WM total Klitschkos wollen Vier-Titel-Könige werden
Liebesgrüße statt Kampfansagen. Als Don King vor dem WM-Titelkampf zwischen Wladimir Klitschko und Pflichtherausforderer Ray Austin über den Videowürfel seine Botschaft verkündete, konnten sich viele der 16.000 Zuschauer in der ausverkauften Mannheimer SAP-Arena ein Lachen nicht verkneifen. "Ich liebe die Klitschkos. Sie sind große Geschäftsmänner, und ich liebe alle großen Geschäftsleute", tönte der bekannteste Box-Promoter der Welt. Es klang ungefähr so glaubhaft wie einst Stasi-Chef Erich Mielke, als der den DDR-Bürgern versicherte: "Ich liebe Euch doch alle." Schließlich hatte King vor dem Kampf um den IBF-WM-Titel noch prophezeit, dass sein Schützling "Klitschko fertig machen wird".
Der Titelverteidiger ließ sich von diesen Drohungen allerdings nicht einschüchtern und schickte seinen Gegner bereits nach 1:25 Minuten der zweiten Runde mit drei linken Haken in die Seile. Der Ringrichter entschied auf technischen K.o. Damit bleibt Klitschko Weltmeister. Doch schon eine Stunde nach der erfolgreichen Titelverteidigung wollte Klitschko lieber über die Zukunft als über seinen Blitz-K.o. reden. Auf der Pressekonferenz ließen der Ukrainer und dessen Manager Bernd Bönte dem Kampf neue Kampfansagen folgen. Adressat: Don King. Denn Klitschkos Ziel ist es, gemeinsam mit seinem Bruder alle vier Schwergewichts-WM-Titel zu vereinen. Dieser Weg führt zwangsläufig über King, der zwei der aktuellen Titelträger unter Vertrag hat - den WBO-Champion Shannon Briggs und, zumindest anteilig, den Russen Nikolai Valuev.
"Ich sehe leider meinen Gegner und dessen Promotor nicht. Ich weiß nicht, woran das liegt", sagte Gentleman Klitschko zu Beginn der Pressekonferenz in Mannheim. Zu diesem Zeitpunkt hatte längst ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma durch den ganzen Raum gebrüllt, dass Austin und King den offiziellen Termin schwänzten. "Uns hat keiner Bescheid gesagt", so die Ausrede des Gegners, der nach seinem blamablen Aufritt von den Zuschauern als Fallobst beschimpft wurde. Im Gegensatz zu seinem Klitschko kam Manager Bönte sofort aus der Deckung: "Dieses Verhalten ist ein Zeichen für die Qualität von Don King. Damit knüpft King an die schwache Leistung seines Kämpfers nahtlos an", so Bönte.
Am liebsten gegen Valuev
Danach forderten sowohl Klitschko als auch sein Manager vehement ein Duell mit Valuev. Der WBA-Weltmeister gehört je zu 50 Prozent Don King und dem deutschen Promoter Sauerland. Am 14. April verteidigt der "russische Riese" seinen Gürtel gegen den Universum-Boxer Ruslan Chagaev. Klitschko machte keinen Hehl daraus, dass er Valuev die Daumen drückt. "Aus marketingtechnischen Gründen würde ich lieber gegen Nikolai antreten. Ich glaube auch, dass die Leute diesen Kampf lieber sehen würden", sagte der promovierte Sportwissenschaftler. Dass es noch in diesem Jahr zu dem Megafight kommen könnte, wie Bönte in Aussicht stellte, darf allerdings bezweifelt werden. Nicht wenige trauen Chageav eine reelle Chance gegen Valuev zu. Der Kampf im April wird sicher länger dauern, als der Fight zwischen Klitschko und Austin.
Die neue Kommunikationsstrategie im Hause Klitschko lautet in jedem Fall: Volle Fahrt voraus. "Wir wollen diesen Kampf unbedingt und werden alles dafür tun", sagte Klitschko mit ernster Miene und forderte öffentliche Hilfe: "Wenn die Fans und die Medien dieses Duell wollen, dann wird kein Promoter ein Aufeinandertreffen verhindern können." Das war eine Kampfansage in Kings Richtung. Bönte legte nach und plauderte unverblümt aus, dass man bereits im vergangenen Jahr mit dem mächtigen Pay-TV-Sender HBO verhandelt habe, ehe Don King mit seinem Veto die Gespräche auf Eis legte. "Er will seine Weltmeister nicht verlieren, sie sind seine Geldquellen", sagt Bönte.
Lennox Lewis will nicht mehr
King weiß genau, dass weder Valuev noch Briggs große Chancen gegen Wladimir Klitschko hätten. WBO-Champ Briggs gilt als schwächster aktueller Titelträger der vier Verbände. King sieht zudem eine zweite Front auf sein Imperium zukommen. Nach dem für dieses Jahr angekündigte Comeback von Wladimirs älterem Bruder Witali (36) könnte King seine WM-Titel schon in den kommenden Monaten los werden. "Unser Ziel ist es, gemeinsam Weltmeister zu werden", so die Devise der Boxbrüder, die sich seit einigen Jahren selbst vermarkten - und vor Jahren ein Angebot von King ausschlugen. Witali Klitschko will unbedingt im Juni den ersten Schritt dahin tun und WBC-Weltmeister Oleg Maskaev den Titel abnehmen. Dafür müsste er allerdings dem US-Amerikaner Samuel Peter sein Herausforderungsrecht abkaufen. Bislang sollen drei Millionen Euro auf dem Verhandlungstisch liegen. Peter übrigens steht bei Don King unter Vertrag.
Fritz Sdunek, der Wladimir sieben Jahre trainierte und momentan Witali auf sein Comeback vorbereitet, traut den beiden Großes zu. "Das Ziel, gemeinsam Weltmeister zu werden, ist durchaus realistisch", sagt Sdunek SPIEGEL ONLINE. "Alle vier Titel zu vereinigen, wird aber schon aus logistischen Gründen schwierig". Der Universum-Trainer ist skeptisch, ob es im Falle einer erfolgreichen Titelverteidigung wirklich zu einem Duell zwischen Wladimir und Valuev kommt: "Das ist immer eine Sache der Promoter. Doch wie ich Don King kenne, wird er schwach werden, wenn genug Geld auf dem Tisch liegt."
Das wird auch Lennox Lewis nachgesagt, der kurz nach seiner erfolgreichen Titelverteidigung gegen Witali Klitschko 2003 zurücktrat und seitdem für HBO Boxkämpfe kommentiert. Sdunek glaubt indes nicht daran, dass man den Briten mit viel Geld noch mal aus dem Ruhestand zurück holen kann: "Ich habe gestern lange persönlich mit ihm gesprochen. Er hat gesagt, dass er definitiv nicht in den Ring zurückkehren wird."