Wimbledon-Siegerin Halep Mitglied auf Lebenszeit

Simona Halep spielt das Match ihres Lebens, gewinnt zum ersten Mal das Turnier in Wimbledon und schreibt nebenbei Tennisgeschichte. Besonders glücklich macht die Rumänin damit ihre Mutter.

Gegen Serena Williams hatte Halep nie viel zu lachen - bis sie ihre Kontrahentin im Wimbledon-Finale besiegte
(AP Photo/Ben Curtis)

Gegen Serena Williams hatte Halep nie viel zu lachen - bis sie ihre Kontrahentin im Wimbledon-Finale besiegte

Aus London berichtet


Serena Williams brachte es auf den Punkt. Bei der Siegerehrung im Anschluss an ihr elftes Wimbledon-Endspiel wurde die Amerikanerin nach der Leistung ihrer Gegnerin gefragt. "Sie hat wirklich wahnsinnig gespielt", sagte Williams. Und "wahnsinnig" trifft es ganz gut, um die Leistung von Simona Halep zu beschreiben. Die Rumänin fegte in nur 55 Minuten über Williams hinweg und gewann zum ersten Mal die wichtigste Trophäe der Welt.

"Es ist ein unglaublicher Moment. Es war immer ein Traum, hier zu gewinnen. Nicht nur für mich, sondern auch für meine Mutter", sagte Halep kurz nach dem größten Triumph ihrer Karriere. Ihre Mutter, so die neue Weltranglistenvierte, habe ihr schon als Kind mit auf den Weg gegeben, dass sie das Wimbledon-Finale erreichen müsse, um wirklich etwas erreicht haben zu wollen. Als Motivation, das verriet sie lachend, diente ihr auch die Mitgliedschaft auf Lebenszeit im Veranstalterverein All England Lawn Tennis and Croquet Club. Alle Einzel-Champions in Wimbledon erwerben dieses Recht.

Im gesamten Turnierverlauf nur einen Satz verloren

Halep und Wimbledon? Das war bis zu diesem Jahr noch keine Liebesgeschichte. 2012 und 2015 war sie bereits in der ersten Runde gescheitert, im vergangenen Jahr war wenige Wochen nach ihrem Sieg bei den French Open auch schon in Runde drei Schluss. Und in dieser Saison hatte Halep vor Wimbledon lediglich ein Finale erreicht, als Topfavoritinnen galten andere. Doch sowohl die Titelverteidigerin Angelique Kerber als auch die Rasenspezialistin Karolina Pliskova schieden früh aus. So war der Weg frei für Halep, die in sieben Partien nur einen Satz abgab.

Ihr bestes Spiel folgte dann im Finale. Sie zwang ihre Kontrahentin zu vielen Fehlern, indem sie jeden noch so aussichtslosen Ball zurückschlug. Williams musste sich hinterher eingestehen, dass sie es deshalb irgendwann mit dem Tempo ihrer Schläge übertrieben habe. Halep benötigte nicht einmal eine Stunde, um Tennisgeschichte zu schreiben.

Erst der Finalsieg, dann der Jubel: Simona Halep posiert nach ihrem Triumph in Wimbledon mit der Trophäe
(Toby Melville/Pool Photo via AP)

Erst der Finalsieg, dann der Jubel: Simona Halep posiert nach ihrem Triumph in Wimbledon mit der Trophäe

Die 27-Jährige gewann als erste Rumänin das Turnier an der Church Road. Weder Ilie Nastase, der in den Siebzigerjahren zu den besten Sandplatzspielern der Welt gehörte, noch die ehemalige French-Open-Siegerin Virginia Ruzici konnten in Wimbledon triumphieren. Halep zählt mit zwei Grand-Slam-Siegen nun zu den erfolgreichsten Sportlerinnen ihres Landes, schon nach dem Titel in Paris wurden Vergleiche mit der fünffachen Olympiasiegerin Nadia Comaneci gezogen.

Dritte Grand-Slam-Finalniederlage seit 2018

Während Halep auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ist, muss Williams einen weiteren Rückschlag verkraften. Für sie ist es die insgesamt neunte Niederlage im Endspiel eines Majors - und bereits die dritte binnen eines Jahres. "Jede Niederlage ist hart für mich. Aber wenn jemand so gut spielt wie Simona, ist da nichts, was du tun kannst", sagte Williams.

Dass sie den Rekord von Margaret Court erneut verpasst hat, spiele in ihrem Kopf keine Rolle. "Ich will nur Spaß haben und das Beste aus mir herausholen", so Williams. Nach einem baldigen Karriereende sieht es nicht aus. Die bald 38-Jährige beteuerte, dass es ihrem zuletzt angeschlagenen Knie "sehr gut" gehe und dass sie derzeit sehr glücklich sei.

Das trifft auch auf Halep zu. "Ich bin ziemlich sicher, dass das heute das beste Match meines Lebens war", sagte sie.



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jean-baptiste-perrier 15.07.2019
1. The Counterpuncher and the Old Lady - Reloaded
Anders als jetzt immer noch medial verbreitet, war der Sieg Haleps keine große Überraschung. Zumindest nicht für Leute welche die Matches von Halep und Williams im Turnier gesehen haben. Deshalb hatte ich unter https://m.spiegel.de/forum/sport/wimbledon-williams-und-halep-ziehen-problemlos-ins-finale-ein-thread-928922-1.html (Beitrag 7)mit dem letzten Satz wie folgt meinen Tip abgegeben: "Ich lehne mich mal aus dem Fenster. Mein Tip also für das Endspiel: 6:3 und 6:3 für Halep!". Gut, da habe ich etwas daneben gelegen, weil Serena noch chancenloser gegen Haleps Qualitäten war als ich dachte. Aber Nobody is perfect. Halep war spätestens ab Runde zwei und ihrem eiskalten und klaren Sieg gegen die Geheim-Favoritin Asarenka durchgängig bärenstark. Serena profitierte wieder von schwachen Gegnerinnen vor dem Finale. Eine Strycova im Halbfinale hatte im Turnier ein großes Kämpferherz bewiesen aber einfach nicht das hochwertige Schlagrepertoire, um Serena zu gefährden. Riske im Viertelfinale konnte ihre taktische Linie nicht konstant einhalten. Das Achtelfinale gegen Suarez Navarro war ein Witz (dort hätte Kerber normalerweise gestanden, wenn sie nicht diesen Schwäche-Anfall in der zweiten Runde gehabt hätte). Görges in Runde 3 hatte zwar die Schläge, aber mal wieder nicht das Köpfchen für die richtige Taktik und versuchte blind schnelle Gewinnschläge statt Serena zu zermürben (was Halep hingegen im Finale in Perfektion gelang). Haleps Sieg ist vor allem ein Fingerzeig wie wichtig die konsequente Umsetzung einer wohlüberlegten Taktik ist. Drei- bis viermal Serena mittig mit guter Länge anspielen, um ihr keine Winkel zu geben und sie dann links-rechts schicken. Ohne Puste macht Serena dann zwangsläufig die Fehler. Auch das eine Parallele zum letztjährigen Triumph von Angelique Kerber. Das ist die Qualität der besten Counterpuncher: das taktische Spiel mit Köpfchen. Neben Halep und Kerber, sollten also auch Stephens und Wozniacki mit taktischer Disziplin Serena klar dominieren können. Serena Williams hatte zuletzt sehr viel Glück mit ihren Auslosungen bei Grand Slam Turnieren. Das kann sich ändern. Auch das kollektive Kollabieren eines Großteils der Top 10 bei Grand Slam Turnieren wird sich nicht ewig fortsetzen. Dass Serena die 25 Titel noch erreicht, dafür reicht meine Phantasie momentan nicht aus. Denn ihre Fitness lässt sich nicht weiter verbessern. Sie ist vom vorgegebenen Körperbau einfach zu schwer. Im Prinzip hatte Venus die besseren körperlichen Voraussetzungen der beiden Schwestern. Gut 10 Zentimeter größer und schlanker. Ihr Pech war jedoch das jahrelang unerkannt gebliebene Sjögren-Syndrom.
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