Wimbledon Titelverteidigerin Kerber scheitert in Runde zwei

Im Vorjahr triumphierte Angelique Kerber in Wimbledon, nun ist sie bereits in der zweiten Runde ausgeschieden - gegen die Nummer 95 der Weltrangliste.

Angelique Kerber
REUTERS/Carl Recine

Angelique Kerber


Den ersten Satz hatte Angelique Kerber im Zweitrundenmatch gegen Lauren Davis noch glatt gewonnen - doch dann klappte bei der ehemaligen Weltranglistenersten und Titelverteidigerin in Wimbledon fast nichts mehr. Am Ende verlor Kerber 6:2, 2:6 und 1:6 gegen die 95. der Weltrangliste.

Nach dem desaströsen Erstrunden-Aus von Alexander Zverev ist das wichtigste Tennisturnier der Welt damit auch für die dreimalige Grand-Slam-Siegerin früh zu Ende gegangen. Dass Jan-Lennard Struff und Julia Görges am Samstag um den Einzug ins Achtelfinale spielen, wurde zur Nebensache. Wie Kerber schied auch Laura Siegemund in der zweiten Runde aus.

Davis angeschlagen, Kerber genervt

"Natürlich bin ich enttäuscht", sagte Kerber. "Natürlich ist das nicht der Weg, wie ich das Turnier beenden wollte. Du musst das akzeptieren. Du musst versuchen, das so schnell wie möglich zu vergessen." Sie habe "von Beginn an nicht gut gespielt", sagte die beste deutsche Tennisspielerin: "Die Energie war nicht da, ich weiß nicht, warum." Für Davis war das Spiel "beinahe surreal", sagte die Überraschungssiegerin aus den USA.

Nach dem gewonnen ersten Satz verlor die 31 Jahre alte Kerber die Kontrolle über die Partie, haderte mit sich und winkte ab. Vor zwölf Monaten hatte sie sich mit einem Final-Triumph über die US-Amerikanerin Serena Williams zur ersten deutschen Wimbledonsiegerin seit Steffi Graf 1996 gekürt. Nun scheiterte die Finalistin so früh wie zuletzt vor fünf Jahren.

Kerber hatte gegen Davis Probleme, obwohl ihre Kontrahentin angeschlagen war. Beim 2:2 im ersten Satz war die 25-Jährige ausgerutscht und ließ sich nach dem ersten Satz auch noch den linken Fuß verbinden. Zwischen den Ballwechseln schien Davis manchmal zu humpeln, bezwang Kerber aber dennoch.

Görges trifft in Runde drei auf Serena Williams

Die Vorjahres-Halbfinalistin Görges und Struff sind dagegen in die dritte Runde eingezogen. Der 29-Jährige zeigte beim 6:4, 6:3, 5:7, 7:6 (7:2) gegen den US-Amerikaner Taylor Fritz phasenweise eine glänzende Vorstellung. "Ich bin sehr glücklich über den Sieg. Die ersten zwei Sätze waren unglaublich gut", sagte er.

Julian Görges gewann ihr Zweitrundenspiel
ANDY RAIN/EPA-EFE/REX

Julian Görges gewann ihr Zweitrundenspiel

Görges, Nummer 17 der Welt, erledigte anschließend ihre Pflichtaufgabe gegen die Russin Warwara Flink und beendete nach 70 Minuten mit einem 6:1, 6:4 die Zweitrunden-Partie gegen die Qualifikantin aus Russland.

Nun kommt es für Görges zur Neuauflage des Halbfinals aus dem Vorjahr gegen US-Superstar Serena Williams. Die 23-malige Grand-Slam-Siegerin Williams (Nr. 11) gewann am Abend gegen Kaja Juvan (Slowenien) in drei Sätzen. 2018 hatte Görges bei ihrem ersten Halbfinal-Einzug auf Grand-Slam-Ebene 2:6, 4:6 gegen Williams verloren. Von vier Duellen mit der 37-Jährigen hat sie noch keines gewinnen können.

Köpfer gegen Schwartzman chancenlos

Ebenfalls ausgeschieden ist Wildcard-Starter Dominik Köpfer. Der 25-Jährige verlor bei seiner Grand-Slam-Premiere in der zweiten Runde gegen den Argentinier Diego Schwarztman 0:6, 3:6, 5:7. Köpfer hatte in der Vorwoche im nordenglischen Ilkley seinen ersten Titel auf der Challenger-Tour gewonnen und dadurch eine Wildcard für Wimbledon erhalten. Struff ist damit der letzte deutsche Teilnehmer in London.

luk/dpa



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mottenjohnny 04.07.2019
1. Die deutschen
Tennisspieler/-innen sind entweder zu schlecht oder mental nicht beieinander - nicht selten beides. Und offenbar haben auch die Verantwortlichen beim DTB nicht immer den Check: https://sport.sky.de/tennis/artikel/wimbledon-angelique-kerber-fuer-barbara-rittner-favoritin/11747432/34240
jean-baptiste-perrier 04.07.2019
2. Nur ein schlechter Tag?
Kerber wirkte ihrerseits heute spätestens ab Mitte des zweiten Satzes körperlich angeknockt. Bewegung und Körpersprache sehr lethargisch. Sie konnte im dritten kaum die Augen offen halten. Man erinnere sich an Bertens merkwürdige Aufgabe in Paris. Mit dem Unterschied das Kerber auf dem Platz stehen blieb. Ihre Beine waren heute schwer. Keine Spritzigkeit. Jenseits einer möglichen körperlichen Schwäche möchte ich folgendes zu bedenken geben: Vor ein paar Wochen konnte man auf Tennis with an Accent einen Artikel lesen über die schwankende Leistungsdichte im Herren Tennis. In diesem Artikel wurde explizit auf die frühen 2000er Jahre verwiesen als ein Zeitraum in dem überdurchschnittlich viele mittelmäßige Spieler in vordere Bereiche bei Grand Slam Turnieren vorstoßen konnten. Dabei wurde auch Rainer Schüttler genannt. Ein Spieler mit 4 ATP Titeln insgesamt und einer negativen Karriere-Bilanz von 327:337 stand 2003 im Finale der Australian Open! Die jetzt zum wiederholten Male auf dem Court zutage getretenen Dispute von Kerber mit Schüttler in der Box offenbaren welch schwerwiegender Fehler die Trennung von Fissette und das folgende Engagement von Schüttler war. Das damalige Problem: Fissette wollte eine finanzielle Vertrags-Aufbesserung. Manager Thron beharrte auf die ursprünglichen Vertrags-Konditionen. Fissette erkundigte sich nach seinem Marktwert. Dies wurde ihm als Illoyalität von Thron ausgelegt. Kerber blieb passiv. Vielleicht auch weil ihr Fissette zu fordernd und ehrgeizig war. Kerber sollte nun erkennen, dass es aus der Komfort-Zone heraus nicht für die ganz großen Erfolge reicht. Fissette hat ihr alles abverlangt und nur deshalb war sie 2018 in Wimbledon unstoppbar. Man kann jetzt ja sehen wie sehr Asarenka von Fissette profitiert. Kerber muss wieder raus aus der Komfort-Zone und braucht einen ehrgeizigen Trainer der sie fordert. Nicht jemand wie Schüttler, der nebenbei andere Sachen macht und als Trainer von Kerber eine ruhige Kugel schieben will. Er ist schlicht auch nicht kompetent genug. Gut, er spricht besser Deutsch als Fissette. Aber sagt eben nicht das richtige in Richtung Kerber. Statt der Entlassung Fissettes zuzustimmen, hätte sie sich besser von Manager Thron getrennt, welcher mit seinem knausrigen Beharren einen der weltbesten Trainer vor den Kopf stiess. Um ein paar (für Kerber läppische) hunderttausend Euros pro Jahr zu sparen, hat man einen Erfolgs-Trainer durch einen im Damen-Tennis vollkommen unerfahrenen Dilettanten ersetzt. Kein Zweifel die Trennung von Schüttler muss und wird kommen. Es braucht einen hungrigen und fordernden Trainer an Kerbers Seite und keinen lethargischen Kofferträger ohne jeden kreativen Input. Auf Schüttlers Konto ging schon die verkorkste Sandplatz-Saison. Kerber ist bei einem Trainingslauf in einem ihr zuvor unbekannten Waldgebiet umgeknickt. Im Wald wachsen Bäume. Bäume haben Wurzeln welche auch überirdisch schlecht zu sehende Wurzeln entwickeln. Und wer hat Kerber auf diesen Waldweg geschickt?
silversurfer55 04.07.2019
3. Erwartungsgemäss
mentalität ist das übergeordnete thema in meinen augen, definitiv bei alex z und angi
zweitakterle 04.07.2019
4. Es scheint....
als ob dieses Jahr kaum geeignet ist, mit fest eingeplanten deutschen Erfolgen zu rechnen....gut so! Vieles ist im deutschen Sport zu selbstverständlich geworden. Siege wurden zu Pflichtübungen.... Die Fussballfrauen schieden aus....sie scheiterten nicht...wie sooft gelesen werden kann. Die U21-er schieden aus....sie scheiterten nicht...wie sooft gelesen werden kann. Kann mal wieder Spass am Wettbewerb eingeübt werden?
biglewbowski 04.07.2019
5. Ewig schade, wie sich Frau Kerber ihrer besten Jahre beraubt
Gegen Halep eine Macht in Eastbourne, hier an einer LL gescheitert. Sie müsste mal ihre komplette Luschengang austauschen. Die Ansprachen von Schüttler auf dem Platz (rechts links, wie wir es besprochen haben) sind an Einfältigkeit nicht zu überbieten. Kerber ist einfach zu lieb. Ehrt sie, bringt aber kein Wimbledon (mehr). Ich für meinen Teil bin raus aus dem Tennis. Keine Lust mehr jemanden zu folgen, der so viel kann, aber an falschen Entscheidungen scheitert. Macht keinen Spaß.
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