WSOP-Überraschung Saout "Er war der Beste"

Auch wenn es wehtut: Ein Franzose hielt die Fahne Europas bei der Poker-WM hoch. Antoine Saout kannte vorher niemand, jetzt hat selbst die Weltelite Respekt vor ihm. SPIEGEL ONLINE sprach mit dem Mann.

Von Lasse König


Dieses ausdruckslose Gesicht. Es gibt viele Berufe, in denen wäre Antoine Saout gnadenlos gescheitert. Als Schauspieler könnte er maximal einen Toten spielen oder einen Soldaten aus der Terrakotta-Armee. Oder man stelle sich vor, er würde an der Kasse arbeiten. Oder im Kindergarten. Nicht mal in einer Bank hätten sie ihn eingestellt - welcher Kleinsparer vertraut sein Geld schon einem Roboter an?

Aber zum Glück ist der Mann Pokerprofi geworden. Und sein Gesicht sein bestes Werkzeug. Wie ein dünner Schleier scheint sich Lethargie über die Augen des 25-jährigen Franzosen zu legen, dazu die gottgegebene Unbeweglichkeit der Gesichtsmuskulatur - wer einen Bluff bei Antoine Saout erkennen will, kann auch versuchen, einen Stein zum Lachen zu bringen. Unmöglich.

Am WSOP Final Table schaffte es Saout so - völlig unbemerkt von allen - plötzlich Chipleader zu sein. Es gelang ihm, dass nachher sowohl der Zweite Darvin Moon als auch der Sieger Joe Cada mehr oder weniger peinlich berührt schienen, dass sie und nicht der Franzose es ins Headsup geschafft hatten.

Doch Saout sah das alles nicht so eng. Wirklich gefasst wirkte er, als SPIEGEL ONLINE ihn in der Lobby des Rio am Tag nach dem Ausscheiden zum Videointerview traf. Er sprach über Stolz, seine Ziele, Ignoranz in der Heimat und auch über den Glückspilz Cada, der zweimal mit der schlechteren Hand gegen ihn gewann. Böse könne er ihm nicht sein, sagte Saout und guckte total normal. Also unbeweglich.



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