Wimbledon-Stars Federer, Nadal und Djokovic "Wir sind noch nicht fertig"

4.021 Tage hatten Roger Federer und Rafael Nadal nicht auf Rasen gegeneinander gespielt. Die Neuauflage des epischen Finals von 2008 war wieder hochklassig. Nicht für jeden ist das eine gute Nachricht.

Rafael Nadal (links) und Roger Federer nach dem Halbfinalsieg des Schweizers
Adrian DENNIS / AFP

Rafael Nadal (links) und Roger Federer nach dem Halbfinalsieg des Schweizers

Aus London berichtet


Die rund 15.000 Zuschauer dürften sich in der Zeit zurückversetzt gefühlt haben. Roger Federer stand auf dem Center Court kurz vor seinem zwölften Finaleinzug in Wimbledon, das wollte sein ewiger Rivale Rafael Nadal auf der anderen Seite mit allen Mitteln verhindern. Federer erspielte sich vier Matchbälle, Nadal wehrte sie alle - in teils hochklassigen und spektakulären Ballwechseln - ab. Nach mehr als drei Stunden Spielzeit musste sich der Spanier aber doch geschlagen geben. Federer trifft somit am Sonntag im Endspiel auf Novak Djokovic (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), der zuvor Roberto Bautista Agut bezwungen hatte.

Auf dem größten Platz der Anlage durften die Zuschauer erleben, wie sich Federer und Nadal elf Jahre nach ihrem epischen Finalklassiker von Wimbledon noch immer auf höchstem Niveau duellieren - wenn auch etwas anders als 2008. "Wir beide schlagen besser auf als damals, die Ballwechsel sind kürzer. Wenn sich die Chance ergibt, dann greifen wir schneller an", sagte Federer nach der Partie. Beim 7:6, 1:6, 6:3, 6:4-Erfolg des Schweizers hatte es viele lange Ballwechsel gegeben, welche vom Publikum ausgiebig gefeiert wurden.

Wieder einmal haben Federer, Nadal und auch Djokovic in London bewiesen, dass an ihnen kein Weg vorbeiführt. Sie dominieren ihren Sport seit 15 Jahren gemeinsam. Weil sie die Besten - und vermutlich auch die Fleißigsten sind. Daran dürfte sich auch in naher Zukunft nichts ändern, zumindest wenn es nach Nadal geht. "Wir sind noch nicht fertig. Es geht weiter", sagte der 33-Jährige nach der Partie. Der Großteil der Tennisbranche dürfte diese Aussagen wohlwollend zur Kenntnis genommen haben - vielleicht mit Ausnahme der Konkurrenz.

"Stolz und glücklich", ein Teil dieser Ära zu sein

Insbesondere die sogenannte "NextGen" - junge, talentierte Profis, denen eine große Zukunft vorausgesagt wird - konnte den hohen Erwartungen noch nicht gerecht werden. Dazu zählt neben dem Deutschen Alexander Zverev auch Stefanos Tsitsipas (Griechenland) und Denis Shapovalov (Kanada). Sie alle scheiterten in Wimbledon früh. Die mediale und öffentliche Aufregung hielt sich in Grenzen. Wohl auch, weil ihnen ohnehin keine großen Chancen mehr eingeräumt wurden. Längst hat sich der Eindruck verfestigt, als könnte nur ein kollektiver Rücktritt der "Big Three" daran etwas ändern.

Immer noch belegt das Trio die ersten drei Plätze der Weltrangliste, am Sonntag werden sie 54 der vergangenen 64 Grand-Slam-Titel unter sich aufgeteilt haben. In beinahe allen relevanten Rekordlisten tauchen ihre Namen auf den vorderen Plätzen in unterschiedlicher Reihenfolge auf. Würdige Nachfolger sind nicht in Sicht. Deswegen, so Nadal, sei er "stolz und glücklich", ein Teil dieser Ära zu sein und sich mit seinem "Freund" Roger messen zu dürfen.

Federer konnte sich nur sehr kurz über seinen insgesamt 16. Erfolg gegen Nadal freuen. Zwar sei es ein Spiel, an das er sich "noch lange erinnern" werde. Dennoch wisse er, dass es nun vor allem darauf ankomme, sich gut zu erholen. Der achtfache Wimbledon-Sieger ahnt, dass ihm die größte Herausforderung noch bevorsteht.

Keine Geheimnisse mehr vor Djokovic

Mit Novak Djokovic wartet im Endspiel so etwas wie Federers Wimbledon-Trauma. 2014 und 2015 unterlag er dem Serben in zwei engen und teils dramatischen Begegnungen. Die Niederlagen fielen in eine Zeit, in der viele Beobachter Federers Konkurrenzfähigkeit auf allerhöchstem Niveau in Frage gestellt hatten. Und auch dieses Mal ist sein Gegner, der acht der vergangenen zehn Duelle gewann, in Topform. Dass Federer bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier noch nie gegen Nadal und Djokovic gewinnen konnte, sollte hingegen keine Rolle spielen. Auch die lange Historie der beiden nicht.

"Wenn man 15 Mal gegeneinander gespielt hat, gibt es keine Geheimnisse mehr. Wir kennen uns so gut, da spielen andere Dinge eine wichtigere Rolle", so Federer. Vor allem werde es darauf ankommen, wer sich an diesem Tag mental und physisch besser fühle. Manchmal, so Federer, entscheide beim Tennis auch das Glück.

Und dann sagte der Wimbledon-Finalist noch etwas, was auch die junge Konkurrenz zur Kenntnis genommen haben dürfte. "Sie (Journalisten, Anm. d. Red.) denken immer, dass wir auf dem Platz alles unter Kontrolle haben. Das stimmt nicht." Vielleicht liegt darin momentan die einzige Hoffnung für Zverev und Co.



insgesamt 10 Beiträge
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telarien 13.07.2019
1. Großartiges Spiel!
Konnte das Spiel gestern im TV verfolgen, begeisterndes Tennis, beide Spieler waren in Topform. Federer war auf der Rückhand sehr offensiv, spielte wenig Slice, für mich der Schlüssel zum Sieg. Djokovic spielt stark, aber nicht in Bestform. Bin gespannt auf das Finale.
spmc-126521672352922 13.07.2019
2. Noch ein langer Weg!
Bis diese drei Musketiere von den aufstrebenden sogenannten neuen Stars, Zwerev, Tsisipas oder wie sie alle heisen, abgeloest werden, wird noch viel Zeit vergehen. Hoffentlich spielen Federer, Nadal und Djokovic noch lange. Ein Genuss diesen 3 Koennern zuzusehen.
kopi4 13.07.2019
3.
Wachablösung? Nicht in Sicht. Auf Sand- und offensichtlich nur auf Sand- kann Dominic Thiem in die Phalanx einbrechen. In Wimbledon jedenfalls hatten es die großen Drei ab dem Achtelfinale mal wieder mit den Spielern zu tun die sie schon seit zehn Jahren dominieren.Zverev,Tsitsipas,Thiem und Shapovalov hatten eines gemeinsam: das Aus in der 1.Runde.
funkhero 13.07.2019
4. Zverev
Ist mitnichten in der Klasse von den drei - auch was die Erziehung und das Verhalten angeht. Nadal ist nun auch wirklich nicht die hellste Leuchte am Christbaum, aber immer Hoeflich und zurückhaltend - der Zverev wäre ohne Tennis glaub ich eher rausschmeisser im Sauna Club
colonia4711 13.07.2019
5. Next Gen.? Keiner davon...
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die nächsten Stars noch keiner kennt. Die nächsten 3,4,5 Jahre sind das noch die "Big 3" (vielleicht kommt auch Murray nochmal zurück) und dann werden die ganzen Pfeifen, die jetzt als Nachfolger bezeichnet werden, einfach "übersprungen"...
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