Wimbledon-Halbfinale Haas machtlos gegen Federer

Lange gekämpft, am Ende vergeblich: Thomas Haas hat die Sensation verpasst und im Wimbledon-Halbfinale gegen Roger Federer verloren. Während Haas von den Zuschauern für ein großes Turnier gefeiert wurde, steht der Schweizer vor einer historischen Bestmarke.


Hamburg - Der Weltranglisten-Zweite Roger Federer steht zum siebten Mal in Folge im Finale von Wimbledon. Der Schweizer gewann gegen Thomas Haas 7:6, 7:5, 6:3 und kann im Finale am Sonntag seinen 15. Grand-Slam-Titel holen und vor dem US-Amerikaner Pete Sampras zum alleinige Rekordhalter werden.

Haas verpasste damit auch im vierten Anlauf, das Endspiel eines Grand-Slam-Turniers zu erreichen. Zuvor war er dreimal (1999, 2002, 2007) bei den Australian Open im Halbfinale gescheitert. Haas rückt durch seinen Erfolg an der Church Road in der neuen Weltrangliste ab Montag von Rang 34 auf einen Platz unter den Top 20 vor und ist damit wieder bester deutscher Spieler.

Federer erreichte zum 20. Mal in seiner Karriere ein Endspiel bei einem Major-Turnier und stellte damit bereits einen Rekord auf - ebenso wie mit dem siebten Endspiel hintereinander in Wimbledon. Sein Gegner wird im zweiten Halbfinale zwischen Andy Murray (Großbritannien) und Andy Roddick (USA) ermittelt.

Haas hatte sich zwei Stunden vor dem bislang wohl bedeutendsten Spiel seiner Laufbahn mit dem deutschen Junior Alexandros Ferdinandos Georgoudas eingeschlagen. Als Haas und Federer um Punkt 13 Uhr Ortszeit den Centre Court betraten, waren die Ränge der jetzt 15.000 Zuschauer fassenden Arena bereits fast vollständig besetzt. Zwar warteten die britischen Zuschauer vor allem auf das zweite Halbfinale zwischen Murray und Roddick, die Spannung war aber auch vor dem Vergleich des großen Schweizers mit dem Veteranen aus Deutschland zu greifen.

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Haas enttäuschte die Zuschauer nicht. Erst zum dritten Mal in seiner langen Karriere durfte er auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt spielen, während Federer dort bereits allein sechs Endspiele bestritten hat. Von Nervosität war bei Haas aber nichts zu spüren. Das Selbstvertrauen aus den fünf vorherigen Siegen und dem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Halle in Westfalen war tatsächlich groß.

Im ersten Satz erlaubte Haas seinem Gegner nicht einen Breakball, das ist gegen Federer eine starke Leistung. Haas servierte sehr solide und sicher, so wie er es bereits während des ganzen Turniers getan hatte. Auch Federer ließ bei seinen eigenen Aufschlagspielen nichts zu.

Also musste der Tiebreak die Entscheidung bringen, und da zeigte sich die Klasse des 14-maligen Grand-Slam-Champions, der in kritischen Situationen noch konzentrierter ist als seine Kontrahenten. Zwei unerzwungene Vorhandfehler entschieden den ersten Satz. Eine Vorhand spielte Haas zum 2:3 über die Grundlinie, eine weitere schoss er zum 3:6 links ins Aus.

Auch der zweite Durchgang verlief nach dem gleichen Muster. Beide Spieler hielten ihre Aufschläge, servierten gut. Sie erlaubten sich auch bei ihren Grundschlägen fast keine Fehler. Spektakuläre Ballwechsel gab es nur selten, trotzdem war das Tennis auf höchstem Niveau. Am Ende hatte der wohl beste Spieler der Tennisgeschichte die Nase vorn. Wieder war es eine Vorhand von Haas, die beim dritten Satzball des Schweizers zum 5:7 einen Tick zu lang geschlagen war.

Wie stark die Moral und der Siegeswille von Haas waren, zeigte sich auch im dritten Satz. Er gab trotz des Rückstands nicht nach und hielt den Durchgang erneut offen. Erst beim Stand von 4:3 konnte Federer das vorentscheidende Break erspielen und schließlich nach 2:02 Stunden ins Finale einziehen.

goe/sid



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