Wimbledon-Halbfinale Williams vs. Scharapowa Demütigung in Würde

Marija Scharapowa ist eine großartige Tennisspielerin - aber eine ist noch besser: Im Halbfinale von Wimbledon hat die Russin zum 17. Mal in Folge gegen Serena Williams verloren. Sie erträgt die Niederlagen mit beeindruckender Gelassenheit.

Marija Scharapowa im Halbfinale gegen Serena Williams: Tennisspielen hört sich bei der Russin nicht nur nach Arbeit an, es sieht auch so aus
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Marija Scharapowa im Halbfinale gegen Serena Williams: Tennisspielen hört sich bei der Russin nicht nur nach Arbeit an, es sieht auch so aus

Von Philipp Joubert, London


Das Centre-Court-Publikum in Wimbledon kann nichts so gut wie Sorge empfinden. Dann wird aus dem Murmeln von Tausenden aufgeregten Stimmen ein Grollen, das aus den obersten Reihen bis nach ganz unten auf den Platz rollt.

Eigentlich kommt dieser Moment erst spät in einem Match, er signalisiert höchste Not für einen der Lieblinge. Doch als Marija Scharapowa an diesem Halbfinaldonnerstag nach nicht einmal fünf Minuten ihr erstes Aufschlagspiel gegen Serena Williams mit ihrem dritten Doppelfehler abgab, war sie wieder da, die lautstarke Sorge.

Nicht wenige der Anwesenden dachten wohl an das Finale der Olympischen Spiele 2012, das ebenfalls auf dem Centre-Court stattfand. Damals ging die Russin in gerade einmal 45 Minuten 0:6, 1:6 gegen die Amerikanerin unter.

Doch Scharapowa, die vor elf Jahren als 17-Jährige mit einem Wimbledon-Finalsieg gegen Williams in die Herzen des britischen Publikums gestürmt war, fing sich in den folgenden 74 Minuten. Die Nerven beruhigten sich, sie spielte besser, kämpfte - und war am Ende mit 2:6, 4:6 doch hoffnungslos unterlegen.

Der Rivalität von Williams und Scharapowa haftet schon lange etwas Absurdes an. Die beiden sind die prägenden Gesichter des Damentennis. Sie gehören ohne Frage zu den bekanntesten Sportlerinnen der Welt.

"Serena ist ganz einfach die bessere Tennisspielerin als Marija"

Scharapowa hat sich die Aufmerksamkeit, die dank ausgewählter Sponsoren jedes Jahr noch ein bisschen größer wird, verdient. Nur wenige Spielerinnen haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als die fünf Grand-Slam-Titel der Russin gewonnen. Aber seit dem Wimbledonsieg vor elf Jahren konnte Scharapowa nur noch einmal gegen Williams gewinnen. Über das vergangene Jahrzehnt hat sie nun 17 Mal in Folge gegen die Weltranglistenerste verloren.

"Sie hat keine mentale Blockade gegen Serena", sagte Williams' Trainer-Patrick Mouratogolu vor dem Match der "New York Times" zur oft gehörten Unterstellung, dass Scharapowa ihrer Gegnerin nach all den Niederlagen nervlich nicht mehr gewachsen sei. "Serena ist ganz einfach eine viel bessere Tennisspielerin als Marija. Marija ist eine unglaubliche Kämpferin und hat beeindruckende Nervenstärke. Aber es gibt immer einen Punkt, an dem sie ihre spielerische Grenze erreicht."

Das bringt Scharapowas Problem auf den Punkt.

Scharapowas Spiel sieht nach Arbeit aus

Tennisspielen hört sich bei der Russin nicht nur nach Arbeit an, es sieht auch so aus. Scharapowa schlägt hart und präzise, mit ihrer Rückhand kann sie den Punktabschluss auf beeindruckende Weise finden. Aber doch haftet ihrem Spiel etwas Schwerfälliges, ja Limitiertes an.

Man kann sehen, wie sich die 28-Jährige ihre Fähigkeiten in Tausenden von Stunden mit enormer Disziplin erarbeitet hat. Aber die Weltranglistenzweite ist weder kreativ noch variabel oder flexibel genug, um Williams spielerisch zu knacken.

Scharapowa hat nach mehreren Schulterverletzungen, die sie ihrer einstigen Aufschlagsstärke beraubt haben, enorm viel aus ihrem Spiel rausgeholt. Aber auch an diesem Nachmittag wurde ihr vorgeführt, dass es ihr nicht nur an Länge in den Schlägen fehlt, sondern auch an der Fähigkeit, die Gegnerin mit einer Planänderung zu verunsichern.

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AP/dpa

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Williams wird oft auf ihre Athletik reduziert, auf ihre unnachahmliche Kraft, doch müssen Gegnerinnen die Amerikanerin vor allem taktisch überlisten. Wenn Williams sich erst einmal auf dem Court wohlfühlt, ihren Rhythmus gefunden hat, ist sie kaum zu bezwingen.

Scharapowa erträgt die immer wiederkehrenden Demütigungen gegen Williams mit beeindruckender Würde. Zwar sah sie auch eine Stunde nach Matchende im Pressekonferenzraum noch tief getroffen aus. Aber sie analysierte das Spiel gewohnt nüchtern. "Ich weiß, dass Serena gegen mich und ein paar andere Spielerinnen immer ihr bestes Tennis spielt. Daher muss ich eigentlich mehr als meine beste Leistung bringen, was mir aber heute nicht gelungen ist."

Karriereziel: Alle vier Grand-Slam-Titel auf einmal

Für Williams sind Siege gegen Scharapowa wohl befriedigender als gegen jede andere Gegnerin in ihrer Karriere. Aber die Weltranglistenerste hat sich für den kommenden Samstag viel Größeres vorgenommen. Sie will mit ihrem sechsten Wimbledonsieg zum zweiten Mal in ihrer Karriere alle vier Grand-Slam-Titel zum gleichen Zeitpunkt innehaben. Das ist selbst der großen Steffi Graf nur einmal gelungen, der sich Williams mit ihren mittlerweile 20 Grand-Slam-Titeln bis auf zwei Titel genähert hat.

Fragen nach einem historischen Triumph verbittet sich Williams im Moment. Ihre Finalgegnerin Garbine Muguruza könnte sich auch als die wesentlich härtere Gegnerin als Scharapowa herausstellen. Die Spanierin hat das Return-Spiel, die Schlagkraft und die Selbstsicherheit, um Williams ein Match auf Augenhöhe zu bieten.

Vor 13 Monaten fügte sie der Amerikanerin bei den French Open die wohl klarste Niederlage ihrer Karriere zu. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Garbine von der Situation einschüchtern lassen wird", sagte eine bestens aufgelegte Williams nach dem Match. Sie kündigte an, das Finale in vollen Zügen auskosten zu wollen. "Ich werde einfach auf den Platz gehen, das Match genießen und mich auf meine eigenen Stärken fokussieren."



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
humptata 10.07.2015
1. Richtig gut wäre Scharapowa,
wenn sie nicht bei jedem Schlag Töne von sich geben würde, die ich eigentlich nur - nee, anderer Vergleich, die ich eigentlich nur aus Brutalofilmen kenne, wenn eine Darstellerin ein Messer in den Rücken bekommt. So zappe ich die schöne Maria regelmäßig weg, weil ein Stummfilm in Farbe über Damentennis irgendwie nicht stimmig ist
multi_io 10.07.2015
2.
Ich frage mich ja vor allem, was es wohl über die Qualität des gegenwärtigen Damentennis aussagt, wenn eine 33-jährige es seit gefühlt 15 Jahren fast nach Belieben dominiert. Nichts gutes, würde ich sagen.
...!!!... 10.07.2015
3.
Liebe Redaktion, Steffi Graf ist dies wohl zwei mal gelungen. 1988 und 1993/94
alles_klar27 10.07.2015
4. Sharapova
Ich stimme mit ihrem Fazit über das Halbfinale Williams / Sharapova völlig überein, nur ist Sharapova nicht Weltranglisten Zweite sondern aktuell Vierte.
Bueckstueck 10.07.2015
5. Lärmbelästigung
Diese unerträgliche Unsitte auf dem Platz zu stöhnen wie beim Sex, ist es, die mich bei jeder Niederlage einer solchen Spielerin frohlocken lässt - man muss sie folglich nicht mehr ertragen. Ton aus ist nämlich auch nicht befriedigender (pun), da einen die Kommentatoren nicht wie beim Fussball routinemässig zur Weissglut bringen und tatsächlich genau so wie die Atmosphäre fehlen würden.
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