Super-Bowl-Verlierer San Francisco 49ers Im entscheidenden Moment nur gewöhnlich

In den letzten Minuten werden beim Super Bowl Superstars gemacht. Quarterback Jimmy Garoppolo weiß das - doch er konnte den San Francisco 49ers nicht helfen. Ob er eine zweite Chance bekommt, ist unklar.
Aus Miami berichtet Heiko Oldörp
Für Jimmy Garoppolo (links) endete der wichtigste Abend seiner bisherigen Karriere mit einer Niederlage

Für Jimmy Garoppolo (links) endete der wichtigste Abend seiner bisherigen Karriere mit einer Niederlage

Foto: Matt York/ AP

Auf diesen Augenblick hatte Jimmy Garoppolo lange gewartet. Als im Super Bowl LIV von Miami noch 2:39 Minuten zu spielen waren, bekam der Quarterback der San Francisco 49ers die Chance, die er haben wollte. Nun hätte er zeigen können, dass er zu den größten Spielern gehört. Die Kansas City Chiefs waren durch einen Touchdown von Damien Williams 24:20 in Führung gegangen, dreieinhalb Minuten zuvor hatten sie noch 10:20 in Rückstand gelegen.

Garoppolo blieb ruhig, er konzentrierte sich auf den nächsten Angriff. "Von solchen Momenten träumst du", sagte der 28-Jährige später. Zwei Mal hatte er eine vergleichbare Situation bereits erlebt, allerdings als Ersatzmann von Tom Brady bei den New England Patriots. Garoppolo sah zu, wie Brady 2015 gegen Titelverteidiger Seattle einen 14:24-Rückstand drehte; und wie Brady die Patriots 2017 gegen Atlanta sogar trotz eines 3:28-Rückstands im dritten Viertel noch zum Titelgewinn in der Verlängerung führte. Und eben dieser Brady hatte Garoppolo vor dem Spiel kontaktiert, ihm viel Glück gewünscht und gesagt: "Hol dir das Ding."

Um der Held zu werden, hätte Garoppolo sein Team komplett über das Feld führen und den Spielzug mit einem Touchdown abschließen müssen. Garoppolo bekam an der eigenen 15-Yard-Linie den Ball. Doch er schaffte es nicht, seine Offensivspieler in maximal vier Versuchen so zu bedienen, dass sie mindestens einen Raumgewinn von zehn Yards verbuchen konnten, um so vier neue, sogenannte Downs zu bekommen. Kansas City kam deshalb an der Mittellinie in Ballbesitz - und machte nur 13 Sekunden später mit einem weiteren Touchdown durch Williams den Sieg endgültig perfekt.

Trainer Shanahan kommen die Erinnerungen von 2017 wieder hoch

Dass Garoppolo anschließend noch eine Interception warf, war bereits nur noch eine Randnotiz, die Partie war bereits verloren. Aber sie passte ins Bild und rundete die harmlosen Offensivaktionen der 49ers im Schlussviertel ab. Vier Mal hatte San Francisco den Ball, die Bilanz: Punt, Punt, Turnover on Downs, Interception, also vier Mal gescheitert. "Uns sind einfach nicht mehr die Spielzüge gelungen, die für gewöhnlich klappen. Es war nicht unser Abend. Sowas kommt vor", sagte Garoppolo, den die Kalifornier 2017 von den Patriots geholt und wenig später mit einem Vertrag über 137,5 Millionen Dollar für fünf Jahre gebunden hatten.

Er fasste die Spielzeit der 49ers trotz der 20:31-Niederlage in der wichtigsten Partie der Saison dennoch als Erfolg zusammen. Immerhin hatte San Francisco mit ihm als Ballverteiler 15 der 19 Spiele gewonnen - aber das letzte eben nicht. Das lag auch an Garoppolo, der seine erste Prüfung als Hauptdarsteller auf der ganz großen Bühne nicht bestand.

Auch San Franciscos Trainer Kyle Shanahan stand erstmals alleine im Rampenlicht. Zwar war er bereits mit den Atlanta Falcons 2017 im Endspiel, damals aber als Offensive Coordinator lediglich für den Angriff zuständig. Shanahan war zuletzt immer wieder auf die historische Niederlage vor drei Jahren gegen die Patriots angesprochen worden. Er wich den Fragen nicht aus, sondern redete ausführlich darüber, was er in jenem Spiel gelernt habe. "Gib den Ball nicht ab, nutze deine Third downs." Trotz des verpassten Titels sei er damals stolz auf die Saison und die Mannschaft gewesen, sagte Shanahan. "Wir haben großartig gespielt, aber im vierten Viertel eben nicht."

Am Sonntag saß Shanahan nun erneut vor den Pressevertretern, und wieder musste der Coach über ein Spiel sprechen, das sein Team lange Zeit kontrollierte - und trotz einer Führung im Schlussviertel noch aus der Hand gab. Als der 40-Jährige davon redete, dass "wir im vierten Viertel unsere Third downs nicht genutzt" hätten, klang das wie seine jüngste Analyse der Super-Bowl-Niederlage 2017.

Andy Reid von Kansas City muntert seinen unterlegenen Trainerkollegen Kyle Shanahan nach dem Duell auf

Andy Reid von Kansas City muntert seinen unterlegenen Trainerkollegen Kyle Shanahan nach dem Duell auf

Foto: David J. Phillip/ AP

Die Mannschaft werde "garantiert heiß auf die neue Saison sein", sagte Shanahan über die kommenden Monate. Auch Garoppolo wirkte entschlossen. Der Weg zurück in den Super Bowl sei zwar ein langer, sagte er. Aber die 49ers seien ein junges und talentiertes Team. "Wir müssen uns einfach daran erinnern, wie sich diese Niederlage anfühlt - und das sollte uns antreiben."

Nur garantiert die Einstellung allein keine weitere Finalteilnahme. Trainer Andy Reid vom Siegerteam Kansas City musste 15 Jahre warten, um nach dem verlorenen Super Bowl 2005 mit Philadelphia eine weitere Chance zu bekommen. Ein weiter Anlauf. Quarterback Garoppolo wird in seiner Spielerkarriere so lange jedenfalls nicht mehr auf eine zweite Chance warten können.

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