Djokovic-Sieg im Wimbledon-Finale Ein Match der Superlative

Im längsten Einzelfinale der Turniergeschichte hat Novak Djokovic gegen Roger Federer seinen Titel verteidigt. Der Serbe war der Niederlage nahe - doch in den wichtigen Momenten glänzte er.

Das Endspiel zwischen Djokovic und Roger Federer ging nach fünf Sätzen in den Match-Tiebreak
ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Das Endspiel zwischen Djokovic und Roger Federer ging nach fünf Sätzen in den Match-Tiebreak

Von


Szene des Matches: Es war der entscheidende Punkt, durch den sich Novak Djokovic zum Sieger krönte. Der Serbe schlug auf und Roger Federer hatte die Möglichkeit zum einfachen Return mit der bevorzugten Vorhand. Statt zurück in Djokovics Hälte zu spielen, missglückte der Schlag und der Ball flog senkrecht in den Himmel. Das Match hatte Kraft gekostet.

Ergebnis: Djokovic besiegte Federer in einem epischen Fünf-Satz-Match, am Ende stand es 7:6 (7:5), 1:6, 7:6 (7:4), 4:6, 13:12 (7:3). Damit verteidigte der Weltranglistenerste seinen Titel aus dem vergangenem Jahr. Hier geht es zur Meldung.

Kostprobe: Als sein Triumph feststand, schüttelte Djokovic Federers Hand, tat das Gleiche beim Schiedsrichter und ließ sich dann auf dem Spielfeld vom Publikum feiern. Dabei ging er in die Hocke, rupfte ein paar Halme vom heiligen Rasen Wimbledons heraus, steckte sie sich in den Mund und nickte anerkennend.

Langwierige Angelegenheit: Um Endlosmatches zu vermeiden, hatten die Veranstalter die Einführung eines Tiebreaks im fünften Satz angekündigt. Die neue Regel feierte bei diesem Turnier Premiere, ausgerechnet im Finale wurde sie schließlich zum ersten Mal im Einzel ausgelöst. Zwischendurch fragte Djokovic den Schiedsrichter, bei welchem Spielstand es denn noch einmal in den Tiebreak gehe. Die Antwort lautete: zwölf zu zwölf.

Als beide Spieler zwölf Spiele auf dem Konto hatten, ging es in den Tiebreak um den Titel. Ein de facto endloses Match wurde zwar verhindert, es fühlte sich dennoch wie eines an: Nach 4:55 Stunden war die Partie vorbei, es war das längste Einzel-Finale in der Geschichte des Tennisturniers an der Church Road.

Mit dem Rücken zur Wand: Den fünften Triumph in Wimbledon erarbeitete sich Djokovic mit einer bemerkenswerten Leistung. Dreimal musste er in den Tiebreak mit Federer, der auf Rasen als bester Spieler der Geschichte gilt. Jedes Mal setzte er sich durch, und das in beeindruckender Manier. Je länger die Ballwechsel dauerten, desto dominanter war Djokovic.

Noch bevor es zum Match-Tiebreak kam, hatte der 32-Jährige am Rande einer Niederlage gestanden: Beim Stand von 7:7 kassierte Djokovic ein Break, woraufhin Federer bei eigenem Aufschlag zwei Matchbälle bekam. Die Nummer eins der Welt wehrte beide ab und stellte den Gleichstand im fünften Satz wieder her.

Einbruch: Vor dem nervenzehrenden fünften Satz kam Djokovic heftig ins Straucheln. Im zweiten Durchgang gab er gleich seine ersten beiden Aufschlagspiele ab, schaffte kein Re-Break und lag schnell 0:4 hinten. In dem Satz verlor er sogar einen weiteren Service und gewann nur ein Spiel. Insgesamt holte Djokovic nur zwölf Punkte - weniger als Bernard Tomic in jedem seiner drei Sätze bei seiner Erstrundenniederlage. Für seine schlechte Leistung wurde Tomic mit der maximalen Geldstrafe belegt, die ihn das gesamte Preisgeld für die erste Runde kostete.

Mit dem "Teller" könnten er und seine Familie nicht viel anfangen, sagte Federer. Dafür schon eher mit "dem goldenen Ding".
Laurence Griffiths / AFP

Mit dem "Teller" könnten er und seine Familie nicht viel anfangen, sagte Federer. Dafür schon eher mit "dem goldenen Ding".

Die Rückhand macht den Unterschied: Als bester Schlag in Djokovics Repertoire gilt seine beidhändige Rückhand-Longline. Für sein Gegenüber ist die Rückhand aber eine Schwachstelle, soweit man das bei Federer sagen darf. Dementsprechend verliefen viele Ballwechsel: Stur spielte Djokovic auf Federers linke Seite, wo dieser mit seiner einhändigen Rückhand zu Werke gehen musste. Der 37-Jährige probierte es häufig mit einem Slice, wobei ihm zahlreiche Unforced Errors unterliefen.

Schattenspiel: Mit Beginn des fünften Satzes war die Sonne bereits so weit gewandert, dass Teile des Spielfeldes im Schatten lagen. Der Spieler auf der anderen Seite blickte hingegen direkt in die Sonne und hatte dadurch Schwierigkeiten. Erst als sich eine dicke Wolke davor schob, herrschten wieder identische Lichtverhältnisse, die keinen Spieler benachteiligten.

Immer weiter: Seine ersten Grand-Slam-Turniere spielte Federer vor 20 Jahren. Selbst eine bittere Niederlage wie diese vermag den Rekordhalter für die meisten Grand-Slam-Siege nicht entmutigen. Im Anschluss an das Match gab er sich gut gelaunt und sprach optimistisch davon, dass er weiterhin auf Titeljagd gehen werde: "Auch mit 37 Jahren ist es noch nicht vorbei."



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Markus.Wohlers 15.07.2019
1. 16. Grand Slam
Gratulation für das 16. Grand Slam. Es ist nur eine Frage der Zeit und Novak wird alle Rekorde von Federer brechen. Ich bin nur gespannt, welche Argumente dann noch herhalten müssen, um Novak als Größten aller Zeiten zu verleugnen. Novak hat heute sehr schlecht aufgeschlagen. Dadurch mußte er viel besser spielen um mit FedEx mitzuhalten. Am Ende hat sich die Spielstärke durchgesetzt. Novak hat allen seinen hate-ern gezeigt wo der Frosch die Locken hat.
merkelchen 15.07.2019
2. welch langweiliger Champion
Respekt vor der Leistung aber den Glanz eines Champions wird er nie haben. Die Wand hat gewonnen. Selbst im Moment des Sieges ohne Emotion.
würstl 15.07.2019
3. Widerspruch
Zitat von Markus.WohlersGratulation für das 16. Grand Slam. Es ist nur eine Frage der Zeit und Novak wird alle Rekorde von Federer brechen. Ich bin nur gespannt, welche Argumente dann noch herhalten müssen, um Novak als Größten aller Zeiten zu verleugnen. Novak hat heute sehr schlecht aufgeschlagen. Dadurch mußte er viel besser spielen um mit FedEx mitzuhalten. Am Ende hat sich die Spielstärke durchgesetzt. Novak hat allen seinen hate-ern gezeigt wo der Frosch die Locken hat.
Sorry, das kann man so sehen, muss man aber nicht und überlegen war er nun wirklich nicht.. Im zweiten Satz hat Federer sein bestes Tennis gezeigt und hätte er das in den Tiebreaks auch umsetzten können, hätte ND nicht gewonnen. Nochmals die Sätze: 7:6 mit 7:5 im ersten 7:6 mit 8:5 im zweiten und im Fünften dann den Tiebreak relativ deutlich. Da kann man nicht von Überlegenheit sprechen. Nur mit Aufschlägen ist langweilig und beide Quoten was den Punktgewinn mit dem zweiten Aufschlag angeht, waren bei beiden unter 50% leicht besser bei RF. Die Physis bei ND ist etwas besser, aber die 5 Jahre Unterschied hat man nicht gemerkt. Die Stoppbälle und die Variationen von RF waren einfach eine Klasse für sich.Natürlich wird er die Rekorde brechen, wenn er weiter so spielt aber noch muss er erst mal mit 37 das auch noch so drauf haben.... Also Nummer 1 ist vollkommen in Ordnung, aber bester Rasenplatzspieler.. nein.
jutta_weise 15.07.2019
4. Tolles Spiel, aber....
diese neue Regel bis zu 12:12 um dann einen Tiebreak zu spielen ist so hirnrissig, da es ein unendliches Spiel nicht wirklch verhindert. Denn der Tiebreak nach dem Stand von 12:12 hätte ewig so weitergehen können. Wie gestern ein Leser hier schrieb: beim Stand von 12:12 sind beide Spieler gleichwertig. Ab da hätte man die Spielgewinne zusammenzählen müssen und dann hätte es einen anderen Gewinner gegeben. Federer war auf jeden Fall der risikofreudigere Spieler. Oft brauchte Djokovic an der Grundlinie einfach nur draufhalten um den Punkt zu machen. Trotz Allem ein super tolles Spiel, mit sehr viel Spannung und Hut ab vor Djokovic der gegen das gesamte Stadion anspielen mußte! Ich hatte nämlich zeitweise das Bild an meinem PC ausgeblendet und wußte genau, anhand des Jubels, wann Federer einen Punkt gemacht hatte.
DerPotsdamer 15.07.2019
5. Muss man nicht mögen, aber...
Nein, man muss die Art und Weise wie der Joker spielt nicht mögen. Es ist halt über weite Strecken Zermürbungstennis, ganz so, wie es leider sehr viele Damen spielen. ABER: Genauso wie es unsinnig ist, sich über den Unterhandaufschlag von Kyrgios aufzuregen, braucht man sich nicht über Nole aufregen. Denn, das ist alles vom Regelwerk gedeckelt und zulässig. Spielstil hin oder her, 16 GS gewinnt man nicht im Vorbeigehen - da gehört jede Menge Arbeit und Disziplin dazu. Als Federer-Fan kann ich das anerkennen und muss leider auch sagen, dass Roger gestern phasenweise wunderschönes Tennis gezeigt hat, aber dann den Sack einfach nicht zugemacht hat und die Chance war ja da.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.