Vergabe der WM 2006 Handschriftliche Notizen belasten Niersbach

War es das für Wolfgang Niersbach? Der SPIEGEL legt nun eine handschriftliche Notiz vor, die bei allem, was der SPIEGEL prüfen konnte, von dem DFB-Präsidenten stammt. In diesem Fall aber hätte Niersbach mehrmals öffentlich im Amt gelogen.
Dokument mit handschriftlichen Notizen: "Das vereinbarte Honorar für H.L.D. an Sie zu überweisen..."

Dokument mit handschriftlichen Notizen: "Das vereinbarte Honorar für H.L.D. an Sie zu überweisen..."

Wann wusste Wolfgang Niersbach über die Details einer ominösen 6,7-Millionen-Euro-Zahlung aus dem Jahr 2005 Bescheid? In der Sommermärchen-Affäre hatte der DFB-Präsident bisher eisern behauptet, vom wahren Empfänger der Summe erst im Sommer 2015 erfahren zu haben. Das Geld war vom deutschen Organisationskomitee der WM 2006 an die Fifa gegangen, offiziell deklariert als Zuschuss zu einer von der Fifa geplanten WM-Eröffnungsgala. Tatsächlich floss die Summe aber nur an den Weltverband, um von dort gleich an den französischen Milliardär und Ex-Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus weitergeleitet zu werden. Dieser hatte das Geld Jahre vorher den deutschen WM-Machern geliehen und wollte es zurück.

Wofür die Millionen von Louis-Dreyfus vorher ausgegeben worden waren, ist das größte bisher ungelöste Rätsel der Affäre. Der Kauf von Stimmen, damit Deutschland im Jahr 2000 den Zuschlag für die WM bekam, wird vom DFB bestritten, ist aber unverändert eine plausible Variante.

Fest steht dagegen, dass DFB-Präsident Niersbach in einer Pressekonferenz vor zwei Wochen mehrfach behauptet hatte, von der Rückzahlung an Louis-Dreyfus 2005 nichts gewusst zu haben, obwohl er als Vize im WM-Organisationskomitee saß. Erst in diesem Sommer will er davon erfahren haben. Allein in einer nur wenige Sekunden dauernden Fragenstaffette beteuerte er dreimal hintereinander, damals davon keine Ahnung gehabt zu haben.

Deutliche Übereinstimmung der Schriftproben

Das vom SPIEGEL nun erstmals im Faksimile vorgelegte Papier besagt augenscheinlich das Gegenteil. Es stammt aus dem November 2004 und enthält eine Handschrift, bei der es sich nach Angaben von Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger und eines Ex-Mitarbeiters von Niersbach eindeutig um die Handschrift des Präsidenten handelt. Der SPIEGEL hat zudem selbst Niersbach-Schriftproben zum Vergleich herangezogen.

Die handschriftliche Anmerkung ergänzt einem gedruckten Text mit den Worten "das vereinbarte Honorar für H.L.D. an Sie zu überweisen mit der Bitte um Weiterleitung auf folgendes Konto": Das H.L.D. steht dabei für Herrn Louis-Dreyfus. Wenn Niersbach tatsächlich der Verfasser ist, hat er damit nicht nur gewusst, wer das Geld bekommen sollte, Louis-Dreyfus nämlich, sondern war sogar aktiv am Zahlungsmanagement beteiligt.

Am vergangenen Mittwoch hatte der SPIEGEL das Papier Niersbach vorgelegt und ihn gefragt, ob er die handschriftliche Anmerkung gemacht habe. Niersbach ließ daraufhin lediglich ausrichten, dass er diese und alle anderen Fragen zum Sachverhalt zunächst den Ermittlungsbehörden und der vom DFB für die Aufklärung engagierten Rechtsanwaltskanzlei beantworten wolle.

Sollte sich allerdings bestätigen, dass Niersbach der Verfasser der Notiz war, dürfte er sich im Ehrenamt des Präsidenten kaum noch halten lassen. Bei seiner Pressekonferenz vor zwei Wochen hatte er zuvor ausdrücklich mit den Worten um Vertrauen geworben, er wolle die Fragen offen und ehrlich beantworten. Stattdessen hätte er die Öffentlichkeit gleich in Serie belogen. Genau das hatte ihm sein Vorgänger Zwanziger kürzlich schon vorgeworfen, ohne dass Niersbach dagegen bisher vorgegangen wäre.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.