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18. August 2004, 17:20 Uhr

Zeitfahren

Jan Ullrich enttäuscht als Siebter

Als großer Goldfavorit war Radprofi Jan Ullrich auf der 48 Kilometer langen Zeitfahrstrecke an den Start gegangen. Im Ziel lag er mehr als anderthalb Minuten hinter Olympiasieger Tyler Hamilton aus den USA zurück.

Abgeschlagen: Jan Ullrich verpasste im Zeitfahren eine Medaille
DPA

Abgeschlagen: Jan Ullrich verpasste im Zeitfahren eine Medaille

Athen - Ullrich benötigte 59:02,04 Minuten und war in der Endabrechnung nur Siebter, nur ganz knapp vor seinem T-Mobile-Kollegen Santiago Botero aus Kolumbien, was Ullrich nicht als Auszeichnung verstehen dürfte. Gold gewann Hamilton in der Zeit von 57:31,74 Minuten. Silber ging an den Russen Wjatscheslaw Jekimow (57:50,58), der vor vier Jahren in Sydney gesiegt hatte. Hamiltons Landsmann Bobby Julich gewann Bronze in 57:58,19 Minuten.

Wortlos und mit versteinerter Miene verließ Ullrich nach dem Debakel den Zielbereich, ehe er sich dem Fernsehen stellte: "Vielleicht hätte ich mir nach Tour ein paar Tage Pause gönnen sollen, die anschließenden Weltcuprennen haben doch an den Kräften gezehrt."

Vier Jahre nach Gold (Straßenrennen) und Silber (Zeitfahren) in Sydney blieb Ullrich diesmal also ohne olympische Medaille. Bereits am Samstag war er mit einem 19. Platz im Straßenrennen hinter den Erwartungen zurück geblieben. Auch aus der Abwesenheit seiner größten Zeitfahrkonkurrenten, dem sechsfachen Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong und dem Dopingsünder David Millar aus Schottland, konnte Ullrich kein Kapital schlagen. Bester Deutscher war Michael Rich in 58:09,46 Minuten auf Platz fünf. Dieser fand als erster eine Entschuldigung für die unerwartet schwache Leistung Ullrichs: "Man muss bei Ullrich auch bedenken, dass er sich im Gegegensatz zu vielen anderen Fahrern, die heute am Start waren, im Straßenrennen nicht geschont hat. Das steckte ihm noch in den Knochen."

Ullrich kündigt WM-Start an

Um die Saison noch mit einem Sieg zu retten, hat Ullrich seinen Start bei den Weltmeisterschaften vom 28. September bis 3. Oktober in Verona angekündigt. "Ich werde am Sonntag noch die Meisterschaft von Zürich fahren, dann zwei Wochen Pause machen und dann bei der WM angreifen", erklärte der 30-Jährige.

Im Frauen-Wettbewerb hatte Judith Arndt zuvor ihre angepeilte zweite Medaille verpasst. Nach Silber im Straßenrennen blieb der 28-jährigen WM-Zweiten aus Leipzig beim 24 Kilometer langen Zeitfahren in 32:46 Minuten nur Rang elf. Gold ging an die 34-jährige Titelverteidigerin Leontien van Moorsel aus den Niederlanden, die im Straßenrennen schwer gestürzt war. Silber holte Deirdre Demet-Barry aus den USA vor der Schweizerin Karin Thürig.

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