Yokozuna & Co. Das kleine Sumo-ABC

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Die Yobidashi sind die "Mädchen für alles" im Sumo. Sie rufen nicht nur die Kämpfer in den Ring, sie überwachen zudem den Bau des Kampfpodestes, pflegen ihn während der Turniere und reinigen den Ring am Ende des Tages. Ihre markante Kleidung besteht aus einer Jacke mit weiten Ärmeln und einer Pumphose.

Basho: So heißen die sechs jährlich in Japan stattfindenden Profiturniere. Drei werden in der größten Sumo-Halle Nippons, im Tokioter Kokugikan, ausgetragen, die restlichen Turniere richten Fukuoka, Osaka und Kyushu aus. Jedes Basho dauert 15 Tage.

Chanko-Nabe: Das traditionelle Sumo-Essen ist sehr vitamin- und nährstoffreich. Der Eintopf wird hauptsächlich aus Fisch, Fleisch und Tofu zubereitet. Dazu werden Unmengen an Reis gereicht. Ein Ringer nimmt durch Chanko-Nabe etwa 8000 Kilokalorien am Tag zu sich. Wichtig dabei: Unmittelbar nach der Mahlzeit wird ein Schläfchen gehalten, damit die Gewichtszunahme nicht durch unnötige Bewegung gestört wird.

Dohyo: Der Trainings- und Kampfpodest besteht aus etwa 40 Tonnen gestampftem Lehm und einer dünnen Sandschicht, die den Schiedsrichtern jeden Fußtritt der Ringer anzeigt. Der Dohyo hat einen Durchmesser von 4,60 Meter. Die vier Ecken stehen für das Weltall, das kreisrunde Innere für die Erde. Das Dach des Kampfringes kennzeichnet den heiligen Ort, die farbigen Kordeln an jeder Ecke des Dohyo-Daches symbolisieren die vier Himmelsrichtungen.

Friseure: Die Tokoyama sind für den Sport so wichtig wie die Schiedsrichter oder die Sumo-Ringer selbst. Die hoch qualifizierten Spezialisten werden in ihrer mehr als acht Jahre dauernden Ausbildung geschult, die kunstvollen Haarknoten in Form eines Gingko-Blattes zu flechten. Doch auch danach müssen sich die Friseure in strenge Hierarchien einordnen. So kann es Jahrzehnte dauern, bis ein Tokoyama in der höchsten Liga tätig sein darf.

Gyoji: Die Schiedsrichter genießen im japanischen Nationalsport allerhöchsten Respekt; jede Entscheidung des Gyoji gilt als unantastbar. Die Schiedsrichter tragen einen kleinen Dolch am Gürtel, der sie daran erinnern soll, bei einer Fehlentscheidung Seppuku zu begehen. Doch rituelle Selbstmorde gibt es heute nicht mehr - von Gyojis wird lediglich erwartet, nach schwachen Leistungen ein Rücktrittsgesuch beim Verband einzureichen.

Heya: Ist am ehesten mit Stall zu übersetzen. Ähnlich einem Boxstall trainieren die Ringer zusammen, doch in einem Heya wohnen und essen die Sumotori auch gemeinsam. Das Familienoberhaupt in einem Heya ist der Oyakata, meist ein ehemaliger Kämpfer, der vom Verband die Erlaubnis bekommen hat, einen Heya zu eröffnen. Auch hier herrschen strenge Hierarchien: Jüngere Kämpfer werden den erfahrenen zugeteilt und dürfen fortan neben Reinigungsarbeiten vor allem eins tun: Das Essen zubereiten.

Keiko: Das Training der Sumotori beginnt in der Regel um 8 Uhr morgens mit dem Matawari. Bei dem Spagat, der für jeden Kämpfer eine Pflichtübung ist, müssen die Ringer mit dem Oberkörper den Boden berühren. Später folgen das seitliche Aufstampfen mit den Füßen sowie Kraft- und Fallübungen. Nach etwa drei Stunden endet das Training mit einem Gemeinschaftsbad.

Mongolei: Mongolen sind im Sumo auf dem Vormarsch. Der aktuelle Großmeister Asarshoyu, mit bürgerlichem Namen Dolgorsuren Dagvadorj, stammt aus dem ehemaligen Reich von Dschingis Khan. Mittlerweile kämpfen fünf Mongolen in beiden japanischen Profiligen.

Nihon Sumo Kyokai: Der Japanische Sumo-Verband ist die Organisation in Nippon, die für das professionelle Sumo verantwortlich ist. Die Vereinigung hat ihren Sitz in Tokio, nennt ein Museum sein Eigen, besitzt eine Sumo-Schule und ein eigenes Krankenhaus. Der NSK untersteht dem japanischen Bildungsministerium.

Respekt: Sumo ist ein Sport, der die Achtung vor dem Konkurrenten groß schreibt. Aus diesem Grund verneigt sich jeder Kämpfer zu Beginn vor dem Gegner. Zudem geht der siegreiche Sumotori vor dem Unterlegenen in die Hocke, um ihm seine Achtung zu zollen.

Sumo: Abgeleitet von sumafo ("sich wehren"). Vor mehr als tausend Jahren zum ersten Mal in japanischen Chroniken erwähnt. Ursprünglich wurde Sumo auf dem Land betrieben, um die Götter gnädig zu stimmen und eine gute Ernte einzufahren. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde das rituelle Sumo dann durch herrschende Shogune zur Kampftechnik gemacht und in die militärische Grundausbildung aufgenommen. Später wurde Sumo zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Japan und gilt auch heute - neben Baseball - immer noch als Nationalsport.

Uwate-nage: Eine von etwa 70 erlaubten Techniken, den Gegner zu besiegen. Der Uwate-nage ist ein Unterarmwurf, bei dem der Gegner am Gürtel (Mawashi) festgehalten und zu Boden geschleudert wird.

Tsuki-dashi: Eine weitere Technik. Beim Tsuki-dashi schlägt der Sumotori abwechselnd und mit den Handflächen gegen den Körper des Widersachers, um ihn so aus dem Ring zu schieben.

Yokozuna: Der höchste Rang, den ein Sumotori erreichen kann. In mehr als 100 Jahren gab es erst 68 Großmeister. Der letzte, den der NSK in diesen Rang erhob und gleichzeitig der einzig aktuelle ist der Mongole Asarshoyu. Der Mann aus Ulaan-Bator ist bereits der dritte Nicht-Japaner als Yokozuna, doch lediglich die Ernennung des gebürtigen Hawaiianers Akebono galt noch als Tabubruch. Im Gegensatz zu den nach unten folgenden Rängen Ozeki, Sekiwaki, Komusube und Maegashira kann ein Kämpfer den Rang des Yokozunas nie mehr verlieren. Lassen die Leistungen des Großmeisters - was selten vorkommt - bei den sechs Turnieren jedoch deutlich nach, wird sein Rücktritt erwartet.