Wimbledon Zverev scheitert in Runde eins - und schießt gegen Ex-Manager

Die Grand-Slam-Misere des besten deutschen Tennisprofis geht weiter: Alexander Zverev hat sein Auftaktmatch in Wimbledon gegen einen Qualifikanten verloren. Der Streit mit seinem Ex-Manager mache ihm zu schaffen.

Alexander Zverev war frustriert
Nic Bothma/EPA-EFE/REX

Alexander Zverev war frustriert


Alexander Zverev und die Grand-Slam-Turniere, so richtig passen sie immer noch nicht zusammen: Erneut ist der Fünfte der Weltrangliste früh ausgeschieden. Zverev verlor sein Erstrundenmatch in Wimbledon gegen den tschechischen Qualifikanten Jiri Vesely 6:4, 3:6, 2:6, 5:7. Damit musste der 22-Jährige, der bei den French Open noch das Viertelfinale erreicht hatte, einen herben Rückschlag hinnehmen.

"Mein Selbstbewusstsein ist gerade unter Null. Ich habe nicht viel gewonnen in diesem Jahr", sagte Zverev nach der Partie. "Ich hätte dieses Match gewinnen können."

Und dann setzte Zverev zu einer Wutrede gegen seinen ehemaligen Manager, den Chilenen Patricio Apey, an - ohne explizit dessen Namen zu nennen: "Ein Mensch, von dem ich dachte, er sei mein Freund, mit dem ich über Jahre zusammengearbeitet habe, tut alles, um mir zu schaden", sagte Zverev, der sich mit Apey im Rechtsstreit befindet. "Sie können sich nicht vorstellen, was gerade passiert. Was da los ist, ist abartig. Ich bin sehr wütend darüber."

Der Streit wirkt sich offenbar zunehmend auf seine sportliche Leistungen aus. Mehrfach beklagte Zverev bereits, wie sehr ihn die Situation belaste. "Die letzten zwei Tage waren hart für mich, ich will nicht ins Detail gehen, aber das muss ich in Ordnung bringen", sagte er nun in London. Er wolle jetzt erst einmal ein paar Tage frei machen.

Zverev konnte sich zunächst im ersten Satz vor allem auf seinen starken Aufschlag verlassen. Er schlug neun Asse, gewann 95 Prozent seiner Punkte nach dem ersten Aufschlag und ließ keinen einzigen Breakball zu. Selbst nutzte er beim Stand von 5:4 seine erste Chance, um dem ebenfalls gut servierenden Vesely, Nummer 124 der Welt, dessen Aufschlag abzunehmen.

Doch im zweiten Durchgang kippte das Match. Vesely, der in Wimbledon bereits zweimal im Achtelfinale gestanden hatte, schaffte beim Stand von 3:3 sein erstes Break und marschierte anschließend zum Satzausgleich. Auch im dritten Durchgang führte er früh mit 3:0 und ließ sich diesen Vorsprung nicht mehr nehmen. Im vierten Satz ließ Zverev unter den Augen von Trainer Ivan Lendl dann selbst mehrere Breakchancen liegen und musste sich nach 2:31 Stunden geschlagen geben.

Zverev, in Wimbledon an Platz sechs gesetzt, war vor dem Turnier, wie so oft, hoch gehandelt worden. Doch der Deutsche konnte die Erwartungen erneut nicht erfüllen. Schon in der Vergangenheit war Zverev bei Grand-Slam-Turnieren früh ausgeschieden. Bei 20 Grand-Slam-Teilnahmen hat er es lediglich viermal mindestens ins Achtelfinale geschafft. Vor Zverev waren schon sechs weitere deutsche Wimbledon-Teilnehmer um Philipp Kohlschreiber ausgeschieden.

Ähnlich wie Zverev ging es dem 20 Jahre alten Stefanos Tsitsipas: Der Grieche war auf Platz sieben gesetzt, verlor sein Auftaktmatch aber 4:6, 6:3, 4:6, 7:6 (10:8), 3:6 gegen Thomas Fabbiano. Der Italiener ist die Nummer 89 der Welt.

ptz/sid



insgesamt 10 Beiträge
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anduls 01.07.2019
1. So jung ist er jetzt auch nicht mehr,
die Talentphase ist vorbei und ich denke er wird nie in den Grand Slams was reißen. Mit 22 hatte Becker 3x Wimbledon gewonnen, Mcenroe 2 US Open und 1x Wimbledon, Edberg die Australien Open, Sampras die US Open. Ok ist heute anders, Djorkovic brauchte auch länger oder Wrawrinka und Rasen ist wohl immer noch speziell, da haben besondere Spieler auch mal eine Chance. Aber dennoch, so langsam bleibt er das ewige Talent, man vergleiche Thiem damit.
nord105 01.07.2019
2. Fortsetzung einer negativen Entwicklung
die Formkurve des ehemaligen Shootingstars "AZ" zeigt schon seit geraumer Zeit deutlich abwärts. Der stetige Aufstieg in der Weltrangliste ist nach diversen sportlichen Flops in den vergangenen Monaten zum Stillstand kommen. Das heutige Wimbledon-Aus in Runde 1 gegen einen Qualifikanten wird A. Zverev alsbald aus den TOP 10 der ATP herauskatapultieren. Wenn der junge Mann nicht alsbald seine Einstellung zu seinem Sport hinterfragt, läuft er sogar Gefahr, seinem älteren Bruder Mischa (ebenfalls aus in Runde 1!) ins sportliche Niemandsland der ATP-Rangliste zu folgen. Und auch Ivan Lendl als Trainer wird sicher schon längst ins Grübeln gekommen sein, inwieweit er noch in der Lage ist, bei seinem Schützling "AZ" die nötigen Reizpunkte für sportliche Erfolge zu setzen.
richey_edwards 01.07.2019
3. Enttäuschend
Aber Zverev wird zurückkommen. Er wirkt als hätte er zuviel anderes im Kopf. Offenbar hat er ja auch einiges ausserhalb des Platzes zu klären und das kann schon belasten. Und 22 ist schon immer noch jung. Federer war auch fast 22 beim ersten Grand Slam und galt auch schon als ewiges Talent das nie einen Grand Slam gewinnt.
jean-baptiste-perrier 01.07.2019
4. Verzerrte Perspektive!
nord105 hat geschrieben: "läuft er sogar Gefahr, seinem älteren Bruder Mischa (ebenfalls aus in Runde 1!) ins sportliche Niemandsland der ATP-Rangliste zu folgen." - - - - - Zitat Ende - - - - - Sportliches Niemandsland? In dem Sinn natürlich richtig, dass man jenseits der 200 eher Geld reinstecken muss, als dass man was dran verdient. Da haben es Mannschaftssportler wesentlich einfacher. Nehmen Sie mal die 8 Top Fussball Clubs auf diesem Planeten: 8 x 30 Spieler macht insgesamt 240 Spieler an der Spitze. Da könnte man Spieler bei anderen Vereinen - also selbst wiederkehrende Champions League Teilnehmer - auch als Spieler im sportlichen Niemandsland bezeichnen. Von daher sollte man mit diesen pauschalen Abwertungen von Tennisprofis, welche jenseits der 150 stehen, etwas vorsichtiger sein. Wo stünde man selbst in seinem Beruf im weltweiten Vergleich, welcher eben nicht angestellt wird? Der 250-zigste beste Arzt auf der Welt? Ist das dann auch ein Versager?
christof.schroeter 01.07.2019
5.
Zitat von jean-baptiste-perriernord105 hat geschrieben: "läuft er sogar Gefahr, seinem älteren Bruder Mischa (ebenfalls aus in Runde 1!) ins sportliche Niemandsland der ATP-Rangliste zu folgen." - - - - - Zitat Ende - - - - - Sportliches Niemandsland? In dem Sinn natürlich richtig, dass man jenseits der 200 eher Geld reinstecken muss, als dass man was dran verdient. Da haben es Mannschaftssportler wesentlich einfacher. Nehmen Sie mal die 8 Top Fussball Clubs auf diesem Planeten: 8 x 30 Spieler macht insgesamt 240 Spieler an der Spitze. Da könnte man Spieler bei anderen Vereinen - also selbst wiederkehrende Champions League Teilnehmer - auch als Spieler im sportlichen Niemandsland bezeichnen. Von daher sollte man mit diesen pauschalen Abwertungen von Tennisprofis, welche jenseits der 150 stehen, etwas vorsichtiger sein. Wo stünde man selbst in seinem Beruf im weltweiten Vergleich, welcher eben nicht angestellt wird? Der 250-zigste beste Arzt auf der Welt? Ist das dann auch ein Versager?
Interessanter Vergleich. In Deutschland gibt es laut der am schnellsten auffindbaren Statistik kanpp 400.000 Ärzte. Eigentlich immer noch zu wenig in vielen Bereichen und Regionen. Jeder Arzt wird benötigt, jeder weitere ist ein Segen. Was fehlt uns, wenn es in Deutschland keinen einzigen Tennisprofi mehr gibt?
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