Gedenken an Olympia-Attentat 1972 Opfer-Witwen sind über IOC empört

Vergeblich kämpften die Witwen der israelischen Attentatsopfer von München 1972 für eine Gedenkminute während der Eröffnungsfeier in London. Doch IOC-Präsident Rogge blieb hart. Jetzt zeigten sich die Frauen bei einem Festakt empört: Das IOC sei "blind und taub".
Witwe Ankie Spitzer: "Das IOC bleibt blind und taub"

Witwe Ankie Spitzer: "Das IOC bleibt blind und taub"

Foto: JACK GUEZ/ AFP

London - Es sind schwere Vorwürfe, die die Witwen der israelischen Opfer des Olympia-Attentats von München 1972 dem Internationalen Olympische Komitee (IOC) und dessen Präsidenten Jacques Rogge machen. Das Gremium hatte sich kategorisch geweigert, während der Eröffnungsfeier von London eine Gedenkminute für die Toten abzuhalten - trotz der Unterstützung von 110.000 Menschen, darunter US-Präsident Barack Obama. "Nur das IOC bleibt blind und taub", sagte Ankie Spitzer.

"Schande über dich, IOC", rief die Witwe des damals getöteten Fechttrainers André Spitzer vor 700 Gästen, die an einem Festakt und einer Schweigeminute teilnahmen, die das IOC und das Nationale Olympische Komitee Israels stattdessen organisiert hatten. Anwesend waren unter anderem Bundesaußenminister Guido Westerwelle und der stellvertretende britische Premierminister Nick Clegg.

Um das Gedenken an die Toten von München hatte es im Vorfeld der Olympischen Spiele von London heftige Diskussionen gegeben. Die israelische Seite wollte eine Schweigeminute für die Terroropfer während der Eröffnungsfeier durchsetzen. Neben Obama unterstützten auch der Deutsche Bundestag, das kanadische Parlament, Australiens Premierministerin Julia Gillard, britische Parlamentarier und Mitglieder des US-amerikanischen Repräsentantenhauses die Initiative. IOC-Präsident Rogge war dagegen der Meinung, dass die Eröffnungsfeier "nicht der geeignete Anlass für ein Gedenken dieser tragischen Tat" sei.

"Wir schulden es ihnen, dass wir ihren Geist aufrechterhalten"

Die Witwen reagierten enttäuscht - und übten am Montag harsche Kritik: "Sie haben die elf Mitglieder der Olympischen Spiele im Stich gelassen. Sie diskriminieren sie, nur weil sie Israelis und Juden sind", so Spitzer. IOC-Präsident Rogge hatte zuvor in seiner Rede die Ehre der damals getöteten Sportler hochgehalten. "Wir schulden es ihnen, dass wir ihren Geist aufrechterhalten", sagte Rogge, bevor er die elf Namen verlas.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle machte deutlich, dass Deutschland das Gedenken an die Opfer auf deutschem Boden immer bewahren werde. "Ich versichere Ihnen, dass Deutschland nicht vergessen hat", sagte er. "Deutschland blickt zurück in Trauer." Der Außenminister betonte: "Wir können die Toten nicht ins Leben zurückholen. Aber es ist unsere Pflicht, ihr Andenken in Ehren zu halten."

Zwölf Opfer starben bei Attentat

Am Morgen des 5. September 1972 hatten acht palästinensische Terroristen mehrere israelische Sportler und Trainer im Olympischen Dorf als Geiseln genommen. Sie forderten die Freilassung der RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof sowie palästinensischer Gefangener aus israelischer Haft.

Während der Geiselnahme und einer misslungenen Befreiungsaktion am Militärflughafen Fürstenfeldbruck starben elf Geiseln, ein deutscher Polizist und fünf Terroristen.

heb/dpa/dapd
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