Tennis Lisicki zieht sensationell ins Wimbledon-Finale ein

Was für ein Tennis-Krimi! Sabine Lisicki steht als erste Deutsche seit Steffi Graf im Finale von Wimbledon. In einem hochklassigen Match besiegte sie die Polin Agnieszka Radwanska und trifft nun auf Marion Bartoli aus Frankreich.

AP

Hamburg - Sabine Lisicki hat die Sensation geschafft: Im Halbfinale von Wimbledon besiegte sie die Polin Agnieszka Radwanska nach 2:08 Stunden 6:4, 2:6, 9:7. Zum ersten Mal seit Steffi Graf 1999 steht damit wieder eine deutsche Tennisspielerin im Endspiel des wichtigsten Tennisturniers der Welt, für Lisicki ist es zugleich das erste Grand-Slam-Finale ihrer Karriere.

Graf hatte Lisicki vor dem Match Glück gewünscht, verriet die Siegerin hinterher: "Die letzten drei Spiele waren so aufregend. Ich habe gekämpft und versucht, nicht den Glauben zu verlieren. Ich bin so glücklich."

Von Beginn an machte Vorjahresfinalistin Radwanska von der Grundlinie aus Druck und zwang Lisicki bei ihrem ersten Aufschlagspiel zu einem Doppelfehler. Die 23-Jährige wirkte zwar etwas nervös, dabei aber sehr aufmerksam. Mit ihrem starkem Vorhand-Crossspiel sicherte sich Lisicki den ersten Punkt. Beide Spielerinnen, die sich bereits aus der Jugend von Turnieren in Polen kennen - Lisicki ist in ihren ersten Lebensjahren dort aufgewachsen -, zeigten starkes Tennis, kraftvoll und laufintensiv.

Es dauerte bis zum siebten Spiel, ehe Lisicki mit einem unkontrollierbaren Netzball das erste Break zum 4:3 gelang. Zuvor hatte die Weltranglistenvierte Radwanska drei Breakbälle abgewehrt. Den nächsten Service brachte Lisicki zu Null durch. Ihre Gegnerin schien kurzzeitig verunsichert, verkürzte aber schon im folgenden Spiel wieder. Lisicki (Nummer 23) ließ sich nicht aus der Ruhe bringen, ihr nächstes Aufschlagspiel verwandelte sie mit starken ersten Bällen zum Satzgewinn. Auf der Tribüne nickte Bundestrainerin Barbara Rittner anerkennend.

Radwanska, die im Viertelfinale gegen Li Na mit Oberschenkelproblemen zu kämpfen hatte und mit bandagierten Beinen auflief, schien von ihrer Verletzung nicht beeinträchtigt. Die 24-Jährige, die nicht für ein schönes, dafür sehr effektives Spiel bekannt ist, wartete zunächst vor allem auf Fehler Lisickis und versuchte, deren etwas schwächere Rückhand für sich zu nutzen. So gewann sie nach und nach die Kontrolle über das Spiel, konnte es variabler gestalten.

Finale gegen Marion Bartoli

Gleich zweimal musste Lisicki zu Beginn des zweiten Satzes ein Break hinnehmen. Beim Stand von 4:2 wechselte sie den Schläger, doch auch das verringerte ihre Fehlerquote nicht. Genervt schloss sie die Augen, als sie einen Longline-Ball ins Aus spielte und Radwanska damit den zweiten Satz schenkte. Vom "Mädchen mit dem Lächeln", wie sie der Weltranglistenerste Novak Djokovic genannt hatte, schien nicht mehr viel übrig.

Den ersten Service im entscheidenden dritten Satz konnte die Polin gegen die immer unsicherere Lisicki ohne große Probleme durchbringen. Auch im weiteren Verlauf des Durchgangs gelang es der Deutschen nicht, Konstanz in ihr Spiel zu bringen, mit der Vorhand streute sie die Bälle, mit der Rückhand unterliefen ihr etliche Fehler. 37 Unforced Errors hatte sie nach dem ersten Drittel des dritten Satzes bereits produziert.

Aber Lisicki hatte das Match noch nicht abgeschrieben. Konzentriert kämpfte sie sich - ähnlich wie schon bei ihrem sensationellen Achtelfinalsieg gegen Serena Williams - zum 3:3. Mit einem Break ging Lisicki 5:4 in Führung, zwei Punkte trennten sie noch vom Sieg. Doch dann kam Radwanska wieder auf 5:5 heran, erhöhte auf 6:5. Ihren folgenden Service nutzte Lisicki zum Ausgleich, Radwanska entschied das nächste Spiel für sich, Lisicki glich abermals aus. Zum 8:7 gelang ihr abermals das Break, bevor sie den entscheidenden Ball zum 9:7 - und damit zum Finale verwandelte.

"Ich war so aufgeregt, ich konnte teilweise kaum den Spielstand nachvollziehen", sagte Lisicki nach der Partie, als sie ihr Lächeln wiedergefunden hatte. "Ich kann es nicht glauben, dass ich im Finale stehe."

Dort trifft sie am Samstag (14 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf die Französin Marion Bartoli. Die Weltranglisten-15. setzte sich gegen die Belgierin Kirsten Flipkens 6:1, 6:2 durch und blieb somit weiter ohne Satzverlust. "Ich habe mich heute so wohl gefühlt und so gut gespielt", sagte Bartoli: "Heute war der Ball für mich so groß wie ein Fußball."

Viermal hat Lisicki bislang gegen Bartoli gespielt, dreimal ging die Deutsche als Siegerin vom Platz. In Wimbledon steht es 1:1 - 2008 gewann Bartoli in Runde eins, 2011 zog Lisicki mit einem Dreisatzsieg ins Halbfinale ein.

insgesamt 94 Beiträge
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Seite 1
SwissMatthias72 04.07.2013
1. Gratulation...
... an Sabine Lisicki für den hervorragenden Finaleinzug.
Peter Gabriel 04.07.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesWas für ein Tennis-Krimi! Sabine Lisicki steht als erste Deutsche seit Steffi Graf im Finale von Wimbledon. In einem hochklassigen Match besiegte sie die Polin Agnieszka Radwanska und trifft nun auf Marion Bartoli aus Frankreich. http://www.spiegel.de/sport/sonst/wimbledon-lisicki-zieht-sensationell-ins-finale-ein-a-909490.html
Bravo Biene, jetzt mach noch den Sack zu und hol dir das Ding.
weserwasser 04.07.2013
3. optional
Glückwunsch , echt schade das kein sender es für nötig hält , für eine live Übertragung zu sorgen
bssh 04.07.2013
4. Großartig
Gratulation, ein phantastisches Match!
harryweißenfels 04.07.2013
5. doris
Zitat von sysopGetty ImagesWas für ein Tennis-Krimi! Sabine Lisicki steht als erste Deutsche seit Steffi Graf im Finale von Wimbledon. In einem hochklassigen Match besiegte sie die Polin Agnieszka Radwanska und trifft nun auf Marion Bartoli aus Frankreich. http://www.spiegel.de/sport/sonst/wimbledon-lisicki-zieht-sensationell-ins-finale-ein-a-909490.html
warum nur kann sie nicht mal einfach gewinnen -- immer dramatik pur, wie einst bei boris
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