World Cup Deutsche Handballer verpassen Halbfinale

Deutschlands Handballer haben beim World Cup Lehrgeld bezahlt. 85 Tage vor dem Start der WM im eigenen Land verlor das ersatzgeschwächte Team gegen den EM-Dritten Dänemark in Bremen deutlich und verspielte den Sprung ins Semifinale der "Mini-WM".


Bremen - Nach der zweiten Niederlage im abschließenden dritten Gruppenspiel spielt die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) am Wochenende in Schweden um die Plätze 5 bis 8. Erster Gegner in der Trostrunde ist am Samstag in Helsingborg Außenseiter Griechenland (11.00 oder 13.00 Uhr). Anschließend wartet Tunesien oder Serbien auf die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand. Im Halbfinale treffen am Samstag Schweden und Kroatien (15.00) sowie Tunesien und Dänemark (17.00) aufeinander.

Halbfinale verpasst: Holger Glandorf bleibt hängen
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Halbfinale verpasst: Holger Glandorf bleibt hängen

Vor 4000 Zuschauern im AWD-Dome konnten auch Markus Baur (6/4 Tore) und Michael Hegemann und (4/beide Lemgo) den Sieg der mit vier Bundesliga-Legionären angetretenen Dänen nicht verhindern. Einen Tag nach der 27:30-Niederlage gegen Olympiasieger Kroatien, der sich durch ein 41:26 (19:11) gegen Serbien die Halbfinalteilnahme sicherte, machte sich die Unerfahrenheit des Olympia-Zweiten bemerkbar. Nur ein Erfolg mit mindestens zwei Toren Unterschied hätte dem ehemaligen Europameister im Duell mit Dänemark noch den Sprung ins Halbfinale bescheren und die Chance auf den dritten Triumph beim World Cup nach 1999 und 1988 erhalten können.

Zwar erwies sich der diesmal für Stammkeeper Henning Fritz
(Kiel) von Beginn an eingesetzte Johannes Bitter (Magdeburg/8
Paraden) in der erstem Halbzeit als würdiger Ersatz. Doch die
neuformierte 5:1-Abwehrformation zeigte folgenschwere Schwächen. Bezeichnend, dass die DHB-Auswahl in den ersten 15 Minuten sogar zwei Gegentore in Überzahl kassierte. Die routinierten Dänen nutzen die Abstimmungsprobleme der Brand-Schützlinge, bei denen sich diesmal der Ausfall von sieben verletzten Spielern bemerkbar machte, und zogen auf 11:6 (18.) vorentscheidend davon.

Dagegen zeigte sich der deutsche Rückraum um den
Hamburger Pascal Hens zumeist wenig durchschlagskräftig und
scheiterte immer wieder an Dänemarks Torhüter Kaspar Hvidt. Auch nach dem Wechsel vergab das deutsche Team zu viele Torchancen und kam nicht mehr näher als auf drei Tore heran.

Unabhängig von der Abschlussplatzierung hat der WM-Testlauf
für die dezimierte deutsche Mannschaft bereits einen Zweck erfüllt. Besonders wegen der "schönen Erfahrungen" (Brand) bei der knappen Niederlage gegen Kroatien hofft der Bundestrainer auf den notwendigen Lerneffekt. "Wir haben zwischenzeitlich mit fünf Toren geführt und gedacht, dass das so weiter geht. So zu denken, das ist gegen eine Mannschaft mit solchen Klasse-Individualisten tödlich", analysierte ein dennoch zufriedener Brand nach der Neuauflage des Olympischen Finales von Athen 2004.

Erleichterung herrscht zudem über den Formanstieg von Keeper
Fritz, der in den ersten beiden Partien überzeugte. Der 32 Jahre
alte Weltklasse-Schlussmann ist derzeit beim THW Kiel hinter dem französischen Europameister Thierry Omeyer nur zweite Wahl - bei Brand bleibt er aber weiterhin die Nummer eins vor Carsten Lichtlein (Lemgo) und Bitter. "Es ist gerade in dieser schwierigen Situation wichtig, dass mir Heiner das Vertrauen schenkt und mich anfangen lässt", meinte Europameister Fritz.

kai/sid



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