Wimbledon Monday, bloody Monday

Den Wimbledon-Veranstaltern steht der Angstschweiß auf der Stirn. Weil das Herrenfinale erst am Montag ausgetragen werden kann, droht ein kaum zu bewältigender Ansturm eintrittskartenhungriger Zuschauer.


Wartende Wimbledon-Fans
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Wartende Wimbledon-Fans

London - "Das ist mein schlimmster Albtraum", gestand Wimbledon-Geschäftsführer Chris Gorringe. Erstmals seit 1922 kann das Herren-Finale erst an einem Montag beginnen. Vor 13 Jahren hatten Boris Becker und Stefan Edberg ihr Finale zwar auch an einem Montag ausgetragen, das Spiel war damals jedoch am Sonntag begonnen worden.

Ein leichter englischer Dauerregen hatte am Samstag alle Planungen zunichte gemacht und erlaubte nur eine 51-minütige Fortsetzung des Halbfinales zwischen Tim Henman und Goran Ivanisevic. Das Damenendspiel fiel völlig aus. Henman und Ivanisevic spielten am Sonntag weiter, wobei sich der Kroate in fünf Sätzen durchsetzte. Zuvor hatten sie jedoch erklärt, nicht noch am Abend nach Beendigung des Damenfinales im Kampf um die wichtigste Tennistrophäe der Welt gegen Patrick Rafter antreten zu wollen.

"Wir werden in ganz enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Polizei- und Sicherheitsbehörden unsere Maßnahmen absprechen", sagte Gorringe. Schon am Samstagabend begannen wieder die Absperrmaßnahmen entlang der traditionellen "Schlangenstrecke" an Church Road und Wimbledon Park Road.

50.000 Interessenten für 10.000 Tickets?

Das Chaos ist programmiert. Die Centre-Court-Tickets für den nicht vorgesehenen Extraspieltag gibt es getreu dem Motto "Wer zuerst kommt, malt zuerst", denn alle Karten verlieren mit dem Sonntag ihre Gültigkeit. Bis zu 50.000 Karteninteressenten werden erwartet.

"10.000 kommen zum Preis von 40 Pfund am Montagmorgen in den Verkauf", wurde am Sonntag mitgeteilt. Die restlichen 4000 Plätze seien fest reserviert - für die Königliche Familie und andere VIPs. Wenigstens blieb der Wimbledon-Organisatoren der GAU erspart: Wenn Britanniens Nationalheld Henman das Finale erreicht hätte, wäre der Ansturm wahrscheinlich noch größer gewesen.

Um einen einigermaßen geregelten Ablauf zu gewährleisten, jagt deshalb eine Krisensitzung im Wimbledon-Klubkomitee die nächste. "Schließlich sind auch die Verträge mit dem Ordnungspersonal und den Verpflegungsständen auf der Anlage überwiegend nur bis Sonntagabend geschlossen", sagte der Klub-Vorsitzende Tim Phillips.

Bruch mit den Traditionen

Inzwischen mehren sich die Stimmen, auch in Wimbledon mit den althergebrachten Traditionen zu brechen und die Anfangszeiten vorzuziehen. "Wir haben hier rund 16 Stunden Tageslicht, ich verstehe nicht, warum man nur sechs davon nutzt", fragte sich etwa der US-Amerikaner Todd Martin, dessen Achtelfinale gegen Henman wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste.

Bei anderen Grand-Slam-Turnieren wird spätestens um 11 Uhr begonnen. Doch ehe es an der Church Road dazu kommt, wird vermutlich noch viel Zeit vergehen. Immerhin hat man dieses Jahr den Matchbeginn auf den beiden Hauptplätzen erstmals seit 1919 um eine Stunde auf 13 Uhr vorverlegt. Geht es in diesem Reformtempo weiter, stünde die nächste Veränderung im Jahre 2083 an.



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