Putin über russischen Dopingskandal "Anforderungen der Wada werden in vollem Umfang erfüllt"

Hat Russland im vom Staat gelenkten Dopingskandal bis Anfang 2019 Daten manipuliert? Laut Russlands Präsident Wladimir Putin erfülle sein Land alle Forderungen der Welt-Antidopingagentur Wada.
Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Sportkonferenz in Nischni Nowgorod

Russlands Präsident Wladimir Putin auf der Sportkonferenz in Nischni Nowgorod

Foto: Mikhail KLIMENTYEV/AFP

Für Russlands Präsident Wladimir Putin steht im seit Jahren andauernden russischen Dopingskandal im Vordergrund, dass Athleten seines Landes möglichst bald wieder unter russischer Flagge antreten können. Die Sportler seien darum bemüht, sicherzustellen, dass "Mängel in Bezug auf Antidoping-Themen der Vergangenheit angehören", sagte Putin auf der vom russischen Sportministerium organisierten Sportkonferenz "Russland - eine Sportmacht" in Nischni Nowgorod.

Es gehe darum, "dass sie wieder gleichberechtigt teilnehmen, ihre Fähigkeiten ohne Beschränkungen zeigen und als Vorbild für Profis und Sportler dienen dürfen - vor allem für junge Sportler".

Damit mischt sich Putin persönlich in die Diskussion um die Glaubwürdigkeit der russischen Antidopingagentur Rusada ein. "Wir kooperieren sehr aktiv mit der Welt-Antidopingagentur", sagte er: "Die Anforderungen der Wada werden in vollem Umfang erfüllt." Wegen des Skandals um Staatsdoping durften russische Mannschaften zuletzt bei einigen Großereignissen nicht antreten. Bei der Leichtathletik-WM in Katar starteten 30 Sportler unter neutraler Flagge.

Die Wada zweifelt allerdings an der Echtheit der Daten aus dem Moskauer Dopingkontrolllabor, die das Ausmaß des staatlich gelenkten Dopingprogramms im Zeitraum von 2012 bis 2015 belegen sollen. Konkret sollen nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Wada-Gremiums, Jonathan Taylor, positive Dopingtests gelöscht oder manipuliert worden sein. Rusada-Chef Jurij Ganus hat in einem SPIEGEL-Interview  diese These gestützt: "Es geht nicht darum, dass ganze Datenpakete gelöscht, sondern dass sie an verschiedenen Stellen verändert oder verschoben wurden", sagte Ganus.

Die Übergabe der Daten aus dem Labor-Informations- und Management-System (LIMS) des Moskauer Labors war eine Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Rusada in die Wada. Darin enthalten sind die Testdaten zwischen Januar 2012 und August 2015, in diesem Zeitraum sollen im Moskauer Labor systematisch positive Tests vertuscht worden sein.

Bis das zuständige Wada-Komitee am 23. Oktober tagt, muss Russland die Auffälligkeiten zufriedenstellend erklären. Die Wada hatte im Vorfeld gewarnt, "strengste Sanktionen" zu ergreifen, falls sich herausstellt, dass die Daten manipuliert worden seien. Wie eine weitere Person mit Kenntnis des Vorgangs dem SPIEGEL bestätigte, gehe die Wada derzeit den neuen Verdächtigungen nach.

krä/sid/dpa
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