Willy Voet "Kein Tour-Sieger ohne Doping"

Ex-Festina-Betreuer Willy Voet behauptet, er kenne keinen Tour-de-France-Sieger, der ohne Doping gewonnen habe.


Jan Ullrich ist trotz des Wirbels um seine Person guter Dinge
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Jan Ullrich ist trotz des Wirbels um seine Person guter Dinge

Hamburg - Willy Voet, rechtskräftig verurteilter ehemaliger Festina-Betreuer, stellt alle Toursieger der vergangenen Jahre an den Doping-Pranger. "Mir ist kein Toursieger bekannt, der ohne Doping gewonnen hat. Ich bin zwar seit drei Jahren weg, aber zu meiner Zeit waren nicht weniger als 95 Prozent der Fahrer gedopt, und die Vorfälle beim Giro zeigen: Es geht weiter so", sagte der Belgier, der 1998 als Drogenbeschaffer und persönlicher Pfleger Richard Virenques im Mittelpunkt des Doping-Skandals bei der Tour de France stand und danach zwei "Enthüllungsbücher" schrieb.

"Brauchen Beweise"


Die massiven Anschuldigungen, pauschal auch an das Team Telekom gerichtet, wies Aloys Berg, Chef der Uni-Klinik Freiburg und oberster medizinischer Betreuer der Fahrer um Jan Ullrich, zurück: "Systematisches Doping gibt es bei Telekom nicht." Auch Wilhelm Schänzer, Leiter des Anti-Doping-Labors in Köln, wandte sich am Samstag in einer Diskussionsrunde im "Aktuellen Sportstudio" gegen Vorverurteilungen und unbewiesene Schuldzuweisungen: "Wir müssen mit Beweisen arbeiten, nicht mit Vermutungen."

Schänzer geht davon aus, dass sich die Zahl der angeblich 64 Ermittlungsverfahren gegen Fahrer, bei denen die Polizei im Zuge der Doping-Razzia beim Giro d'Italia fündig wurde, erheblich verringern wird. "Wenn bei Fahrern Medikamente gefunden wurden, heißt das nicht, dass sie gedopt haben", sagte Schänzer und spielte dabei auch auf Ullrich an, dessen Asthma-Erkrankung von einem Lungenfacharzt - so Berg - attestiert ist. Deshalb verstoße die Einnahme von Kortison in diesem Fall nicht gegen Doping-Bestimmungen.


"Imageschaden für Team Telekom"


Die neue Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Sylvia Schenk, kündigte erhöhte Kontrollen im Training an, "um den Abschreckungseffekt" zu steigern. Ihr Rezept gegen Doping: "Kontrollieren - harte Strafen - Prävention im Jugendbereich."

Teamsprecher und Ex-Profi Olaf Ludwig äußerte sich empört über die Anschuldigungen gegen Ullrich und das Team Telekom. "Bis heute haben wir aus Italien keinen Brief, kein Fax - gar nichts. Trotzdem wird seit einer Woche auf dem Thema herumgeritten, von "Schwarzen Listen" und "Ermittlungen" gesprochen und geschrieben. Auch wenn sich aufklären wird, dass Dopingvorwürfe gegen uns nicht haltbar sind, wird etwas hängen bleiben. Es gibt einen Imageschaden für das Team und für Ullrich", sagte Ludwig.

Jan Ullrich ganz locker


"Hallo Freunde - ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Die Experten in Italien ermitteln jetzt, ob die Medikamente mit meinem Gesundheitspass übereinstimmen. Wenn das geschehen ist, ist der Sturm im Wasserglas vorbei", schreibt Ullrich auf seiner Homepage. Die "Bild am Sonntag" präsentierte unter der Überschrift "Doping - Ein Profi packt aus" einen anonymen Bekenner. Der ungenannte deutsche Ex-Profi habe "jahrelang, jeden Tag" gedopt, sei die "Tour, die Vuelta und den Giro für verschiedene Teams" gefahren. Er schreibt: "Wer im Geschäft ist, muss lügen, weil es um Millionen geht."



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