Winokurow-Schock Entsetzen bei Fahrern und Teams

Entsetzen, Wut, Tränen: Viele Fahrer fühlen sich nach dem Bekanntwerden der positiven Dopingprobe von Alexander Winokurow hintergangen. Der Cofidis-Teammanager fordert ihn auf, endlich auszupacken - der Tour-Direktor will die Rundfahrt fortsetzen.

Pau - Der Schotte David Millar, der selbst schon eine zweijährige Dopingsperre abgesessen hat, gab gerade eine Pressekonferenz, als ihn die Nachricht von Winokurow erreichte. "Wenn Fahrer von solch einer Güteklasse so etwas tun, dann können wir alle nach Hause gehen. Manche Fahrer werden es nie verstehen", sagte der Profi des Rennstalls Saunier-Duval mit Tränen in den Augen.

Linus Gerdemann vom Team T-Mobile war ebenfalls erschüttert: "Das ist natürlich sehr schlimm. Ich fühle mich von Winokurow verarscht, aber es zeigt, dass die Kontrollen greifen."

Der Manager des französischen Rennstalles Cofidis, Eric Boyer, erklärte, dass er "angewidert" sei: "Ich hoffe, dass Winokurow nicht so feige sein wird und alles abstreitet. Er soll uns allen erklären, wer ihm geholfen hat, denn ich glaube nicht, dass er diese Schweinerei alleine abgezogen haben kann."

Roger Legeay, Manager von Credit Agricole, bezeichnete Winokurows Verhalten als "untragbar". Zurückhaltend äußerte sich UCI-Präsident Pat McQuaid: "Ich kann dazu nichts sagen, bis die Analyse der B-Probe vorliegt." Sprachlos war auch Andreas Klöden. Für den Astana-Fahrer ist die Tour unfreiwillig beendet. Trotzdem schwieg Klöden. Auf einem Bild des 32-Jährigen, das am Abend im Hotel aufgenommen wurde, ist der Frust in seinem Gesicht allerdings deutlich erkennbar.

Winokurow war bei einer Dopingprobe während der laufenden Tour de France am 21. Juli eine Fremdbluttransfusion nachgewiesen worden. Das bestätigte sein Astana-Team am Abend. Zudem erklärte die Mannschaft mit sofortiger Wirkung den Rückzug von der 94. Frankreichrundfahrt. Damit ist die Tour auch für den Deutschen Andreas Klöden beendet.

Winokurow fuhr von 2000 bis 2005 für das T-Mobile-Team und war nach einem halben Jahr bei Liberty Seguros zu Astana gewechselt. Um beide Rennställe gibt es seit längerem Dopinggerüchte. Der geständige Dopingsünder Jörg Jaksche hatte unlängst in einem SPIEGEL-Interview über systematisches Blutdoping beim Astana-Vorgängerteam Liberty Seguros berichtet. Laut Jaksche hatte der Rennstall und dessen Chef Manolo Saiz über viele Jahre mit dem umstrittenen Mediziner Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet.

Patrice Clerc, Präsident der Tour-Organisation ASO, erklärte: "Ich bin verraten worden. Ich bereue meine Entscheidung, Astana für die Tour zugelassen zu haben." Renndirektor Christian Prudhomme bezeichnete den Dopingfall als "totalen Bankrott für das System. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt Überlegungen die Tour zu stoppen, nur weil offenbar einige russisches Roulette spielen. Veränderungen im Radsport gehen nur über die Tour."

Am 13. Juli hatte Astana, das unter anderem vom kasachischen Staat finanziert wird, den früheren T-Mobile-Fahrer Matthias Kessler wegen Testosteron-Dopings entlassen. Kessler droht eine zweijährige Sperre. Der 28-Jährige war bei einer unangemeldeten Trainingskontrolle vor dem Klassiker "Flèche Wallonne" Ende April mit einem extrem überhöhten Testosteron-Wert aufgefallen.

Zudem laufen Ermittlungen gegen den Italiener Eddy Mazzoleni. Bei drei Dopingfällen innerhalb eines Jahres wird eine Radsport-Mannschaft laut Reglement des Weltverbandes UCI für vier Wochen gesperrt.

pav/sid