Wimbledon-Halbfinale gegen Federer Wie aus Rafael Nadal ein Rasenspezialist wurde

Noch immer dominiert Rafael Nadal die Sandplätze dieser Welt, doch mittlerweile gehört er auch auf Rasen wieder zu den Besten. Das verdankt der 33-Jährige auch einem Schlag, den er lange gar nicht brauchte.

Facundo Arrizabalaga/epa

Aus London berichtet


Das Finale in Paris war gerade erst beendet, da musste Rafael Nadal schon wieder Fragen beantworten. Kein Geringerer als Tennislegende John McEnroe wollte wissen, wie es denn nur möglich sei, zwölfmal die French Open zu gewinnen. "Gehe jeden Tag hinaus und nimm dir vor, irgendetwas zu verbessern", antwortete der Spanier nach seinem erneuten Triumph in Paris und fügte an: "Genieße deine Arbeit jeden Tag."

Zwei Sätze reichen aus, um das Erfolgsgeheimnis des mittlerweile 33-Jährigen so gut es geht zu beschreiben. Nadal gelingt es auch 14 Jahre nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg immer noch, sein Spiel stetig zu verbessern. Das ist auch Roger Federer nicht entgangen.

Der Schweizer, der sich im Halbfinale von Wimbledon zum insgesamt 40. Mal mit Nadal messen wird (Nicht vor 15.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), merkte nach seinem Sieg gegen Kei Nishikori an, dass Nadals Aufschlag im Vergleich zu früher "viel, viel besser" geworden sei. Federer sei bewusst, dass Nadal auf jedem Untergrund extrem gefährlich werden kann.

Nadal einer der effektivsten Volleyspieler auf der Tour

Viele Jahre lebte Nadal von seiner Vorhand, die er bis heute mit seiner einzigartigen "Hubschrauber-Technik" spielt. Anschließend entwickelte sich seine Rückhand zu einem immer wertvolleren Schlag. Es folgte die Justierung des Aufschlags - mittlerweile, und das dürfte die Beobachter am ehesten überrascht haben, gehört Nadal auch am Netz zu den effektivsten Profis.

Im Laufe des Turniers an der Church Road rückte der Spanier 81 Mal ans Netz vor, in 65 Fällen machte der zweifache Wimbledon-Champion den Punkt. Dies ergibt eine Erfolgsquote von mehr als 80 Prozent. Federer, der neben Stefan Edberg als bester Volleyspieler der Geschichte gilt, kommt auf einen fast identischen Wert, wenngleich er in Wimbledon deutlich häufiger die Entscheidung am Netz sucht (158 Mal).

Der Weltranglistenzweite scheint sich seiner neuen Stärke längst bewusst zu sein. So sehr, dass er auch in kritischen Momenten in die Offensive geht. Als der Linkshänder im Viertelfinale gegen Sam Querrey zum Satzgewinn servierte und plötzlich in Rückstand geriet, vollendete er einen Angriff mit einem äußerst gefühlvollen Volley.

Dass sich für Nadal immer häufiger die Möglichkeit ergibt anzugreifen, könnte auch damit zusammenhängen, dass der Rasen in Wimbledon langsamer ist als in der Vergangenheit. Seinen Gegnern fällt es heute deutlich schwerer, ihn unter Druck zu setzen.

Zwar behauptet der Spanier, dass sich seit seiner ersten Teilnahme in London vor 16 Jahren nichts geändert habe. Und auch Serena Williams wollte sich nach ihrem Finaleinzug nicht zu einem Urteil hinreißen lassen.

US Open schneller als Wimbledon?

Doch nicht wenige sind der Meinung, dass der Rasen in Wimbledon - insbesondere auf den beiden größten Plätzen der Anlage - an Fahrt verloren habe. "Die Plätze sind so langsam", sagte beispielsweise Richard Krajicek, Wimbledon-Sieger von 1996. Ähnlich sieht es Greg Rusedski. Der ehemalige Weltranglistenvierte aus Großbritannien ist gar davon überzeugt, dass das Grün in Wimbledon nie langsamer gewesen sei als in diesem Jahr.

Federer ging noch einen Schritt weiter und sagte kürzlich: "Wimbledon ist nicht mehr das schnellste Grand-Slam-Turnier." Das könne man auch an der Länge der Ballwechsel ablesen. Bei den US Open beispielsweise seien die Ballwechsel durchschnittlich kürzer als in London.

Nadals momentanen Erfolg in Wimbledon nur auf langsamere Beläge zurückzuführen, wäre jedoch vermessen. Die Verbesserungen in seinem Spiel sind zu offensichtlich.

Seine bisher erfolgreichsten Jahre in London liegen eigentlich lange zurück. Zwischen 2006 und 2011 stand er fünfmal im Endspiel, zweimal konnte er gewinnen. Damals war er auf den Volley kaum angewiesen, auch auf Rasen gelang es ihm weitestgehend von der Grundlinie, seine Gegner zu zermürben. Das änderte sich erst nach schweren Verletzungen an Knie und Handgelenk.

Sechs Jahre nach seinem bisher letzten Finale 2011 kam der Spanier in London nicht über das Achtelfinale hinaus. 2018 erreichte er das Halbfinale. Dieses Jahr werden ihm große Chancen eingeräumt, nach 2008 und 2010 seinen dritten Titel zu gewinnen.

Auch dafür hat der Spanier eine ganz einfache Erklärung. "Es gibt einen Grund, warum Roger und ich nach wie vor da stehen, wo wir stehen", sagte Nadal auf der Pressekonferenz nach seinem Sieg im Viertelfinale. "Wir lieben unseren Sport so sehr."

Erneut reichen zwei Sätze aus, um zu verstehen.



insgesamt 4 Beiträge
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takvor 12.07.2019
1. Nadal vs. Djokovic
Beide Tennisspieler sind Ausnahmetslente und verdienen gegeneinander im Finale zu spielen, wobei Djokovic stärker ist. Ich bin sicher, dass Nadal und Djokovic erfolgreicher werden als Federer. Grund dafür ist die stetige Perfektionierung des Spieles AUF ALLEN BELÄGEN!
Sibylle1969 12.07.2019
2.
Rafael Nadal spielt einen sehr guten Volley, das kann man immer wieder beobachten, zuletzt im Finale von Roland Garros. Zwar geht er nicht so oft ans Netz, aber wenn ist es immer sehr gut vorbereitet, und Nadal macht dann fast immer den Punkt. Ich hoffe, dass Nadal Wimbledon dieses Jahr noch mal gewinnen kann.
ulisses 12.07.2019
3. Effektivität
Viele Nadalkritiker werfen ihm ja vor, lediglich Mondbälle mit viel Topspin zu spielen und weit hinter der Grundlinie zu stehen. Es mag sein , dass er dass auch perfektioniert hat. Es ist aber erlaubt so zu spielen und bedarf eben auch einer anspruchsvollen Schlagtechnik. Was aber auch bei seinen Standplatzspielen übersehen wird, ist Folgendes: Nadal weiß, wann und wie er einen Ballwechsel schnell abschließen kann. Im vergangenen Jahr siegte er knapp in drei Sätzen gehen Zverev. Im Gegensatz zur oberflächlichen Wahrnehmung dominierte Nadal besonders die kurzen Ballwechsel. Früher wurde Serve n Volley gespielt und noch heute von Nostalgikern als Spielart gepriesen, schnell den Punkt zu erzielen. Bei Nadal geht das so: Slice Aufschlag und dann der Winner mit der Vorhand. Das sind dann wie beim Serve n Volley auch nur zwei bis drei Schläge. Von zermürbenden Geduldsspiel kann also keine Rede sein.
jean-baptiste-perrier 12.07.2019
4. Wunsch Vater des Gedanken!
takvor hat heute, 14:53 Uhr geschrieben:"Nadal vs. Djokovic - Beide Tennisspieler sind Ausnahmetslente und verdienen gegeneinander im Finale zu spielen, wobei Djokovic stärker ist." - - - - - Zitat Ende - - - - - Wer das Halbfinale von Djokovic gegen den biederen Batista-Agut gesehen hat und im Vergleich die ersten 8 Spiele zwischen Nadal und Federer, der kommt zu dem Schluß, dass Djokovic mit der Leistung von heute weder gegen Nadal noch gegen Federer eine Chance haben wird. Dass Djokovic aktuell angeblich stärker wäre als Nadal (und Federer) entspringt einem patriotischen Wunschdenken. Djokovic muss sich schon gewaltig steigern am Sonntag. Bis jetzt sieht es eher so aus, dass das heutige Halbfinale zwischen Federer und Nadal das vorweggenommene Finale ist. Ich lasse mich jedoch gerne von Djokovic am Sonntag eines Besseren belehren.
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