Zehnkampf Busemann hat Bronze im Visier

Frank Busemann liegt nach dem ersten Tag des Zehnkampfs in Sydney auf einem sechsten Platz. Vom ersehnten dritten Platz trennen ihn nur 144 Punkte.


Hatte beim Hochsprung allen Grund zur Freude: Zehnkämpfer Frank Busemann
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Hatte beim Hochsprung allen Grund zur Freude: Zehnkämpfer Frank Busemann

Sydney - Frank Busemann nimmt vier Jahre nach seinem Sensations-Silber von Atlanta beim olympischen Zehnkampf in Sydney erneut Edelmetall ins Visier. "Die ersten beiden Plätze sind weg. Bronze wird schwer, aber ich werde alles versuchen, auch wenn das bislang nur ein durchschnittlicher Wettkampf war", sagte der 25 Jahre alte Dortmunder, der nach dem 400-Meter-Lauf erschöpft auf dem Boden gelegen hatte und eine "Eis-Massage" von Mannschaftsarzt Karlheinz Graff genoss.

Noch vor Wochen hing der Start des deutschen Zehnkampf-Stars wegen einer Stressreaktion im linken Mittelfußknochen am seidenen Faden - wie sooft drohte eine Verletzung den Dortmunder zurückzuwerfen. Entsprechend positiv fiel die Bilanz von Vater und Trainer Franz-Josef zur Halbzeit aus: "Ich fand den ersten Tag unter diesen Vorzeichen sehr gut. Frank hat sich hohe Ziele gesetzt. Er hat gemerkt, dass diese nicht leicht zu erreichen sind."

Doch der sechste Rang (4.361 Punkte) hielt Busemann zumindest die Medaillen-Tür offen. Zumal ein angeschlagener Weltrekordler und Weltmeister Tomas Dvorak mit Leisten- und Patellasehnenproblemen früh im Kampf um Gold auf der Strecke geblieben war. Während sich im Kampf um die Nachfolge des Amerikaners Dan O´Brien ein Duell zwischen dem Briten Dean Macey (4.546) und dem Esten Erki Nool (4.505) abzeichnete, machten Stefan Schmid als vorläufiger Zwölfter (4.142) und Mike Maczey als 19. (4.030) nach anfänglichen Problemen eine gute Figur.

"Eigentlich war es Scheibenkleister, aber eigentlich doch ganz gut. Hauptsache in den Wettkampf gekommen und nicht so ein Mist wie im letzten Jahr", sagte Busemann nach seinen 10,91 Sekunden bei Gegenwind über 100 Meter auf regennasser Bahn. An das bittere Aus in Sevilla 1999, wo der Zehnkämpfer im 100-Meter-Lauf einen Einriss der Muskelfaser im linken Oberschenkel erlitten hatte, verschwendet Busemann keine Gedanken mehr. Einmal nur hatte er im Trainingslager an der Goldküste wegen einer Erkältung den Weitsprunganlauf kontrolliert - 7,64 Meter waren unter diesen Umständen fast Gold wert. Im Kugelstoßen bedeuteten 14,52 Meter sogar das zweitbeste Ergebnis in einem Zehnkampf.

Und spätestens als die Hochsprunglatte bei der eingestellten persönlichen Bestleistung von 2,09 Metern liegen geblieben war, strebte der Dortmunder nach Höherem. "Beim 400-Meter-Lauf bin ich wohl für meinen jugendlichen Leichtsinn bestraft worden", sagte Busemann nach seinen 48,97 Sekunden. Allerdings war er in seinem zwölften Zehnkampf der Karriere nur 51 Punkte von dem Zwischenresultat auf dem Weg zu seiner deutschen Jahresbestleistung in Götzis am 4. Juni (8.531) entfernt.

Dagegen war der große Favorit Dvorak nur ein Schatten seiner selbst. Er musste seine Goldchancen spätestens nach dem Hochsprung (1,97) begraben und wirkte nach seinen 49,11 Sekunden zum Abschluss desillusioniert.



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