Cori Gauffs Sensationsieg in Wimbledon Die 15-Jährige, die die Tenniswelt verblüfft

Sie wolle Wimbledon gewinnen und sei von ihrem Erfolg nicht überrascht: Cori Gauff gibt sich nach ihrem Sensationssieg gegen Venus Williams sehr selbstbewusst. Dabei sollte die 15-Jährige gewarnt sein.

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Tennis, so sagt man, entscheidet sich im Kopf. In wichtigen Momenten kommt es darauf an, sein volles Potenzial abzurufen. Gute Spielerinnen schaffen das auch schon in jungen Jahren. Ganz große hingegen bereits als Teenager. Eine davon scheint die erst 15-Jährige Cori Gauff zu sein.

Wenige Momente vor ihrem bislang größten Erfolg in der ersten Runde von Wimbledon erspielte sich ihre Gegnerin - keine Geringere als Venus Williams - noch einmal eine Breakchance. Der erste Aufschlag der jungen US-Amerikanerin kam nicht. Also musste der zweite herhalten. Gauff servierte unter Druck mit 173 km/h und wehrte Williams' Möglichkeit, noch einmal ins Match zurückzukehren, ab. Wenig später verwandelte Gauff ihren Matchball und schrieb Tennis-Geschichte. 6:4, 6:4 hieß es am Ende gegen die 24 Jahre ältere Legende.

Gauff war überwältigt von dem Moment. Nach dem Spiel sagte sie der BBC, dass sie niemals zuvor nach einem Sieg geweint habe. "Ich hätte nie gedacht, dass das jemals passieren wird."

"Mein Ziel ist es, Wimbledon zu gewinnen"

Trotz des emotionalen On-Court-Interviews scheint das Selbstvertrauen der 15-Jährigen gigantisch zu sein. Auf der Pressekonferenz sagte sie kurz darauf, dass sie nicht überrascht gewesen sei, gegen Venus gewonnen zu haben. "Mein Vater hat mir schon im Alter von acht Jahren gesagt, dass ich das schaffen kann", so Gauff. "Mein Ziel ist es, Wimbledon zu gewinnen." Und dann folgte ein Satz, an dem sie in Zukunft gemessen werden dürfte: "Ich möchte die Größte sein."

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Cori Gauff vs. Venus Williams: Sieg im Generationenduell

Ja, der Sieg war eine Sensation. Venus Williams ist auch im Alter von 39 Jahren noch konkurrenzfähig, insbesondere auf ihrem geliebten Rasen. Gauff stand in der Weltrangliste im Januar noch auf Rang 875, erst im März feierte sie ihren 15. Geburtstag. Als sie geboren wurde, hatte Williams bereits zwei ihrer fünf Wimbledon-Titel gewonnen. Und dennoch dürften viele Experten mit einem schnellen Aufstieg der Teenagerin gerechnet haben.

Gauffs Karriere ist minutiös geplant. Ähnlich wie bei den Williams-Schwestern ist der Vater für die sportliche Entwicklung verantwortlich. Die US-Amerikanerin, die in Florida von ihrer Mutter, einer ehemaligen Lehrerin, unterrichtet wird, steht längst bei "Team8" unter Vertrag. Einer von Roger Federers Manager Tony Godsick gegründeten Firma. Im vergangenen Jahr gewann sie das Juniorenturnier der French Open.

Auch Tracy Austin scheint kaum überrascht gewesen zu sein. "Sie wurde dazu erzogen, Großes zu leisten - und das ist erst der Anfang", sagte die US-Amerikanerin, die 1977 sogar im Alter von 14 in Wimbledon debütierte. Tennislegende John McEnroe sagte gar, dass er absolut schockiert wäre, wenn Gauff nicht spätestens mit 20 Jahren die Nummer eins der Welt sein würde.

Austin, Capriati, Hingis - warnende Beispiel für Gauff

Trotz der lobenden Worte ihrer Idole dürfte Gauff gewarnt sein. Teenager-Siege im Frauentennis sind keine Garantie für langfristigen Erfolg. Austin selbst triumphierte zweimal bei den US Open und führte zwischenzeitlich die Weltrangliste an. Ihren letzten Grand-Slam-Sieg feierte sie jedoch schon mit 19 - ein Jahr später beendete sie ihre Karriere. Ein Comebackversuch scheiterte.

Jennifer Capriati war 13 Jahre alt, als sie erstmals an einem WTA-Turnier teilnahm. Mit 15 stand sie im Halbfinale von Wimbledon. Anschließend folgte ein stetiges Auf und Ab. Drogenskandale, große Erfolge und ein frühes Karriereende wegen anhaltender Rückenprobleme. Ähnlich viel Verletzungspech hatte Martina Hingis. Die Schweizerin, die bereits mit 16 in Wimbledon triumphierte, beendete ihre Karriere nach mehreren Operationen erstmals mit 22.

Von solchen Problemen soll Gauff, die nur "Coco" gerufen wird, in Zukunft verschont bleiben. Vielleicht ist es gut, dass sie beim Turnier in London von anderen Dingen abgelenkt wird. Kurz vor ihrem Triumph musste die Schülerin noch einen Physiktest bestehen. "Ich hatte eine 2, für das Spiel gegen Venus gebe ich mir eine 1", sagte Gauff.



insgesamt 4 Beiträge
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mueller23 02.07.2019
1. Ehrgeizige Eltern
hat es im Tennissport schon oft gegeben. Peter Graf sagte, er habe nie Druck ausüben müssen, Steffi wollte nix anderes als auf dem Platz stehen. Der Vater von Thomas Haas wollte seinen Sohn auch fördern, hat eine Art von Crowdfounding betrieben, um das Training in Florida bei Bollitieri bezahlen zu können. Den Geldgebern wurden Anteile von Thommis Siegprämien versprochen. Kleiner Thommi, großer Druck. Ich hoffe, die 15-jährige, die so erfrischend aufspielt, hat Spass an dem Sport und leidet nicht unter zu hohem Erwartungsdruck.
kaiservondeutschland 02.07.2019
2. Martina Higgins
Sollte man bei M.H. nicht auch die Messerattacke eines Steffi Graf-Fans erwähnen? Der Vorfall hat wesentlich zum Karriereende beigetragen.
conillet 02.07.2019
3. "Austin, Capriati, Hingis - warnende Beispiel(e)"?
Alle drei haben mehrere Grand Slam-Turniere gewonnen, das ist ja wohl nicht so schlecht und muss Cori erst mal schaffen. Ansonsten empfehle ich, sich die Post-Match-Pressekonferenz von Cori anzuschauen. Wie die junge Dame sich ausdrücken kann, und wie natürlich und sympathisch sie dabei rüberkommt, ist fast genauso spektakulär wie das, was sie heute auf dem Platz gezeigt hat.
mariomeyer 02.07.2019
4. @kaiservondeutschland
Monica Seles war das. Nicht Martina Hingis. Ich war mir zunächst auch nicht mehr sicher. Wiki hilft.
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