Wimbledon Ivanisevic bezwingt Henman

Das gab es noch nie. Mit dem Kroaten Goran Ivanisevic erreicht in Wimbledon ein Spieler das Finale eines Grand-Slam-Turniers, der mit einer Wildcard ins Turnier gekommen war.


Goran Ivanisevic: Das Tennis- Comeback des Jahres
AFP

Goran Ivanisevic: Das Tennis-
Comeback des Jahres

London - Ivanisevic schlug den Briten Tim Henman am Sonntag mit 7:5, 6:7 (6:8), 0:6, 7:6 (7:5), 6:3. Der 29-Jährige trifft im Endspiel am Montag ab 13 Uhr MESZ auf den Vorjahresfinalisten Patrick Rafter aus Australien, der sich bereits am Freitag in fünf Sätzen gegen den US-Amerikaner Andre Agassi durchgesetzt hatte.

"Morgen wird der größte Tag in meinem Leben", bekannte der Sieger, der zum vierten Mal das Endspiel beim bedeutendsten Tennisturnier der Welt erreichte, "es war alles Schicksal: Gott hat mir erst eine Wildcard gegeben und dann den Regen geschickt. Als ich zum Match serviert habe, war mein Arm 100 Kilo schwer."

Das zweite Halbfinale im Herreneinzel hatte am Freitagnachmittag begonnen, musste jedoch wegen Regens abgebrochen werden. Auch die Fortsetzung am Samstag wurde von den Niederschlägen dominiert. Nach 51 Minuten hatten Henman und Ivanisevic wieder den Centre Court verlassen müssen. Am Sonntag waren es dann noch einmal 14 Minuten, ehe Ivanisevic, dem 36 Asse gelangen, den Sack zumachte.

Der zweite Matchball saß

Nachdem der Mann aus Split ("Gib' alles was du kannst, habe ich mir gesagt"), dem die Wimbledon-Veranstalter aufgrund seiner sportlichen Verdienste eine Wildcard gegeben hatten, seinen ersten Matchball mit einem Doppelfehler vergeben hatte, war er beim zweiten Versuch konzentrierter und beendete das Match nach einer Netto-Spielzeit von 3:04 Stunden.

"Ich muss ein Genie sein", sagte er anschließend spöttisch in Richtung John McEnroe. Der ehemalige Wimbledonsieger hatte in seiner Rolle als TV-Kommentator dem Kroaten lediglich "einen guten ersten Aufschlag und sonst nichts" bescheinigt. "Es ist schon genial, nur mit einem ersten Aufschlag bis ins Wimbledon-Finale zu kommen", befand Ivanisevic, der seit Monaten unter chronischen Schulterschmerzen leidet und nach seinem Absturz auf Weltranglistenposition 129 bereits an den Rücktritt vom aktiven Sport gedacht hatte.

Seit 1938 kein Brite mehr im Wimbledon-Finale

Henman scheiterte bereits zum dritten Mal in der Vorschlussrunde. Im vergangenen Jahr hatte er gegen den späteren Sieger Pete Sampras verloren. "Es ist frustrierend", erklärte der 26-Jährige, dessen Urgroßoma und Großeltern bereits in Wimbledon gespielt hatten.

Damit muss sich die britische Tennisnation weiter gedulden. Vor 63 Jahren hatte mit Bunny Austin der letzte Tennisprofi aus dem Vereinigten Königreich das Wimbledon-Finale erreicht. Der letzte Triumph an der Church Road resultiert aus dem Jahre 1936, als der legendäre Fred Perry den Titel holte.



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