Erneut Kritik wegen WM-Baustellen in Katar Mörderische Hitze

Gastgeberland Katar und Fußball-Weltverband Fifa tun zu wenig: Die Lage auf den Baustellen für die WM 2022 ist immer noch desaströs, warnt Human Rights Watch. Der Tod vieler Hunderter Arbeiter werde nicht aufgeklärt.
Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Katar

Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Katar

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MARWAN NAAMANI/ AFP

Ausbeutung, missachtete Menschenrechte, schlechte Arbeitsbedingungen: Beim Bau der Stadien zur Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ist das Normalität - obwohl diese Missstände immer wieder kritisiert wurden. Jetzt erhebt die internationale Organisation Human Rights Watch (HRW) erneut schwere Vorwürfe gegen das Ausrichterland am Golf und den Weltverband Fifa. Risiken der großen Hitze und Feuchtigkeit auf den Baustellen würden ignoriert, die Ursache von Todesfällen nicht ausreichend untersucht.

In einem neuen Report prangert die Organisation an , dass es zwar Fortschritte gebe, diese jedoch längst nicht ausreichten. Vor allem die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufgrund der enormen Hitze auf den WM-Baustellen in Katar würden nicht genügend beachtet und weiterhin zu Todesfällen führen.

"Das Versagen der katarischen Behörden, elementaren Schutz vor der Hitze einzurichten, die Empfehlung zu ignorieren, die Todesfälle zu untersuchen und die Verweigerung Daten darüber freizugeben, stellen eine vorsätzliche Verantwortungslosigkeit dar", sagte der Autor des Berichts Nicholas McGeehan.

Die Fifa genauso wie nationale Fußballverbände müssten deutlich machen, dass sie lebensschützende Veränderungen in Gesetzen und in der Praxis verlangten - so dass ein Vorbild gesetzt werde, wie das Leben von WM-Arbeitern heute und in Zukunft geschützt werden könne, verlangte Sarah Whitson, HRW-Chefin für den Mittleren Osten. "Für den Schutz der Gesundheit und des Lebens der Bauarbeiter in Katar sind ausreichende Restriktionen bei der Arbeit im Freiland und regelmäßige Untersuchungen und Informationen über den Tod von Arbeitern unerlässlich."

Konkret forderte Whitson, dass in Katar Arbeitszeiten auf Phasen mit einer sicheren Temperaturlage limitiert werden - ohne starr auf Kalenderdaten oder Uhrzeiten zu achten. Dies würde helfen, Hunderttausende Arbeiter abzusichern, sagte sie.

Schon vergangenes Jahr hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Vorwürfe gegen die Fifa wegen der Ausbeutung von Gastarbeitern auf WM-Baustellen in Katar erhoben. Angesichts von Zwangsarbeit, niedrigen Gehältern, armseligen Arbeitslagern und dem Entzug von Pässen sowie der Verweigerung der Ausreise von Arbeitern kritisierte Amnesty, es mangele dem Weltverband an Interesse an den Problemen, es fehle ein "ernstgemeinter Einsatz" zur Bekämpfung der Menschenrechtsverletzungen und des unwürdigen Umgangs mit den beim Stadionbau eingesetzten Arbeitern.

Pausenregeln reichen nicht aus

Nun legt HRW nach, was die gesundheitsschädliche Arbeitssituation anbelangt: Die Organisatoren hätten zwar mit Blick auf die große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit mittlerweile ein besseres Verhältnis von Arbeitszeiten und Pausen festgelegt, erkennt die Menschenrechtsorganisation an.

Diese Regeln würden jedoch nur für die direkt an den WM-Baustellen tätigen Arbeiter gelten. Dies seien etwas mehr als 12.000 Menschen, die jedoch nur rund 1,5 Prozent der im Emirat tätigen Bauarbeiter ausmachten. Eine Großzahl an Arbeitern dürfte beispielsweise zum Aufbau der Infrastruktur eingesetzt werden und damit nicht direkt an den Stadien, gibt HRW zu bedenken.

Arbeiter in Katar sollen nicht im Freien arbeiten zwischen 11.30 und 15 Uhr von Mitte Juni bis Ende August. Daten zur Situation in Katar zeigten jedoch, warnt HRW, dass auch außerhalb dieser Zeiten die Temperaturen auf dem Außengelände gefährlich hoch stiegen. Generell werde selten weniger als 30 Grad Celsius erreicht. Die Organisationen müssten daher dafür sorgen, dass die Arbeitszeiten je nach tatsächlicher Temperaturlage angepasst würden, fordert die Organisation.

Scharfe Kritik übt HRW daran, dass Katar kaum für die Aufklärung der Ursache von hunderten Toten auf den WM-Baustellen des Emirats sorge. Die Darstellung der Todesfälle von Wanderarbeitern, sei undurchsichtig und oberflächlich. Es fehlten Autopsien, um die Todesursachen herauszufinden. Katar beschäftigt vor allem Menschen aus Bangladesh, Indien und Nepal beim Bau der WM-Stadien.

kig
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