik. Die Super-Bowl-Schauplätze liegen diesmal weit verstreut im Umkreis von 30 Kilometern. Das Spiel selbst wird im MetLife-Stadion in den Meadowlands ausgetragen, einem Sumpfgebiet in New Jersey, jenseits des Hudson River. Die Teams wohnen am Flussufer in Jersey City. Der "Media Day", die Vorab-Medienshow, steigt in Newark. Das Medienzentrum ist am Times Square. Dutzende Neben-Events laufen auf der Upper West Side, in Brooklyn und anderswo.

Fast eine halbe Million Menschen wird erwartet. Das freut die kommunale Wirtschaft, die sich davon fast 600 Millionen Dollar Zusatzgewinn erhofft. Für die Sicherheitsbehörden jedoch ist das ein Alptraum. Mehr als 4000 Polizisten, FBI-Beamte, Anti-Terror-Teams und private Kräfte sind unterwegs, um das Gewühl im Auge zu behalten, zu Fuß, in Patrouillenbooten, in Hubschraubern. Die NFL selbst gibt auf eigene Kappe elf Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen aus.

Die ohnehin überlastete Infrastruktur wird dem Ansturm kaum gewachsen sein. Taxis und Fußgänger dürfen sich dem Stadion erst gar nicht nähern. Selbst fahren ist, anders als bei früheren Super Bowls in Autometropolen wie Los Angeles, ebenfalls kaum drin: Das Stadion fasst 82.000 Menschen, bietet aber am Sonntag nur 12.000 Parkplätze. Parkerlaubniskarten gibt's sowieso nur noch auf Ebay - ab 275 Dollar.

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Die Ausrichter empfehlen Vorortzüge und Sonderbusse ("Fan Express", Ebay-Preis: 356 Dollar). Doch die holprigen Straßen hier sind auch so schon dauernd verstaut. Selbst Stars und Prominente werden sich von den Privatflughäfen aus in ihren Luxuslimousinen durchs Verkehrschaos quälen müssen.

Da bleibt man doch lieber gleich in Manhattan, wo die meisten VIP-Partys steigen. Der Broadway, die zentrale Verkehrsader, ist auf einer Länge von 13 Blocks gesperrt und zur frierenden Fanmeile mutiert: Studios, Buden, Konzertbühnen, "Pop-up"-Gourmetrestaurants. Auch der deutsche Entertainer Stefan Raab sendet seine Show "TV Total" diese Woche von dort aus. Kernstück des riesigen Straßenfests ist eine Schlittenbahn mit Plastikschnee, 20 Meter hoch und 60 Meter lang.

Der Bierbrauer Budweiser, einer der Hauptsponsoren, hat unterdessen ein komplettes Kreuzfahrtschiff gechartert, für mehr als 4000 Passagiere. Das Ungetüm mit 18 Decks und 22 Bars ankert am halb zugefrorenen Hudson, als fünftägige Hochburg für Fans, Feten und HipHop-Shows.

Die Kältewelle beeinträchtigt sogar den üblichen Preiswucher. Broker klagen, dass die Tickets für den Super Bowl auf dem Zweitmarkt diesmal weit billiger seien als sonst. Am Mittwoch gab es auf der offiziellen NFL Ticket Exchange noch 3306 Karten, von 1643 bis, immerhin, 25.572 Dollar.



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
a_beidel 31.01.2014
1. optional
football ist für mich eine der langweiligsten sportarten - sich dann so einem stress auszusetzen und so viel geld zu verblasen ist absolut schwachsinnig.
spon-49j-k5ri 31.01.2014
2. A_beidel
Vielen herzlichen Dank für ihre Meinung! Sprziell dass sue sich die Mühe gemacht haben diese mit uns zu teilen. Darüberhinaus beruhigt es mich das Montag Leute wie Sie die Wirtschaft am laufen halten. Ich für meinen Teil muss mir Montag wohl die Kaffeemaschine direkt auf den Schreibtisch stellen... Ich freu mich drauf!!
monolithos 31.01.2014
3. Andere Länder, andere Sitten!
Ich habe nie verstanden, warum das Event "Super Bowl" heißt. Es geht doch gar nicht um Bowling. Sondern um Football, was aber wiederum nichts mit der wörtlichen Übersetzung "Fußball" zu tun hat. Die Namensgebungen sind also sehr unersichtlich, genauso wie das Megainteresse der Amerikaner an so einem gähnend langweiligen Sport. Aber naja, jedem das Seine, wir müssen uns ja nicht damit beschäftigen. Wer schlau ist, bleibt dem Event fern, bevor das Stadion in die Luft geht. Und wer hingeht, steuert zur gleichen Zeit wenigstens keine Drohne über Pakistan.
dieteroffergeld 31.01.2014
4. Alles subjektiv:Das ist der Kracher!
Und genau der geht mir eigentlich sowas aber auch am Allerwertesten vorbei. Das ist nämlich gaaaanz langweiliger Sport, abgesehen von jeglicher Art von Werbung und weiteren sogenannten Unterhaltungshöhepunkten. Wer singt die Hymn?
ThoR1234 31.01.2014
5.
Zitat von a_beidelfootball ist für mich eine der langweiligsten sportarten - sich dann so einem stress auszusetzen und so viel geld zu verblasen ist absolut schwachsinnig.
Das ist ja schön für Sie, dass American Football für Sie eine der langweiligsten Sportarten ist. Für ca. 800 Millionen Menschen sieht die Sache allerdings ein wenig anders aus. MfG
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