Springreiter verpassen nach Sturz WM-Medaille »Wahrscheinlich der peinlichste Moment in meinem Leben«

»Das Pferd sprang zu gut«: Das Minimalziel ist mit der Olympia-Qualifikation für die deutschen Springreiter geschafft – doch nach dem WM-Springen sprachen alle nur vom spektakulären Sturz des Europameisters.
Springreiter André Thieme, Pferd Chakaria: Der Sturz ging für Mensch und Tier zwar glimpflich aus, kostete Thiemes Team aber eine Medaille

Springreiter André Thieme, Pferd Chakaria: Der Sturz ging für Mensch und Tier zwar glimpflich aus, kostete Thiemes Team aber eine Medaille

Foto: Stefan Lafrentz / IMAGO

André Thieme raufte sich die Haare und war fassungslos. Nach einem Sturz des Europameisters verpasste die deutsche Springreiter-Mannschaft bei den Weltmeisterschaften in Dänemark eine Medaille. »Das ist wahrscheinlich der peinlichste Moment in meinem Leben, weil ich weiß, wer da alles zugeschaut hat«, sagte der Springreiter.

Der Europameister schied nach dem Sturz mit Chakaria aus. Christian Ahlmann aus Marl sicherte als letzter Reiter mit seinem Pferd Dominator der Mannschaft von Bundestrainer Otto Becker in Herning immerhin den fünften Platz und damit die Olympia-Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Thieme musste den Parcours zu Fuß verlassen

Gold ging vor rund 10.000 Zuschauern im umgebauten Fußballstadion des FC Midtjylland an Schweden.

»Das ist einfach nur schade für die Mannschaft«, sagte Thieme zu seinem Sturz vom Pferd. »Ich bin enttäuscht von mir selbst. Ich bin auf dem Boden gelandet und wusste nicht, was passiert ist.« Dem Pferd sei aber immerhin nichts passiert.

»Die Stute ist einfach in die Luft gegangen und hat einen abnormalen Sprung gemacht, sodass ich einen unter den Arsch gekriegt habe«, beschrieb er die Szene des Tages. »Und mit einem Mal war es passiert, mit einem Mal war sie weg.« Thieme musste zu Fuß den Parcours verlassen.

Thieme musste den Parcours zu Fuß verlassen

Thieme musste den Parcours zu Fuß verlassen

Foto: Stefan Lafrentz / IMAGO

»Das ist nicht zu erklären«, kommentierte der Reiter, der im Vorjahr noch im westfälischen Riesenbeck der umjubelte Europameister geworden war. »Ich bin einfach daneben gelandet, das war's.« Lakonisch fügte er an. »Das Pferd sprang zu gut.«

»Es ist einfach nur traurig, weil ich etwas für die Mannschaft tun wollte«, sagte Thieme. Er hätte sich sogar ohne den Sturz einen Abwurf leisten können, dann hätte das Team sogar noch Bronze geholt. So gewann Schweden vor den Niederlanden und Großbritannien. »Die Träume wurden jäh beendet«, sagte Bundestrainer Otto Becker: »Das ist bitter.«

Zuletzt hatte es Bronze vor vier Jahren bei den Titelkämpfen in Tryon, North Carolina, gegeben. Die bisher letzte der drei Goldmedaillen gelang Deutschland in Lexington, Kentucky, 2010, bei der ersten WM mit Becker als Bundestrainer.

Eine weitere Medaillenchance gibt es am Sonntag. In zwei weiteren Runden wird der Einzelweltmeister ermittelt. Bei gleicher Punktzahl der Führenden würde es ein Stechen geben. Das früher übliche Finale mit Pferdewechsel ist abgeschafft worden. Zuletzt hatte vor vier Jahren in den USA Simone Blum aus dem bayerischen Zolling mit Alice Gold gewonnen.

ara/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.