Erdbeeren, Royals und "The Queue" Das sind die Traditionen in Wimbledon

30 Tonnen Erdbeeren, die berühmteste Schlange der Welt und ein Dresscode für Spieler: Beim Tennisturnier in Wimbledon sind die vielen Traditionen von großer Bedeutung. Ein Überblick.

Paul Childs/ Action Images/ REUTERS

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Vom 1. bis zum 14. Juli findet in Wimbledon das dritte und wohl wichtigste Grand-Slam-Turnier des Jahres statt. Auf dem "Heiligen Rasen" des All England Club duellieren sich die besten Tennisspieler der Welt.

Doch nicht nur auf dem Platz wird den Zuschauern eine Menge geboten. Das 1887 erstmals ausgetragene Turnier im Londoner Süden hat es geschafft, seine besonderen Traditionen weitestgehend zu wahren. Warum die Erdbeeren so besonders sind und warum es cool ist, für ein Ticket anzustehen - SPIEGEL ONLINE stellt die kuriosesten Traditionen in Wimbledon vor.

"Mekka des Tennissports"

Wimbledon ist das älteste Turnier der Welt. Wohl auch deshalb gilt der Centre Court als "Mekka des Tennissports". Der 15.000 Zuschauer fassende Platz war in der Vergangenheit Schauplatz legendärer Begegnungen. Boris Becker schrieb 1985 als 17-Jähriger Geschichte, ebenso Rafael Nadal, der Roger Federers Siegesserie 2008 in einem der besten Partien aller Zeiten beendete. Keine Frage - wer sich für Tennis interessiert, muss den größten Platz der Anlage einmal in seinem Leben besucht haben.

Dresscode für die Stars

Nirgendwo sonst sind die Bekleidungsregeln derart streng reglementiert wie in Wimbledon. Mindestens 90 Prozent der getragenen Kleidung muss weiß sein. Dieser Beschluss wurde ursprünglich gefasst, um peinliche Schweißflecken zu vermeiden. Dass die Veranstalter keinen Spaß verstehen, zeigt das Beispiel Federer. Der Rekordchampion wurde 2013 in seiner Erstrundenpartie aufgefordert, seine Schuhe zu wechseln. Der Grund: Die Sohle war farbig.

Erdbeerwahnsinn an der Church Road

Ohne sie wäre das Turnier an der Church Road schlicht unvorstellbar: Erdbeeren. Kaum ein Besucher will auf sie verzichten, in den zwei Wochen werden rund 30 Tonnen von der roten Frucht verkauft. Seit 1893 wandern sie über die vielen Verkaufstheken, für etwas unter drei Pfund sind sie in Kombination mit Sahne zu haben.

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Traditionen in Wimbledon: Erdbeerwahnsinn in London

Henman Hill & Murray Mound

2013 gewann Andy Murray als erster Brite seit 77 Jahren das Turnier in Wimbledon. Dem Schotten zu Ehren wurde anschließend ein kleinerer Hügel auf der Anlage nach ihm benannt. Der sogenannte Murray Mound ist allerdings auch als "Henman Hill" bekannt. Doch im Gegensatz zu Murray blieb Tim Henman ein Erfolg in Wimbledon immer verwehrt. Der Brite stand zwischen 1998 und 2002 viermal im Halbfinale, gewinnen konnte er das Turnier nie.

Verbeugung vor der Queen

Die Royal Box auf dem Centre Court ist legendär. In ihr sitzen Mitglieder der königlichen Familie. Bis 2003 waren die Spieler und Spielerinnen verpflichtet, vor der Royal Box einen Knicks zu machen. Mittlerweile wird auf diese Tradition verzichtet - mit einer Ausnahme. Sollte die Queen sich ein Spiel anschauen, wird immer noch von den Profis verlangt, sich zu verbeugen. Das kommt allerdings nur sehr selten vor, zuletzt 2010.

"Last 8 Club"

Rund 650 aktive und ehemalige Profis sind Teil eines elitären Clubs - dem sogenannten "Last 8 Club". Den Mitgliedern ist es erlaubt, für den Rest ihres Lebens die Anlage zu besuchen. Sie haben unter anderem Zugang zum Centre Court und zum Court No. 1, hinzu kommt - typisch britisch - kostenloser Kaffee und Tee. Voraussetzung, um in den Club aufgenommen zu werden, ist das Erreichen des Viertelfinals im Einzel-, des Halbfinals im Doppel- sowie des Finals im Mixed-Wettbewerb.

Manic Monday

An jedem ersten Sonntag dürfen sowohl die Männer als auch die Frauen durchatmen. Umso schöner ist dann vor allem für die Zuschauer der sogenannte Manic Monday. Nach dem spielfreien Tag werden innerhalb eines Tages alle Achtelfinal-Partien ausgetragen. Spielfreie Tage gibt es bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier, bei den French Open beginnt das Turnier sogar schon am Sonntag.

Order of Play

Während bei anderen Grand-Slam-Turnieren die Spiele entweder sonntags oder montags um 11 Uhr beginnen, eröffnet in Wimbledon der Titelverteidiger am Montag um 14 Uhr auf dem Centre Court. Die Vorjahressiegerin hingegen startet dann am Dienstag zur selben Zeit auf dem größten Platz der Anlage.

Die berühmteste Schlange der Tenniswelt

Bei keinem anderen Turnier sind die Tickets derart schnell vergriffen wie in Wimbledon. Weil die Nachfrage so groß ist, werden die meisten Karten lange im Voraus verlost. Einige wenige Tickets können die Fans aber noch am Kassenhaus erwerben. Um die Chancen auf eine Karte zu erhöhen, übernachten viele Besucher vor dem Kassenhaus. Die Folge ist eine nicht enden wollende Schlange, auch "The Queue" genannt.



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webstoney 02.07.2019
1. Last 8 Club
"Voraussetzung, um in den Club aufgenommen zu werden, ist das Erreichen des Viertelfinals im Einzel-, des Halbfinals im Doppel- sowie des Finals im Mixed-Wettbewerb." Nicht "sowie" (also alle 3 Wettbewerbe), sondern "oder".
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