Wimbledon Das späte Glück des Goran Ivanisevic

Nur dank einer Wild Card durfte er in Wimbledon antreten. Am Ende holte sich Goran Ivanisevic gegen Patrick Rafter sensationell seinen ersten Grand-Slam-Titel.


Goran Ivanisevic: "Dafür muss ich mich erst mal bedanken"
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Goran Ivanisevic: "Dafür muss ich mich erst mal bedanken"

London - Goran Ivanisevic, 29, hat endlich den lang ersehnten Wimbledon-Triumph feiern dürfen. Der Kroate gewann am Montag nach einem dramatischen Fünf-Satz-Match mit 6:3, 3:6, 6:3, 2:6 und 9:7 gegen den Australier Patrick Rafter seinen ersten Grand-Slam-Titel. Sensationell an diesem Sieg war zudem, dass Ivanisevic der erste Sieger der Wimbledon-Geschichte ist, der nur dank einer Wild Card der Organisatoren ins Spielerfeld gerückt war.

"Dafür muss ich mich erst mal bedanken", sagte Ivanisevic bei der Siegerehrung. Zuvor war er zu seinem Vater sowie seinem Förderer Niki Pilic auf die Tribüne gestürmt und hatte mit Tränen in den Augen die Arme triumphierend in die Luft gestreckt. "Ich war am Ende so müde, mein Arm wurde 50 Pfund schwerer", sagte Ivanisevic, neben dem ein trauriger Verlierer stand. "Es hätte so oder so ausgehen können. Das war eines dieser Spiele, die von Winzigkeiten entschieden werden", sagte Rafter, dessen Kampfgeist wieder einmal begeisternd war. "Viele Leute hatten Goran schon längst abgeschrieben. Ich war auch einer davon. Er hat verdient gewonnen."

"Es scheint Gottes Wille zu sein"


"Es ist Schicksal, dass ich in diesem Jahr hier gewinne", hatte Ivanisevic nach seinem Halbfinal-Erfolg über den Briten Tim Henman gesagt: "Es scheint Gottes Wille zu sein." In seinem 48. Grand-Slam-Turnier hat der Kroate es endlich geschafft, kein Champion benötigte einen längeren Anlauf. Zudem ist er der erste ungesetzte Spieler seit Boris Becker, der an der Church Road triumphierte.

Nachdem Ivanisevic nach 3:02 Stunden Spielzeit seinen vierten Matchball nutzte, jubelten auch die zahlreichen Australier für den "Verrückten" aus Split. Obwohl die Enttäuschung für Patrick Rafter natürlich groß war. Der 28-Jährige aus Queensland verlor zum zweiten Mal in Folge ein Wimbledon-Finale, im Vorjahr war er Pete Sampras unterlegen. Möglicherweise war es sein letzter Auftritt beim wichtigsten Tennisturnier der Welt. Die Schulter macht immer noch Probleme, den Gedanken über eine unbestimmt lange Pause zum Saisonende trägt er noch immer in sich.

Weltklasse-Match mit einem Ausraster


Patrick Rafter: Entscheidende Winzigkeiten
EPA/DPA

Patrick Rafter: Entscheidende Winzigkeiten

Es war jetzt ein Weltklasse-Match. Als Ivanisevic sich bei 2:1 im dritten Satz an der lädierten Schulter behandeln lassen musste, fürchteten einige Zuschauer schon, dass er nicht durchhalten würde. Doch genau das Gegenteil trat ein, der Linkshänder servierte und returnierte wieder sicherer, breakte Rafter zum 4:2 und gewann den Satz, obwohl der Australier zunächst zwei Satzbälle abwehren konnte.

Satz vier ging wieder an Rafter, der auch im Halbfinale gegen Andre Agassi (USA) nie aufgegeben hatte. Beim Break zum 4:2 flippte Ivanisevic nach einer knappen Entscheidung bei seinem Aufschlag kurz aus, trat nach dem Schläger und beschwerte sich lautstark beim Schiedsrichter. Doch Ivanisevic behielt trotz der Aufregung die Nerven und sicherte sich im fünften Satz das Happy-End.



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